Dattenberger KG hatte zur Prunksitzung ins Bürgerhaus geladen
Jecken aus dem Rööpeland feierten außer Rand und Band
Dattenberg. In eine bunt dekorierte Narrhalla hatte sich das Dattenberger Bürgerhasu „Am Schwarzen See“ am Wochenende verwandelt, hatte die 1936 gegründete Karnevalsgesellschaft um Sitzungspräsident Hans-Peter Schneider doch dorthin zu ihrer Prunksitzung eingeladen. Begeistert empfangen wurden er und der Elferrat beim Einzug um 19.11 Uhr zusammen mit dem Dattenberger Fanfarenzug Schwarz-Gelb und entsprechend dem Motto „De Pänz sin os Zokunft!“ mit den „Tanzmäusen“ von einer bunt kostümierten Narrenschar. Der konnte er im restlos ausverkauften Bürgerhaus ein tolles Programm versprechen, das sein Vorgänger, Ehrenpräsidenten Matthias Thür, zusammengestellt hatte.
Und schon heizte der 2011 zum 75-Jährigen der KG ins Leben gerufene Fanfarenzug unter Leitung von Wolfgang Klockner als bewährter Eisbrecher dem jecken Rööpevölkchen mit einem schmissigen Potpourri aus kölschen Stimmungskleidern mächtig ein. „Mir kumme met alle Mann vorbei“, versprachen die von Daniela Kamper trainierten „Mini Rööpe“ als niedliche Piraten, denen nicht nur die Herzen ihrer Großeltern entgegen flogen.
Dann wurde es hoch-spannend, verwandelte sich das Dattenberger Gürzenich doch in einen Tatort des MI5-Superagenten 007, der mit seinen Bond-Girls auf die Bühne zog. Mitgebracht samt ihrem Musikzug „Blechjedöns“ um Wolfgang Steiger und den musikalischen Leiter Dominik Arz hatten sie Rittmeister Tobias Grunwald und der Erste Vorsitzende des Tanzcorps „Rotze Husaren“ 1955 Linz von ihrem Großbritannienbesuch. Nach diesem optischen Genuss ging es mit einer ersten Attacke auf die Zwerchfelle der Jecken weiter.
„Ne komische Hellije“ us Kölle, alias Peter Kolb, der 1997 bei Mike Krüger in der RTL-Show „Kennen Sie den“ Witzesieger geworden war, trieb auch dem Letzten im Saal die Tränen in die Augen mit seinen Verzällcher etwa vom Lieblingskoch Giovanni oder seinen Erfahrungen mit der Polizei, nach einer 30-Kilometer-Ortsdurchfahrtszone mit Tempo 70, die er mit starker Mimik und großen Gesten untermalte.
Weiter ging es mit den „Tanzmäusen“, die mit Anja Birrenbach und Britta Huhn gewagte Hebefiguren einstudiert hatten, die sie bei ihrem Gardetanz tänzerisch perfekt in einwandfreiem Rhythmus zur Musik präsentierten und so die Narrenschar zu Begeisterungsstürmen animierten. Nach ihnen zelebrierte Protokollarius Willi Simons auf seine ganz besondere Weise Vorkommnisse des Dorflebens. Hatte er im Vorjahr noch moniert, dass der Straßenbau die Daddebercher zu langen Umwegen auf „Buckelkurvenpisten“ unteneröm oder vom Berch eraff zwingen würde, so lobte er am Samstagabend, dass die K10 als „Rööpe-Avenue“ jebore sei. Nicht unerwähnt ließ er auch das neue Feuerwehr-Domizil am Friedhof, wohingegen er bitter beklagte „Unser Dorf ist tot“, womit er auf die Schließung der letzten Dattenberger Gastwirtschaft und des Getränkemarktes anspielte.
Nach diesen Dorfgeschichten entführten die Ex-“Mädchen“-Tänzer von „Rööpe Underground“, die vor zwei Jahren von Margit Michels, Ute Wagner und Ruth Zimmermann zu Sängern umgeschult worden waren, als Fußball-Nationalelf an die Copacabana.
Deutschlandfahnen schwenkend ließen sie sich als Weltmeister feiern, um dann mit dem Höhner-Hit „Steh auf, mach laut“ die Stimmung im Saal zu beschreiben „Die janze Welt es usser Rand un Band, se fiere Carnevel im Rööpeland!“ Nicht nur in Kölle und Venedig, eben auch in Rio wird Karneval gefeiert und dorthin entführten Rööpe aus dem Untergrund, bestens trainiert von Janek Voss, mit ihren Trommeleinlagen.
„Mir möten noch ens zesamme spille“, hatte sich Oliver Busch vor gut einem Jahr gedacht und war von Lutz Lehrach und drei weiteren Dattenbergern die Antwort gekommen: „Machem’r“ damit war diese Band geboren, die ihren Erfolg von der Sitzung des Vorjahres mit Leedcher von Brinks, den Bläck Fööss und den Paveiern oder Cat Balou wiederholten.
Weiter ging es mit der Showtanzgruppe „Grün-Weisse Mädcher un Junge“ aus Irlich, bevor mit Lieselotte Lotterlappen die Limburger Comedy-Dame mit dem Zungenschlag eines Leguans du dem Charme eines Elefanten auftrat, der im sprichwörtlichen Porzellanladen kein noch so kleines Fettnäpfchen auslässt.
Erneut versetzt die urkomische „Alte“ mit ihrem in schriller Manier vorgetragenen Urteil über Gott und die Welt et Rööpeland in jecken Ausnahmezustand, bevor lange nach Mitternacht die Tanzgarde der KG um Trainerin Stefanie Schmitz-Runkel im Stil von „Lord of the Dance“, den krönenden Abschluss einer tolle Prunksitzung einleiteten.
Als Fußball-Nationalelf mit dem vierten Stern auf der Brust entführte „Rööpe Underground“ nach Brasilien
