Allgemeine Berichte | 24.09.2013

„antiform“ - Kunst- und Kulturkreis „ad erpelle“

Musik und Kunst als Mittel für Frieden und sozialen Wandel

Die ehemals militärischen Zwecken dienenden Brückentürme wurden zu Mahnmalen für den Frieden

Anne und Konrad Beikircher vor einer, der im Stile „entarteter“ Kunst bemalten Flaggen.DL

Erpel. Seit Mitte August konnte man in den Erpeler Türmen der ehemaligen Ludendorffbrücke die Ausstellung „Gewaltige Bilder“ der Aktion „2t“ besichtigen, die vor Kurzem mit dem Auftritt der beiden bekannten Rapper „Gris & AMEWU“ ihren Ausklang fand. Diese Veranstaltung, die von den Ausstellungsorganisatoren, der Künstlergruppe „antiform“ und dem Kunst- und Kulturkreis „ad erpelle“ in Kooperation mit dem Kulturbüro „7 Mountains Music Night“ präsentiert wurde, war Teil der weltweiten Initiative „Playing for Change Day - September, 21. 2013“, die sich zum Ziel gesetzt hat, Musik und Kunst als Mittel für Frieden und sozialen Wandel zu nutzen.

„Genau dies ist ja das Konzept, das wir der kulturellen Nutzung unserer ursprünglich für militärische Zwecke vorgesehenen Brückentürme als Mahnmal für den Frieden zugrunde legen“, erklärte der Vorsitzende von ade erpelle, Edgar Neustein. Zusammen mit den beiden Antiform-Vorsitzenden, Helmut Reinelt und Franca Perschen hatte er Mitte der Woche den bekannten Kabarettisten Konrad Beikircher im Foyer des Eisenbahntunnels unter der Erpeler Ley begrüßen können. Der war in die Rolle des Auktionators geschlüpft um die 14 Fahnen seiner Frau Anne zugunsten von „antiform“ und „ad erpelle“ unter den Hammer zu bringen, die als Teil der Ausstellung an der Rheinpromenade entlang der B 42, auf die „Gewaltigen Bilder“ in den Türmen aufmerksam gemacht hatten.

„Das Thema der Ausstellung hat mich direkt an Gewalt gegenüber Bildern erinnert und damit an die von den Nationalsozialisten verfemte so genannte ’entartete‘ Kunst. Also habe ich Motive von diesen ’undeutschen‘ Künstlern der damaligen Avantgarde wie etwa von Anita Rée (1885-1933), Walter Grammatte (1897-1929), Anton Räderscheidt (1892.1970) aber auch von so berühmten wie Max Ernst (1891-1976) in meine eigene Bildsprache kreativ neu gefasst, sieht man von dem Frauenkopf von Emil Nolde einmal ab“, erklärte Anne Beikircher.

Fahnen für den Frieden

Fahnen seien für Staaten, Religionen oder Vereine wichtige Mittel zur Positionierung gewesen und vor allem bei den Nationalsozialisten hätten sie ja eine immens große Rolle gespielt, erinnerte die Künstlerin. „In diesem neuen Kontext zeige ich mit ihnen Flagge gegen Gewalt und Diskriminierung“, betonte Anne Beikircher, bevor ihr Mann ohne das wichtigste Werkzeug eines Auktionators „1. Erpeler Fahnenauktion“ zumindest symbolisch den Hammer schwang.

Zuvor ging der gebürtige Südtiroler aber auf die Bücherverbrennung und die Hasstiraden von Josef Goebbels ein, der dann begann, im Sinne von „Zucht und Sitte in Familie und Staat“ die auch moderne Kunst von Expressionisten über Symbolisten und Dadaisten als krank zu ächten. „Nicht nur weil meine Frau bei dem Neodadaisten Daniel Spoerri Kunst studiert hat, sondern weil die Gedichte einfach schön sind, stelle ich Ihnen die Fahnen mit Texten etwa von Hans Arp, George Grosz, Hugo Ball und seiner Frau Emmy Hennings vor“, erklärte Konrad Beikircher. Und schon tobte er sich ganz in seinem Metier „Sprache“ versunken etwa bei Kurt Schwitters Gedichten „Wenn die Kraniche bellen auf den tanzenden Wellen“ aus und ließ mit dem Hannoveraner „Die kleinen Puppen mit den winzigen Puppen puppen“.

„Holen Sie sich beim Lions Club Remagen, der wie bei der Ausstellungseröffnung wieder die Bewirtung übernommen hat, ruhig etwas zu trinken. Das senkt die Hemmschwelle beim Bieten“, forderte er danach sein Publikum auf, dass anschließend immerhin die Hälfte der Fahnen ersteigerte.

Keine Fahnen, aber je ein riesengroßes Tuch hat der Künstler Hendrik Beikirch an den Erpeler und Remagener Brückentürmen bemalt. Während vom linksrheinischen Ufer der Leubsdorfer Staatsminister a.D. Heinz Schwarz, der als 16-jähriger Luftwaffenhelfer an der umkämpften Brücke im Einsatz war, in Übergröße auf die Erpeler Ley blickt, war am Friedensmuseum das gewaltige Porträt von Charles J. Aldieri aus Bristol bzw. Connecticut zu sehen, der damals Panzerfahrer des 746. Panzerbataillons war. Genau 68 Jahre danach blickten sich die einstigen Feinde genau an der Stelle friedlich in die Augen, wo sie den Kampf um die Ludendorffbrücke erlebt hatten.

Wenn aus „Feinden“ Freunde werden

„Da ist er!“, rief Heinz Schwarz, als er den Gast aus Amerika gesichtet hatte. Sofort sprudelten nach dem ersten „Hello! How are you?“ nur so die Erinnerungen an den 7. März 1945 und die Tage danach aus den beiden heraus. „Als ich damals im Turm erfuhr, dass die Amerikaner in Remagen sind, war der Krieg plötzlich bei mir“, erinnerte sich Heinz Schwarz. Der Luftwaffenhelfer war damals gerade 16 Jahre alt , der Amerikaner zählte immerhin bereits 20 Jahre.

„Den Krieg habe ich eigentlich nur aus dem Inneren meines Panzers durch die schmalen Seh-Schlitze erlebt“, erzählte der amerikanische Veteran, der zweimal mit einem Panzer von Remagen aus über die Rheinbrücke gefahren war. „Mein Panzer der ersten Überquerung war auf den Erpeler Höhen von einer deutschen Abwehrstellung außer Gefecht gesetzt worden, ohne dass der Mannschaft etwas passiert war. Mit einem neuen Befehl musste ich dann später den Rhein mit einem neuen Panzer nochmals überqueren“, erinnerte sich Charles Aldieri.

Nur ein Erpeler, der Eisenbahner Willi Feldens, war beim Vormarsch der Amerikaner über die Ludendorffbrücke erschossen worden, weil der Stoßtrupp von Leutnant Karl Heinz Timmermann ihn möglicherweise wohl wegen seiner schwarzen Uniform für einen SS-Mann gehalten hatte. Zehn Tage später starben 28 amerikanische Soldaten beim Einsturz der Brücke. Da hatten bereits 18 Bataillone der Alliierten den Rhein überquert, allein am ersten Tag waren 8.000 Soldaten am Ostufer angekommen. Dadurch, dass die Sprengungsversuche der deutschen Brückenbesatzung fehlgeschlagen waren, war nicht nur der Krieg drei Monate früher beendet, auch der Plan der Amerikaner hatte sich erübrigt, die Strecke zwischen Koblenz und Beuel sturmreif zu bombardieren. Kein Stein wäre auf dem anderen geblieben, wenn dort tatsächlich innerhalb von nur einer Stunde 65.000 Granaten eingeschlagen wären.

„Erst durch die Ausstellung, genauer natürlich über die Kunst von Hendrik Beikirch ist man wieder auf unsere Geschichte und Erlebnisse aufmerksam geworden“, so Heinz Schwarz, der sogar noch seine Einberufung zum Luftwaffenhelfer dabei hatte. Mit dem beiderseitigen Wunsch auf ewigen Frieden verabschiedeten sich der 85-jährige Deutsche und der vier Jahre ältere Charles Aldieri mit einem herzlichen „Goodbye, my friend!“, nachdem sie sich im Gästebuch von „ad Erpelle“ verewigt hatten.

Das übergroße Portröt des ehemaligen Leubsdorfer Staatsministers Heinz Schwarz.

Das übergroße Portröt des ehemaligen Leubsdorfer Staatsministers Heinz Schwarz.

Anne und Konrad Beikircher vor einer, der im Stile „entarteter“ Kunst bemalten Flaggen.Fotos: DL

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