Asylanten hielten ihre Sicht von der neuen Bleibe in der VG Unkel fotografisch fest
Neue Heimat mit Einwegkameras erkundet
Zwei weitere Aktionen und Ausstellungen „Ich sehe was, was du nicht siehst“ sind fest eingeplant
Unkel. „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist...“ ist der Titel der Ausstellung, die im Sitzungssaal des Unkeler Verwaltungsgebäudes zu sehen war. Eingeladen zu dieser hatte eine Gemeinschaft von Bürgern und Asylanten, die in der VG Aufnahme gefunden haben. „Gemeinsam haben wir ein Ziel: Wir wollen jeden ansprechende Fotografien machen lassen, um so in einen Dialog der Bilder zu treten“, so Barbara Bartel, ein Mitglied der Gruppe, die jedem offen steht, ob als Fotograf, Organisator, Unterstützer oder als Ausstellungsbesucher. Ins Leben gerufen hatte Frederik Henn die Aktion, die von der Evangelischen Kirche im Rheinland durch nicht unerhebliche Zuwendungen unterstützt worden ist. „Ich habe mich mit dem gleichaltrigen Syrer Kafarneh angefreundet und habe ihm natürlich auch die Gegend gezeigt“, berichtete der 24-Jährige. Dabei seien wie etwa auf dem Drachenfels auch etliche Fotos gemacht worden. So kam den beiden die Idee, auch andere Asylanten aufzufordern, sich mit ihrer neuen Umgebung mit Hilfe von Einwegkameras auseinander zu setzen. „Vorgaben, worauf sie sich konzentrieren sollten, haben wir nicht gemacht“, so Frederik Henn. Gut 80 der insgesamt 290 Aufnahmen von sieben Teilnehmern habe man dann für diese Fotoausstellung ausgesucht, Arbeiten von drei weiteren Asylanten seien schon für die zweite Ausstellung vorgesehen worden.
Ablenkung von traumatischen Erlebnissen
Aktuell zu sehen an den großen Stellwänden sind neben Porträts und Personenaufnahmen etwa in den neuen Unterkünften vor allem Landschaftsfotografien etwa vom Rhein, vom Wasserfall in der „Unkeler Schweiz“ und von Bachläufen, von Weinbergen und vom Siebengebirge. Aber auch die Unkeler Rheingassen und der Pütz, Holztore und Basaltmauern wurden von den Asylanten als markante Punkte ihrer neuen Heimat festgehalten. „Viel von ihnen haben ihre Verwandten im Krieg verloren, mussten sie zurücklassen oder sind von ihnen auf der Flucht getrennt worden“, so Frederik Henn. Die Mutter seines neuen syrischen Freundes etwa sei mit einer seiner Schwestern in Süddeutschland untergebracht worden, während sein Vater und seine andere Schwester noch gar nicht in Sicherheit seien. „Die Konzentration auf ihre neue Umgebung hat die Fotografen wenigsten zeitweise von ihren traumatischen Erfahrungen abgelenkt“, erklärte der Projekt-Initiator.
Fotografen waren nicht anwesend
Eröffnet wurde die erste Fotoausstellung von Werner Plöger vor gut 30 Besuchern, darunter auch darunter VG-Chef Karsten Fehr, Andreas Nagel als VG-Betreuer der Asylanten und Stadtbürgermeister Gerhard Hausen. „Ich spreche heute ausnahmsweise nicht als Erster Stadtbeigeordneter zu Ihnen, sondern als Bildungsreferent der Evangelischen Jugend der Landeskirche im Rheinland, die als Hauptsponsor dieses Projekt, in dem hier untergebrachte Flüchtlinge ihr Leben in und ihre Sichtweisen auf Unkel dokumentieren, erst möglich gemacht hat“, erklärte er. Weitergeführt mit neuen Asylanten werde das Projekt zudem mit der Hilfe des Sankt Pantaleon Theaterkreises und der Evangelischen Jugend Unkel. „Ins Gespräch mit den Fotografen zu kommen, ist momentan leider etwas schwierig, ja sogar unmöglich, da sie nicht anwesend sind“, bedauerte Wolfgang Plöger. Nach Andreas Nagel könnte daran der Fastenmonat Ramadan mit seinen ungewöhnlichen Essenszeiten ausschließlich während der Nacht verantwortlich sein, so dass die Fotografen aus Syrien, Afghanistan, Mazedonien sowie aus dem Iran und dem Kosovo zur Zeit wahrscheinlich noch schlafen würden, erklärte er, bevor der Gitarrist Ismael Berrazouane etwa mit seinem selbst gedichteten Stück „Meine Stadt leuchtet“ musikalisch auf das Thema der Ausstellung hinwies.
Neue Mitmachaktion
„Für unseren zweiten Lauf suchen wir wieder zehn Teilnehmer, die interessiert sind, von Dienstag, 7. Juli, bis Donnerstag, 9. Juli, bei einer erneuten Fotoaktion in und um Unkel mitzumachen“, erklärte Wolfgang Plöger. Ausreichende Einwegkameras stünden bereits zur Verfügung. Wer mitmachen möchte, kann sich unter Tel. (01 52) 04 44 00 16, melden.
