„Ham & Egg“ Travestieshow in Linz
„Ich freu mich“
Linz. Ein fulminantes Feuerwerk an Kostümen, Gags und Glitter, üppigem Plüsch und Pailletten durchzogen von Showeinlagen und Entertainment mit extrem würzigem Humor zündete am Samstagabend das Travestie-Duo „Ham & Egg“. Pünktlich um 20 Uhr, nach den ersten Takten von „Also sprach Zarathustra“ setzte der Countdown ein. Und schon sangen Jörg Dilthey und Andreas Schmitz, zunächst jeder für sich im „halbherzigen“ Kostüm: „Jetzt ist Showtime, mit viel Herz präsentiert. Ein großer Traum erwacht. Wir entführen Euch in unsre Welt und hoffen, dass sie Euch gefällt! Die Karten sind gemischt, wir steh’n im Rampenlicht!“ Nachdem sich die beiden „bombigen Damen“ in diesem zu einem riesigen Boa-Liebesherz zusammengefunden hatten, entschwand Egg, um sich hinter der Bühne für seinen nächsten Auftritt zu „verwandeln“. In eine Frau travestiert hatte sich Ham dank Wimperntusche und Rouge schon Stunden zuvor nach dem Motto „Bart ab, Perücke auf!“ So kannten ihn bereits etliche der Zuschauer. „Wer ist denn zum ersten Mal hier? Ach doch einige. Die anderen haben wohl einiges beim vorigen Mal nicht verstanden“, witzelte Ham, um dann nach einem ersten dahingehauchten „Ach ich freu mich!“ seiner Partnerin auf der Bühne Platz zumachen. „Gestern ist nun vorbei. „Heute ist heute und morgen ein ganz neuer Tag“, sang sie, um sich dann an den Beginn ihrer Travestie-Karriere zu erinnern. „Der liegt ja schon 16 Jahre zurück, da erschreckt man sich schon morgens beim Blick in den Spiegel. Wir sind ja nun schon in dem Alter, in dem die Rose zu Hagebutte wird“, gestand Egg ein. Dagegen habe man ihnen bei den ersten Auftritten noch Blumen auf die Bühne geworfen, allerdings mit Töpfen dran. „Das Publikum raste - leider zum Ausgang“, witzelte die blondgelockte Dame mit dem sexy-frivolen Beinausschnitt selbstironisch, um sich dann der ersten Reihe zu widmen. In der glaubte sie, die Damenriege eines lesbischen Kegelclubs um Fahrer Detlef erkennen zu können. „Nobody ist perfekt, manchmal hat der Teufel etwas ausgeheckt, aber ich weiß genau, was in uns steckt. Man braucht Mut, denn nur wer Fehler macht, wird wirklich gut“, verkündet Egg selbstsicher, um dann einen Musical-Star anzukündigen. In einem riesigen Reifrock und mit überlangen, krakenartigen Extremitäten in bauschigen Puffärmeln rauschte Präsidentengattin „Evita“ Peron auf die Bühnen, um die deutsche „Übersetzung“ von „Don’t cry for me Argentinia“ zu schmettern, die Wehklage einer Mieterin, die zum Auszug gezwungen ist: „Ich krieg die Krise, so viel Zeug war ja noch nie da. Ein Meer voll schwerer Kisten soll ich hier schleppen die ganzen Treppen, kann mich nicht bücken, mir zieht’s im Rücken!“, schmetterte Ham die Persiflage hingebungsvoll. Schrill, wallend und wogend im Stil glamouröser Vegas-Revues ging es weiter ob in einem auf den Leib von Egg geschneiderten Karussell, als Rouletttisch oder als überdimensionale Handtasche. „Nachher kommt Ham bestimmt wieder als Klatschbase Riccardo Doetscher und Henry Valentino ist sicher auch im Jubiläumsprogramm. Das ist der mit dem ‚Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen‘. Catharina Valente und Trude Herr werden auch nicht fehlen“, verriet eine treue Zuschauerin von „Ham & Egg“ ihrer Freundin, die sich nach diesem Linz-Abend in die Phalanx der Travestie-Fans einreihte, die schon mit Spannung das neue Programm erwarten, mit dem die beiden schrillen Vögel nächstes Jahr auf Tournee gehen werden.
