Große Linzer Karnevalsgesellschaft 1934
Mittelrheinische Tollitäten folgten der Einladung zum Prinzentreffen
Erstmals empfingen die Große Linzer KG und Johannes I. ihre Gäste in der Stadthalle
Linz. Wie jedes Jahr im Winter, auch wenn et nit schneite, ließ die große Linzer KG zwei Wochen vor der heißen Phase der Session et Trömmelche jonn und nahezu alle mit ner Papnas jeborenen adligen Jecken vom Mittelrhein, also auch solche, die nit d’r Dom en d’r Täsch han und Alaaf-gewohnte Ohren mit „Helau“ quälen, machten sich auf in die Bunte Stadt am Rhein zum Prinzentreffen. Anders als in den Vorjahren war ihr Ziel dieses Mal aber nicht der Rittersaal in der Burg, sondern die Linzer Stadthalle, in der Prinz Johannes I. „vun all Linzer Strünzern“ samt seinen Adjutanten, Manni Paffhausen und Toni Schmidt Hof hielt samt der Präsidentin Yvonne Adams-van Beek mit ihrer Vize, Heike Paffhausen. Mit Informationen über die Namen der jeweiligen Besucher hinaus wurden die beiden versorgt von Mitgliedern des Elferrats um den Kommandanten Martin Flöck.
„Nicht dass wir unbedingt einen neue Bleibe für diese Veranstaltung gesucht hätten. Wir haben uns einfach zu spät um einen Termin in der Burg bekümmert, so dass der Rittersaal an diesem Samstag schon von den Linzer Sebastianern gebucht worden war“, erklärte Oliver Brockhaus vom Vorstand der „Cremeschnittchen“. Glücklicherweise sei die Stadthalle noch frei gewesen und von der Kommune auch zur Verfügung gestellt worden. Energieschonender Nebeneffekt für die Karnevalisten: Die Linzer Narhalla war noch von der Prunksitzung närrisch dekoriert, so dass diese aufwändige Arbeit sich erübrigte. Und auch die Tänzerinnen, die Tollitäten und Gesellschaft im Gepäck mit sich zu führen pflegen, waren dankbar, bot ihnen doch die große Bühne ausreichend Platz für ihre Darbietungen.
Dafür aber verliefen sich die Besucher etwas in dem großen Saal, obwohl sich über 200 Jecken angemeldet hatten. Zum einen zwang die extrem kurze Session und der damit verbundene Terminstress etliche Prinzenpaare, der 72. Strünzer-Tollität Johannes I. nur kurz ihre Reverenz zu erweisen und sich nach einer Stippvisite zu weiteren Besuchen wieder auf den Weg zu machen, anstatt wie in den Vorjahren mit ihren Standesgenossen bei den Strünzer Narren ausgiebig zu feiern.
„Das ist heute wieder dein Tag. Genieß ihn und lass dich feiern“, begrüßte die Präsidentin Yvonne Adams-van Beek Johannes I., der mit seinen Adjutanten sofort sein Sessionslied raderdoll vortrug und damit direkt Schunkelatmosphäre in der Stadthalle verbreitete. Als erste Gäste begrüßte er dann auf der große Bühne die „Narrenzunft“ Remagen um Präsident Guido Selbach, der Kinderprinzessin Vanessa-Sophie I. samt Hofdame Alina auf die schääl Sick mitgebracht hatte. Aus dem Norden des Kreises hatte die KG „Me haalen et us“ die Rheinbreitbacher Tollitäten-Führerin, Ex-Muuzemändelche Karoline Laufenberg beauftragt, Kinderprinzessin Amelie I., aus dem Hause Plag, mit ihren Pagen, Julia Bornheim und Marta Radtge nach Linz zu begleiten, damit die dort beweisen könnten, das ächte Fründe zesamme stonn. Nicht nur Burgfräulein Sarah war mit ihrem Bruder, Kinderprinz Simon II. „vom rasenden Drahtesel“ aus dem nahen Kasbach angereist. Nachdem sich die von den Ohlenberger Mokkakännchen inthronisierte Tollität in geschliffener Reimform vorgestellt hatte, schickte sie die „Tanzflöhe“ ins Rennen, die nicht vergeblich baten. „Schenk mir dein Herz!“
Aus Holzlar war der Festausschuss „Veedelszoch“ seinem Kinderprinzenpaar Kilian I. und Ihrer Lieblichkeit Laura I. samt den Pagen Leonie und Thawindu angereist, während die Altstadt KG Rot-Grüne Senatoren aus Bonn für Johannes I. die „Auerberger Sterne“ mitgenommen hatten, die den Strünzer Jecken tänzerische Grüße von „Jim Knopf und der wilden 13“ aus der Bundesstadt überbrachten, bevor die Senatoren dem kleinen Prinz von Linz ihren „Windmühlen-Sessionsorden überreichten. Ja sogar die Große Uckerather KG „Remm Flemm“ war mit ihrem Prinzenpaar Andreas I. und Susanne I. aus Hennef angereist.
Entsprechend glitzerten in der weiten Stadthalle Diademe zwischen langen Fasanenfedern an Prinzenkappen wie etwa an der von Prinz Bili „aus dem Morgenland“, der zusammen mit seiner Prinzessin Ramona „von Blau-Weiß“ mit der KG Großmaischeid angereist war.
„Eine herrlich bunt dekorierte Halle, tolle Kostüme und Ornate. Das ist wieder ein einmaliges Bild“, schwärmte ihr Helau-Hofmarschall nit Blick in den Saal. In dem sorgte die KG Alt Hohenberger Adel mit ihrem Dreigestirn, Prinz Kevin, Jungfrau Jessica und Bauer Conny für kurkölsche Atmosphäre. „Außerdem haben sich auch noch Prinz Sven I., Ihre Lieblichkeit Prinzessin Steffi I und Bauer Marc von der KG ‚Mir komme met‘ aus Bockeroth/Düfferoth angesagt“, verriet der Geschäftsführer des Elferrats, Jürgen Pappendorf. Da war die Anreise vom Prinz der Alten und Freien Herrlichkeit Erpilla, Oli I., erheblich kürzer gewesen, der als Ex-Koch der Gulaschkapell mit seinem Hofstaat für rockige Töne sorgte. Da wollte Prinz Olaf I. nicht nachstehen und stellte mit der Hünnijer Kinderprinzessin Janne I. nicht nur die Stadt der Therme, sondern auch „janz Linz op d’r Kopp“. Da stimmte dann auch die Ariendorfer KG um Prinzessin Johanna I. ein: „Mir mache met“, bevor am Aschermittwoch wieder alles vorbei ist. An diesen Tag aber wollte am Wochenende noch keiner denken, sieht man von unverbesserlichen Fastelovend-Muffeln einmal ab.
