Die Bunte Stadt hatte wieder zum internationalen Antik- und Trödelmarkt eingeladen
Herrliches Maiwetter lockte viele Besucher rund um die Burg
Linz. Strahlender Sonnenschein bescherte dem internationalen Antik- und Trödelmarkt bereits am eigentlich besucherschwächeren Samstag einen enormen Ansturm an Schnäppchenjägern und Freunden von Kitsch-Kuriositäten. Schon in den frühen Morgenstunden zogen die ersten erfolgreichen Kunden zufrieden mit ihrer Beute zu den Fahrzeugen, die sie da noch in der Nähe des Marktes hatten parken können. Schon am frühen Nachmittag war kein freier Platz mehr in Linzhausen an der B 42 zu finden, von der Altstadt ganz zu schweigen. Nicht nur aus dem Köln-Bonner-Raum, auch aus dem Sauerland und aus der Hauptstadt des benachbarten Bundeslandes sowie aus Koblenz und aus der Eifel waren Besucher angereist. Sie nahmen sogar den weiten Anmarsch vom Kaiserberg in Kauf, um dann an den zahlreichen Ständen der Händler vorbeizupilgern.
Alte Bauerngerätschaften wie Schälmesser und Lohlöffel, Kniesense und Dengelambos, dreizackige Forken und breite Holzrechen waren an der alten Post um eine Schürreskaar gruppiert. Nicht weit davon entfernt ragten neben Bastbesen und -bürsten in allen Größen ellenlange Staubfänger in den blauen Himmel, mit denen man jeden Stuckfries unter meterhohen Decken ehrwürdiger Gründerzeitvillen säubern könnte. In denen hatten wohl auch die Schränke aus rötlichem Kirschbaumholz oder dunkler Eiche, die mit Intarsien verzierten Anrichten und die schweren verschnörkelten Esstische für Großgesellschaften einmal gestanden, während die „Dame des Hauses“ ihre Abendtoilette in einem der hohen Spiegel mit mächtigem Holzaufbau begutachtet haben dürfte.
„Den könne Sie sich doch heute Abend hier abholen. Da können sie mit dem Auto auf der Bundesstraße hier zum Einladen am Viadukt halten“, versuchte ein Händler einen potenziellen Kunden zum Kauf zu animierten. Der aber war aus Mönchengladbach angereist und wollte nach drei Stunden in der idyllischen Altstadt noch mehr vom romantischen Rheintal sehen. Andere Händler, die ihre Kostbarkeiten am Gestade unter der Bahn ausgebaut hatten, lockten mit Preisnachlässen von bis zu 50 Prozent. Aber für schwere Ledersofas aus früheren Herrenzimmern oder ausladende Löwen-Schreibtische hätte man schon einen Anhänger zum Transport benötigt. Da konnten kauffreudige Besucher schon eher bei den in der Sonne verführerisch glitzernden Bleikristallschalen, -gläsern und -vasen zugreifen, die neben uraltem Silberbesteck und Serviceteilen bis hin zur geräumigen Terrine standen. „So ein tolles Geschirr mit Zwiebelmuster hatten wir früher auch zuhause“, schwärmte eine Bonnerin, deren Mann nur Augen für die Briefmarken aus aller Welt hatte, die ihn an sein Hobby aus Kindertagen erinnerte. Dicht daneben entführten Bilder wie „Das letzte Aufgebot“ zum Bauernaufstand nach Tirol oder an die oberitalienischen Seen. Schneeweiße Porzellan-Tänzerinnen und -musiker umgaben dagegen das Buch „Der alte Fritz in 50 Bildern“. Nicht zu einer Zeitreise, dafür aber in Morpheus Arme entführten farbige „Traumkugeln“, die neben mundgeblasenen Paper Weights am Rheintor angeboten wurden, und dem langen Schmuckstand Konkurrenz machten.
„Darf ich mich hier ein bisschen ausruhen“, fragte ein älterer Linzbesucher den Händler, der jede Mengen Gartenstühlchen um runde Metalltische mit filigran durchbrochenen Platten gruppiert hatte. Der plötzliche Temperaturanstieg forderte nicht nur bei diesem Gast seinen Tribut. Wie gut, dass die Linzer Gastronomie vorgesorgt hatte und ihren Kunden unter breiten Sonnenschirmen Schatten bot, in dem sie regenerieren und neue Kräfte sammeln konnten. Nur die Jüngsten schienen Kondition bis zum Abwinken zu haben. Ein oder zwei Bällchen Eis reichten aus, um sie schon wieder unternehmungslustig die Stände mit Spielzeug inspizieren zu lassen, an denen Barbies und Feuerwehrautos, Ritterburgen und Rennstrecken ihre Herzen höher schlagen ließen und manches Familienbudget dahinschmelzen ließen.
