Norbert Thelen wirbt für eine Wiederherstellung der Linzer Stadtmauer
Profilieren und Gemeinschaftssinn stärken
Linz. Mit ihren Fachwerkhäusern, den Resten der Stadtmauer und der alten Burg Linz ist die Bunte Stadt am Rhein eines der beliebtesten Touristenziele am romanischen Mittelrhein. Viel zu sehen ist allerdings von der ehemals mächtigen Befestigungsanlage mit der ein Meter dicken, bis zu sechs Meter hohen und 1.500 Meter langen Basaltmauer zwischen dem Pulverturm im Süden und der Zollburg im Norden neben dem Rheintor nicht mehr. „Die buchstäblich bruchstückhafte Mauer ist keine Zierde. Bunt ist anders“, moniert entsprechend Norbert Thelen in einem mit Mike Grunzke herausgegebenen Exposé. Schon seit der gebürtige Bergisch Gladbacher vor zehn Jahren das erste Mal durch das Rheintor seinen neuen Wohnort betrat, hatte er die Idee, die Stadtmauer zu rekonstruieren. Mit dem durch das 10-Thesen-Papier der SPD angestoßenen Erneuerungsprozess „Linz gestalten - leben in der Altstadt“ sieht er eine Möglichkeit, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.
Entsprechend hatte er zu der Gründung des Vereins „Mauerbau-Initiative Linz am Rhein“ in den Sitzungssaal des Rathauses eingeladen. „Die früher so stolze Stadtmauer ist heute teils verrottet, teils kann man sie kaum noch erkennen“, beklagt Norbert Thelen. Dabei könnte man über die Geschichte der 700 Jahre alten Mauer Bürgersinn und Gemeinschaftsgefühl wecken. „Außerdem würde ein solches Projekt Linz auch wieder ins Gespräch bringen, vor allem bei Künstlern und Architekten Aufmerksamkeit erregen“, ist sich der Mauerbau-Initiator sicher.
„Die Aktion schreckt offensichtlich doch viele ab“, kommentierte der Stadtbeigeordnete Johannes Hundrieser die überaus schwache Resonanz, waren neben einer Delegation der SPD-Ratsfraktion und dem Vorsitzenden der Linzer Werbegemeinschaft, Martin Flöck, gerade einmal vier potenzielle Mitglieder der Einladung gefolgt. Auch wenn damit die nötigen sieben Mitglieder für einen eingetragenen Verein nicht zusammengekommen waren, entmutigen ließ sich Norbert Thelen nicht. „Dann gründen wir eben einen noch nicht eingetragenen Verein, ein Schritt, mit dem die Entschlossenheit zur Verwirklichung des Vorhabens auch ganz deutlich zum Ausdruck kommt“, erklärte er. Unterstützt wurde er dabei als Vorsitzender von seiner frisch gewählten Stellvertreterin, Katrin Wagner, Schatzmeister Roland Thees und Schriftführerin Hiltrud Firmich.
„Der Verein verfolgt den Zweck, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Stadt zu verbinden. Die sich insbesondere durch die historische Bebauung und das Stadtensemble vermittelnde Tradition soll dabei als Anknüpfpunkt für eine moderne Stadtentwicklung dienen“, so Norbert Thelen. Das mittelalterliche Stadtbild und eine den heutigen Ansprüchen genügende Infrastruktur könnten durchaus harmonisch in Übereinstimmung gebracht werden, sodass mit dem neuen „Mauerprofil auch eine Profilierung der Stadt“ erreicht würde. „Geduld und Freude am Schaffen werden Mitglieder der Initiative schon benötigen, denn es kommt nicht nur eine Menge Arbeit auf uns zu. Es wird auch ein längerer Zeitraum verstreichen, bis sich erste Erfolge abzeichnen, auch wenn wir nicht 100 Jahre brauchen, bis man das Ergebnis unseres Projektes bewundern kann“, so der Vorsitzende. Von 1.000 Euro pro Meter Sanierungskosten, also von insgesamt 1,5 Millionen Euro müsse man schon ausgehen. Hinsichtlich des Baumaterials mit Basalt und Grauwacke baut er auf die Unterstützung durch die Basalt AG. „Aber es gibt auch Fördermittel von Land und Bund für eine Stadtentwicklung in die Zukunft. Da diese natürlich nicht ausreichen werden, könnten Eigenleistungen, aber auch Vater-Sohn-Wochenenden als Maurer in der noch gründenden Mauerbau-Hütte könnten die Kosten senken“, schlug Norbert Thelen vor. Als Start-Up könnte er sich eine Aktion der 950 Martinus-Schüler vorstellen, die Hand in Hand eine Menschenkette über den gesamten Mauerverlauf bilden könnten. Einmal fertiggestellt könnte das Projektergebnis als „Linzer-Wall-Walk“ für Besucher gangbar gemacht und von kundigen Stadtführern mit Geschichten und Geschichte untermauert werden. Dabei würde dann deutlich, dass die Stadtmauer schon immer eine große finanzielle Belastung für die Linzer gewesen ist, vor allem hinsichtlich der Instandhaltungskosten. „Linz als altes Mittelzentrum verliert langsam an Fahrt. Da müssen wir gegensteuern“, warnte Norbert Thelen.
Da wäre es schon hilfreich, wenn man den Aufbruch der ganzen Kommune vorweisen könnte. Dazu würde es schon reichen, wenn man in der Frühphase des Projekts einige Meter in Angriff nehmen könnte, die natürlich auch nicht unbedingt die historischen Ausmaße in der Höhe vorweisen müssten. „Vorrangig ist, dass es uns gelingt, in Linz eine Aufbruchstimmung zu wecken und Mitglieder zu werben. Und das schaffen wir nur, wenn wir die Idee intensiv unter die Leute bringen“, ergänzte Roland Thees.
