Prinz „Neubürger“ Hans III., aus dem Hause Kahlen, ist die neue Tollität der Herrlichkeit Erpel
Mit Aachner Printen versüßte der neue Prinz seinem Völkchen die Proklamation
Erpel. Auch wenn der Winter erst vor der Tür steht und von Schnee noch nichts zu sehen war, ging am Sonntag in Erpel et Trömmelche und prompt stunden se all parat die Jecken, die schon sehnsüchtig auf den Beginn der fünften Jahreszeit gewartet hatten. Proppenvoll war der Bürgersaal, in den die Große Erpeler Karnevalsgesellschaft (GEK) um ihren Vorsitzenden Uwe Kochems zur Sessionseröffnung eingeladen hatte und in den der Elferrat mit der kleine Prinzengarde, der Prinzengarde und den Stadtsoldaten pünktlich um 13.11 Uhr einzog. Da wollte die Liebe des treuen Husaren gar kein Ende nehmen, so groß war die Begeisterung bei den Jecken, darunter auch Bürgermeisterin Cilly Adenauer.
Nach Schunkelliedern bewährten sich die von Christina Berg trainierten „Silver Dolls“ als Eisbrecher, die aus Linz samt Maskottchen „Leo“ angereist waren. Mit geradezu frenetischem Applaus wurde nach ihnen der Nachwuchs der GEK gefeiert, die Kindergarde, die mit ihren Tänzen zu „So ne schöne Daach“ wahre Beifallsstürme durch den Saal wehen ließ.
Es hieß Abschied nehmen
Dann hieß es Abschied nehmen von Karel I. aus Nimwegen, den Chef der „Vollen Bloas“. Als Lehrer im Frontalunterricht geschult, ließ die scheidende Tollität ihre Herrschaft wortgewaltig Revue passieren, um allen zu danken, die alles daran gesetzt hatten, die Session zu einem grandiosen Event werden zu lassen. „Das schrecklichste an ihr habe ich gestern Abend als Sankt Martin hinter mich gebracht“, erinnerte Karel Harmesen mit Schaudern, bevor er von Uwe Kochems im Elferrat aufgenommen wurde. Das ließ den Niederländer das Ende der Welt direkt drei Kilometer nördlich ansetzen, so dass seine Stammheimat mit dem „Unkeler Wind“ auch direkt sang- und klanglos unterging. Auch die verklausulierte Vorstellung seines Nachfolgers hatte die GEK ihm angetragen.
„Die Erpeler trauen sich wieder“, verriet Karel Harmesen, dass die neue Tollität aus dem Ort stammt und die oranje Fremdherrschaft damit ein Ende hat. Er sei zwar ein Zugezogener aber äußerst aktiv im Erpeler Vereinsleben und zudem fleißiger Steuerzahler. „Das trifft auch auf Andreas Schwager zu, aber der war ja schon Prinz“, so der Laudator. Werner Henneker habe keine Zeit und bekäme vom Familienchef auch nicht die Erlaubnis, während sich Edgar Neustein, der langjährige GEK-Präsident nicht das weiße Beinkleid trauen würde, orakelte der Nimwegener.
Der neue Prinz - er liebt das Leben
„Viel Informationen hat man mir ja nicht zukommen lassen. Euer Prinz liebt das Leben, Kölsch und Wein und obwohl er als helfende Hand immer da ist, wo es etwas zu tun gibt, ist er im Grunde nicht so richtig Rut-Wiess, sondern als Öchener eher Blau-Gelb“, so Karel Harmesen. Als er dann aber noch verriet, das der sein „Smart“ das größte Hobby des „Neuen“ sei, war auch dem letzten im Saal klar: Tollität am Fuße der Erpeler Ley ist „Neubürger“ Hans Kahlen.
Und schon zog dieser, eskortiert von den Stadtsoldaten um die neuen Kommandanten Felix Weber und Michael Dung, nicht Strüßjer werfend, sondern Aachener Printen verteilend, als Prinz Hans III. mit seinen Adjutanten, den Ex-Prinzen Günter Witten als Säckelmeister und Andreas Schwager als „Terminator“, in den Saal ein, während Ex-Prinzessin Sandra Schürmann und Tochter Kerstin Wolf für sein Wohlergehen als verantwortliche Ehrendamen abgestellt worden waren.
"Ihr habt et so jewollt"
„Alaaf ihr Jecke hier im Saal, endlich is et jetzt soweit, im Ornat der Herrlichkeit, in Pluderhosen , dünnen Beinen, kurz ein Anblick fast zum Weinen.
Aber ihr habt et so jewollt, jetzt müsst ihr die Session mit mir auskommen“, stellte sich Prinz „Neubürger-Hans“ vor. Als schüchterner Mensch sei er Günter Witten immer noch dankbar, dass dieser ihn in Erpel vor Jahren bekannt gemacht und gleich in den Vorstand des Gesangvereins geholt habe, obwohl er doch gar nicht singen könne. „Aber ich war ja auch schon mal Präsident eines Fußballvereins, ohne zu wissen was Abseits oder Elfmeter ist“, gestand die Tollität, bevor sie verriet, wie sie in Erpel „gelandet“ sei.
„Als ich bei einer Fahrt am Rhein entlang sehen wollte, ob hinter den dicken Mauern hier noch jemand lebt, habe ich ein großes Zelt entdeckt, dass mitten auf der Straße stand. Wo zum Feiern der Verkehr blockiert wird, da bin ich zu Hause“, erklärte Hans III. seinen Entschluss, in Erpel sesshaft zu werden.
Feddere und de Pritsch
Das ist dem Mitglied in fünf Vereinen längst gelungen, auch wenn er seit seinem Einstand beim Pitter om Maat der „Herr Neubürger“ geblieben sei, so der „zusammengestellte“ Prinz. „Meine Mütze ist von meinem Freund Günter, das Ornat von der GEK und die roten Schuhe sind vom Uwe“, so Hans III.
Nur die weißen Strümpfe, Marke Dehn-blickdicht, habe er selber gekauft. „Da hat man mir doch welche angeboten, die nicht blickdicht waren, und mir deshalb geraten, die Beine zu rasieren. Auch wenn ich Prinz bin, bleibe ich doch noch Mann!“, entrüstete sich die Tollität mit dem drüchen Humor, die beinahe vergessen hätte, die Zeichen ihrer Macht, die Feddere und de Pritsch in Empfang zu nehmen. Erst als Uwe Kochems ihm diese überreicht hatte, konnte Neubürger-Hans III. sein Sessionsmotto verkünden. „Mer donn nit lamentiere, sondern danze, laache, fiere un singe bei Bier und Wing in Erpel, der Perle am Rhing!“, so sein Befehl für die lange Session.
