Mitglieder der Trinitatis-Gemeinde luden zum Gemeindefest nach Linz ein
Märchen, Sketche, Sänger und ein Posaunenchor
Linz. Mit dem Festkonzert „Lobet den Herren“ am ersten Maisonntag hatte die Trinitatis-Kirchengemeinde den Veranstaltungsreigen zur 150-Jahrfeier der evangelischen Kirche in Linz begonnen, dem vor zwei Wochen die Vernissage der Ausstellung von Edith Oellers „Geschichten von Menschen und Dingen“ im Katharinenhof gefolgt war. An diesem Wochenende nun feierten beiden Bezirke Linz-Bad Hönningen und Unkel-Rheinbreitbach, gemeinsam ihr Gemeindefest, das mit einem Festgottesdienst in der Linzer Kirche begann. Begrüßen konnte Pfarrer Christoph Schwaegermann dort seinen Unkeler Kollegen Michael Busch, der als Drummer auch gleich die Band „17 Inches“ zur musikalischen Gestaltung des Gottesdiensts mitgebracht hatte. Aus der Partnergemeinde Langengrassau war auch Pfarrer Frank Gehrmann mit Ehefrau Anne und weiteren Gemeindegliedern aus der Nieder-Lausitz nach Linz gekommen. Die Linzer Frauenhilfe hatte bereits vor 62 Jahren mit einer Paketaktion den Kontakt zu der Langengrassauer Gemeinde ins Leben gerufen, die sich mit den Rheinländern nun schon seit 1984 regelmäßig trifft.
Einzug der Königstochter
Märchenhaft ging es zunächst in der Kirche zu, hielt doch die Satzprinzessin Maruschka Einzug. Sie war die jüngste von drei Töchtern eines Königs, der seine Kinder sehr liebte. „Da er alt und des Herrschens müde war, überlegte er, welche seiner Töchter nach seinem Tode Königin werden sollte“, erzählte die Märchentante. Nach langem Erwägen habe er sich entschlossen, diejenige zur Herrscherin zu bestimmen, die ihn am innigsten liebte. Als er sie entsprechend gefragt habe, habe ihm seine älteste Tochter geantwortet „mehr als alles Gold“ und die zweite „ich liebe dich wie mein Brautgeschmeide.” Nach kurzem überlegen habe ihm Maruschka geantwortet: „Ich, Vater, liebe dich … wie Salz!”, was den König und ihre Schwestern mehr als empörte, hatte sie ihre Lieben doch mit einem so einfachen Ding verglich, das auch der Ärmste besaß, weil man es für ein paar Groschen kaufen konnte. Mit den Worten: „Geh mir aus den Augen, du undankbares Mädchen! Ich will dich erst wiedersehen, wenn den Menschen Salz wertvoller als Gold und Edelsteine erscheinen“, schickte der König seine Jüngste in die Verbannung. Der Ausgang des Märchens ist bekannt. Der König musste erkennen, wie wertvolle Salz ist und schon war Christoph Schwaegermann beim Thema seiner Predigt angekommen, dem Satz aus der Bergpredigt: „Ihr seid das Salz der Erde!“ nach Matthäus 5, Vers13. Anders als sein Unkeler Kollege, dem Butterbrotfreund, habe er durchaus eine ausgesprochene Vorliebe für süßen Kuchen, wisse aber auch ein Brot mit Butter und Salz sehr zu schätzen, verriet Christoph Schwaegermann und ließ entsprechende Köstlichkeiten von den Konfirmanden an die Gottesdienstgäste verteilen, mit kleinem Salzstreuer als bleibend Erinnerung an den Festgottesdienst.
Werte schätzen können
„So wertschätzend wie Maruschka von ihrem Vater, so denkt Gott von den Menschen, denn schließlich schmeckt ohne Salz alles fad. Neben seiner konservierenden Wirkung ist Salz lebensnotwendig. Und das ist die Bestimmung eines jeden einzelnen auf seine ganz besondere Art, das Leben anderer zu würzen, ihnen zu helfen und Auftrieb zu geben“, so der Pfarrer. In Wunden gestreut würde Salz aber auch beißen und brennen, habe aber so eine durchaus heilende Wirkung. Auch Christen sollten Salz in die Wunden streuen, wenn etwas nicht stimme oder wie Salz auftauend wirken, wenn Beziehungen eingefroren seien, mahnte Christoph Schwaegermann.
Im Reich der Wunder
„Drinnen herrscht Frieden, wir stehen hier am Höllenfeuer“, schnaufte Küster Jürgen Dung, der mit seinen Helfern bereits Würstchen und Steaks auf dem große Schwenkgrill brutzeln ließ, um so für den ersten Ansturm der Festgäste nach dem Gottesdienst gewappnet zu sein. Um Feuer ging es auch bei Maggy Ziegler, die oben auf der Orgelempore kleine und große Zuhörer „Willkommen im Reich der Wunder“ begrüßte, nachdem sich diese ausgiebig für eine lange Feier gestärkt hatten. Als Märchentante Griseldis erzählte die Bad Hönningerin zunächst die italienische Legende wie der heilige Antonius Dank eines kleinen Schweinchens und mit Hilfe seines Stabes aus Kornelkirsche für die Menschen Feuer aus der Hölle holte. Anschließend ging es nach Portugal zum Prinzen „Eselsohr“ und von dort in die Türkei, wo eine wundersames Kupfertöpfchen einer jungen, schönen Frau nicht nur Essen und Edelsteine, sondern auch den Sohn des Padischahs schenkte. Wenn auch nicht märchenhaft, so doch nicht weniger genüsslich ging es derweil bei Kaffee und Kuchen im Katharinenhof zu. Lediglich die Mitglieder des Posaunenchors und des Singkreises mussten sich langsam auf ihre Auftritte vorbereiten.
Musikalische Einlagen
So besang „The Voice of Trinity“ unter Leitung von Svetlana Winnekes zunächst vielstimmig „In einem Bächlein helle die launische Forelle“ von Franz Schubert. Damit aber nicht genug, ließen die Sänger den Text von Christian Friedrich Daniel Schubart in einer Verballhornung des bekannten Kunstliedes auch so erklingen, wie andere Komponisten das Thema vertont haben könnten. Dabei beließen sie es nicht nur bei dem heroischen Kampf des Fisches in der Version Ludwig van Beethovens oder bei der hochdramatischen Version des Bayreuthers, die Forelle des Romantikers verwandelte sich auch noch in eine quirlige trota italiana, bevor sie schwermütig neben den Wolga-Schleppern ihrem Ende entgegenglitt. Aber nicht nur für die Freunde der Bildenden Kunst und die Musikfans war gesorgt, auch Literaturbeflissene kamen am späteren Nachmittag auf ihre Kosten.
„Kästchenszene“
Da stand die Komödie „Gertchen 89ff“ von Lutz Hübner in zeitlicher Raffung auf dem Programm, bei der es eigentlich nur um die so genannten „Kästchenszene“ aus Goethe „Faust“ geht, die in der Reclamausgabe ab Seite 89 folgende zu finden ist. Dabei steht allerdings nicht der Protagonist des Dichterfürsten oder die von ihm Verführte im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um bei Regisseuren vorsprechende Schauspielrinnen, die Gretchen spielen wollen. Dargestellt wurden sie je in Doppelrollen von Sibylle Schwaergermann und Dinah Kador, die sich dem Casting durch ihre Ehemänner Christoph und Tobias stellten und dabei in vier höchst vergnüglichen Sketchen Macken und Marotten der Regisseure etwa wie die des nostalgischen Gründgens-Verehrers aufdeckten. Aber auch die Selbstdarstellungsneurosen der Schauspielrinnen kamen nicht zu kurz von der einer blutigen Anfängerin bis hin zu denen eines nicht mehr taufrischen Gretchens, das wohl eher für die Rolle der Marthe geeignet gewesen wäre, so dass mit dieser kurzen Persiflage auf die schillernden Welt des Theaters ein äußerst kurzweiligen Gemeindefest langsam seinem Ende entgegensteuerte.
Lange Tische waren nicht nur beim Essen besetzt, sondern gaben auch Raum für angeregte Unterhaltungen.
