Allgemeine Berichte | 03.02.2016

Karnevalsgesellschaft Unkel 1930

Närrisch-rockige Prunksitzung

Selbst der Elferrat ließ sich von dem überschäumenden Temperament der Tollität anstecken

Die Unkeler „Barhocker“ servierten „eisgekühlte Coca Cola“, mit der sie jedoch alles andere als eine Abkühlung der närrischen Stimmung bewirkten.

Unkel. „Was für ein tolles Bild“, schwärmte der Präsident der Unkeler KG, Markus Winkelbach, am frühen Samstagabend, nachdem er mit dem strüssjer-werfenden Elferrat und den Tanzgruppe in das Gürzenich der Kulturstadt am Rhein eingezogen war. Der schleppende Karten-Vorverkauf habe ihm zwar den Angstschweiß auf die Stirn getrieben, angesichts der bis auf den letzte Platz mit bunt kostümierten Jecken, darunter neben Stadtbürgermeister Gerhard Hausen und VG-Chef Karsten Fehr auch die Landtagsabgeordnete Ellen Demuth, seien auch die letzten Sorgenfalten gewichen.

„Vergesst die Sorgen und das Leid, macht Euch en paar schöne Stunden un jet Freud‘. Den Idioten un den Fötzjesföhlern us Kölle, die uns den Spass kaputt mache wölle, denen ruf ich zu: Ihr könnt uns mal. Mir maache ne jecke Sitzung, das verspreche ich, der 2. Präsident mit ner Papnas im Jessich!“, erklärte der KG-Vorsitzende Manfred Himmelbach im Reimform unter dem frenetischen Beifall der Narrenschar. Stehend empfing die dann ihre Tollität, Prinzessin Lea I. aus dem Hause Cordewener mit ihren Pagen-Freundinnen Lena Schwarz und Lucie Tillmann. „Mit uns drei Mädche von der Sunnesick is Fastelovend in Unkel die schönste Zick! Gemeinsam wollen wir mit Euch fiere, danze und singe, bis die Glocken im Scheurener Dom erklinge!“, verkündete die junge Tollität glückstrahlend ihr Sessionsmotto und versprach in ihrer Regierungserklärung auch gleich Sonnenschein beim Rosenmontagszug. „Als Marke ‚3L‘ rocken die drei Säle“, schwärmte Markus Winkelbach von dem jungen Trio, das zunächst den Ministernchen Platz machte, die ihre glitzernden Batons wirbelnd versicherten: „Dat hät de Welt noch nit jesehn!“. Da wollten die „Sterne“ nicht zurückstehen bei ihrer Zeitreise in die 80-er Jahre. Im „Geier Sturzflug“ verkündeten sie, dass jetzt wieder in die Hände gespukt werde, natürlich um das Bruttosozialprodukt zu steigern. Ganz verschossen in Sommersprossen vom Kopf bis zu den Flossen, sahen die Tänzerinnen, schon den „Sternenhimmel“. Anschließend erweisen auch die Majoretten Lea I. ihre Reverenz und versicherten der jungen Tollität: „Du bist mein ganzen Herz!“ und dass es nach 1000 und einer Nacht Zoom gemacht habe.

Angesichts dieser Darbietungen war die Aufforderung „Steh auf, mach laut!“ längst überflüssig. Keinen hatte es auf seinem Sitz gehalten, vielmehr dienten die Stühle den meisten Jecken als Podest, von dem aus sie, die Hände zum Himmel streckend, den Akteuren auf der Bühne zujubelten. Und schwungvoll-närrisch ging es weiter, hatte Literat Stefan Wirtz doch die „Barhocker“ ganz früh im Programm positioniert. „Kumm los mer danze un singe bis morjen fröh“, schlugen die neun Stimmungsmacher den Jecken vor un dat nit nur, wenn de Sonn schön sching am Bickendorfer Büdche. Schließlich hatte Frontman Andreas „Hörnchen“ Kuhsel ja auch keine „Brütche“ dabei, sondern servierte „eisgekühlte Coca Cola“. Die ersetzten die Barhocker, nachdem sie mit den „3L“ auf der Bühne herumgewirbelt waren, mim „Wasser vun Kölle“, bevor sie sich nach der ersten Rakete des Abends mit dem K-u-K.-Infanterieregiment verabschiedeten.

Damit war die Bühne frei für den ersten Gastredner, et „Vingströschen“ aus Köln-Vingst. Als „Pimmela Anderson vom Rhing“ suchte de „Tussi mit Hätz un Schnüss“, nen Kääl für et Läwe. „Von Amor gemobbt“, glaubte sie den schon in Gerhard Hausen für eine „Candlelight-Döner“ gefunden zu haben, bis sich dieser angesichts der Forderung von Rosi, er dürfe nicht einfach duschen, sondern müsse sich abkärchern, schreckhaft abduckte. Aber es gab da ja noch den Leiter des Bläserkorps, Alexander Mäurer, der nicht nur tuschen konnte, sondern auch annähernd soviel erotische Nutzfläche bot, wie die vollschlanke Blondine, die Markus Winkelbach als „Überraschungsei einer jeden Männer-WG“ bezeichnete.

Und schon kündigte „Conquest of Paradise“ die „Flying Dancers“ an, die traditionell mit Wunderkerzen in den Händen durch die abgedunkelte Halle schritten, um auf der Bühne ihre Mönchskutten abzulegen und sich so in feurige Mexikaner zu verwandeln, die zum Revolutionslied „La cucaracha“ ihre Sombreros schwenkten, um dann die Jecken zur „Fiesta Mexicana“ einzuladen. Von Mittelamerika in die USA entführten dann die „Herzblättchen“ als Cops, die während ihrer Razzia schwere Jungen festsetzten. Zwar nicht alles vom Vorsitzenden des FC Unkel, wohl aber sein Verhalten vor und nach dem Duschen sowie unter der Dusche erfuhr die Narrenschar dann von Dieter Walleks besserer Hälfte Petra. Dabei ging die Heisterer Möhn auch durchaus selbstkritisch mit sich ins Gericht, konstatierte sie doch, dass sich ihre frühere Wespentaille inzwischen zur Hummelhüfte ausgewachsen habe. Schuld daran zweifellos das Duschen mit Haar-Shampoo, das ausdrücklich mehr Fülle verspricht. Aber Dieter wird seine Petra schon in Kürze wieder rank und schlank in den Arm nehmen könne, duscht diese doch ab sofort mit Geschirrspülmittel, das selbst hartnäckigstes Fett entfernt.

Ganz „Ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sonnesching“ holte dann Lea I. den Elferrat auf die Bühne um zu beweisen: „Und er bewegt sich doch!“ Das hatte kurz zuvor auch die Majoretten mit ihrem Showtanz mit Hip-Hop-Elementen als „heroes of our time“, getan, ebenso wie die „Sahnehäubchen“, die als Astronautinnen ihre intergalaktische Reise mit „Major Tom“ abgebrochen hatten, um ihr Raumschiff „völlig lösgelöst“ im Turnschuh-Gürzenich landen zu lassen, wo sie der begeisterten Narrenschar den „Sternenhimmel“ präsentierten.

Von den anderen Rheinseite, aus Hünnije an der Ahr, waren „Der Een on der Anne“ auf die schäl Sick gekommen, während die „Zwei Rentner aus Leidenschaft“ von Koblenz angereist waren, die mit ihren zwerchfellerschütternden „Seniorenträumen“ bei den Jecken im Saal für Schnappatmung sorgten. Die hatte bei der Narrenschar bereits zuvor das Linzer Husarencorps Grün-Weiß hervorgerufen, dessen Männertanzgruppe nach dem Tanz von Günni Winnekes mit seinem neuen Mariechen, Nadja Klein, zum Hit „Nie mehr Fastelovend - ohne dich!“, erklärte: „Wir sind gemacht, für die Ra-Ra Rabenschwarzenacht!“ und dabei nicht nur ihr Mariechen in waghalsige Höhe katapultierte. Nicht weniger schwungvoll, wenn auch nicht in solche Höhe, ging es dann bei den „New Diamonds“ zu, bevor die Musikgruppe „Sibbeschuss“ um Mitternacht für einen fetzigen Abschluss der Prunksitzung sorgte, die ihrem von den Präsidenten zu Beginn verkündeten Anspruch „We will rock you“ voll und ganz gerecht geworden war.

Die Unkeler „Barhocker“ servierten „eisgekühlte Coca Cola“, mit der sie jedoch alles andere als eine Abkühlung der närrischen Stimmung bewirkten.
Zur Fiesta Mexicana luden die „Flying Dancer“ die Jecken ein

Zur Fiesta Mexicana luden die „Flying Dancer“ die Jecken ein

Die Unkeler „Barhocker“ servierten „eisgekühlte Coca Cola“, mit der sie jedoch alles andere als eine Abkühlung der närrischen Stimmung bewirkten.

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