Tag des offenen Denkmals in Erpel
„Jenseits des Guten und Schönen: unbequeme Denkmäler“
Neutor, Brückentürme und Tunnel werden geöffnet
Erpel. Der diesjährige europaweite Tag des offenen Denkmals am 8. September steht unter dem Motto: „Jenseits des Guten und Schönen: unbequeme Denkmäler“.
Dass ein für die Kommune aus finanziellen Gründen unbequemes Denkmal durch private Initiative erhalten und für eine Nutzung ausgebaut werden kann, zeigt das Beispiel der Innenrenovierung des Neutores. Der Bruchsteinbau mit hohem Walmdach ist das letzte vollständig erhaltene Stadttor von ehemals vier Eingangstoren der Ortsumwehrung aus der Zeit um 1420. Nach einer Sanierung des Daches und der Außenmauern durch die Ortsgemeinde fand sich 2001 eine Gruppe Ehrenamtlicher unter der Leitung von Heribert Siebertz, die die Innenräume des Bauwerks von Grund auf überholten und für wechselnde Ausstellungen herrichteten. Nach acht Jahren konnten die Arbeiten im Jahr 2009 abgeschlossen werden. Das Neutor ist von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Heribert Siebertz bietet nach Bedarf Führungen an. Die Türme der ehemaligen Ludendorffbrücke an der B 42 sind in der Tat für die Ortsgemeinde ein äußerst unbequemes Denkmal, ist doch eine umfangreiche Sanierung notwendig, um das historische Bauwerk zu erhalten. Wegen der nationalen Bedeutung des für den 1. Weltkrieg errichteten Gebäudes erwartet die Gemeinde umfangreiche Hilfen von Land und Bund, da die Renovierung die eigenen Möglichkeiten weit übersteigt, eine Erhaltung des Gebäudes aus zeitgeschichtlichen und denkmalpflegerischen Gründen jedoch unerlässlich ist. Dennoch werden die Türme schon jetzt kulturell genutzt. In den Brückentürmen ist derzeit die Ausstellung „Gewaltige Bilder“ zu sehen. Am Tag des offenen Denkmals findet um 12.30 Uhr eine Führung statt, in der insbesondere die Baugeschichte und die Bedeutung der Ludendorffbrücke als Kriegsbauwerk vorgestellt werden. Danach sind die Türme bis 18 Uhr für die aktuelle Kunstausstellung geöffnet. Der 383m lange Eisenbahntunnel unter der Erpeler Ley wurde gemeinsam mit der Ludendorffbrücke 1916-18 erbaut, um mit einer Eisenbahnstrecke die Front in Frankreich zu unterstützen. Im Zweiten Weltkrieg diente er der Zivilbevölkerung bei den häufigen Bombenangriffen auf die Brücke als Schutzraum. Am 7. März 1945 eroberten amerikanische Truppen die Brücke und den Tunnel und schufen einen ersten rechtsrheinischen Brückenkopf, wodurch der Zweite Weltkrieg bald in die Endphase führte. Die Ereignisse dieses Tages sind in dem Roman „Die Brücke von Remagen“ von Rolf Palm dokumentiert, der die Grundlage für das im Tunnel aufgeführte Theaterstück „Die Brücke“ bietet. Am 8. September findet im Tunnel um 13.30 Uhr eine Führung durch den Vorsitzenden des ad Erpelle Kunst- und Kulturkreises Erpel, inzwischen Eigentümer des Bauwerks, statt. Danach ist der Tunnel nur für Besucher des Theaters zugänglich. Eintrittskarten hierzu unter Tel.: (0 26 44) 80 98 85.
