Geschichtsverein Unkel lud auf den ehemaligen evangelischen Friedhof ein
Restaurierte gusseiserne Grabkreuze erinnern an die Familie von Schoeler
Stadtarchivar Wilfried Meitzner referierte über die Geschichte des Friedhofs und der Familie
Unkel. Zahlreiche Unkeler hatten sich am Samstagnachmittag auf dem ehemaligen evangelischen Friedhof, seit 1962 Teil des städtischen Friedhofs, versammelt, um an der großen Linde in einer kleinen Feierstunde die Wiedererrichtung der drei Von-Schoeler-Grabkreuze zu begehen. Diese hatten jahrzehntelang vor sich hin gerostet, eines war schon vor langer Zeit aus seinem Steinsockel herausgebrochen. „Der Geschichtsverein Unkel hat es sich zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Erbe Unkels zu bewahren und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Zu diesem Erbe gehören auch die gusseisernen Grabkreuze der Familie von Schoeler“, begründete der Vorsitzende, Piet van Bovy, die Restaurierung. Ursprünglich war der Geschichtsverein davon ausgegangen, die Kosten selber komplett zu tragen, dann aber hatten sich etliche großzügige Sponsoren gemeldet.
Ein Ort, an dem Geschichte sichtbar wird
„Der Friedhof ist ein Ort, auf dem sich die Geschichte einer Kommune eindrucksvoll manifestiert. Gleichzeitig wird auf ihm auch in vielfältiger Weise der gesellschaftliche Wandel sichtbar“, so Stadtbürgermeister Gerhard Hausen, der Verein wie Sponsoren dankte. Stadtarchivar Wilfried Meitzner referierte über die interessante und wechselvolle Geschichte des evangelischen Friedhofs und die Bedeutung der Familie des preußischen Generalleutnants Daniel von Schoeler. Da auf dem katholischen Kirchhof keine Andersgläubigen bestattet werden durften, mussten verstorbene Protestanten zunächst in Oberwinter begraben werden. Dieses Problem, das nicht nur in Unkel bestand, war Anlass für Beschwerden seitens der evangelischen Bürger.
„Deshalb verpflichtete der preußische Staat die Gemeinden 1853, für die Begräbnisse evangelischer Verstorbener geeignete Begräbnisplätze zu schaffen“, so der Stadtarchivar. Allerdings ließ Unkel noch fünf Jahre verstreichen, bis die Kommune der evangelischen Gemeinde einen Begräbnisplatz in unmittelbarer Nachbarschaft zur „Schindskuhl“, einer Sandgrube, in der unbekannte Tote, vor allem am Rheinufer angeschwemmte Wasserleichen, die nicht eindeutig als katholisch identifiziert werden konnten, vergraben wurden, zuwies.
Ein Friedhof mit besonderer Geschichte
„Mit der ersten Beerdigung 1860 wurde der evangelische Friedhof zwar eingeweiht, allerdings weigerten sich viele Familien, eben wegen der Schindskuhl, auf dem unwirtlichen Platz ihre Toten begraben zu lassen“, wusste Meitzner.
Helene von Schoeler prägte die Gestaltung des Friedhofs
Dann habe die Witwe von Generalleutnant a.D. Daniel von Schoeler nach dessen Tod 1879 die Initiative ergriffen und die Gestaltung des evangelischen Friedhofs maßgeblich geprägt. Helene von Schoeler kaufte Grundstücke hinzu und vergrößerte so den Friedhof nach Westen und Süden. Sie ließ den Weg anlegen, die Baumallee pflanzen und zum Hohen Weg hin ein schmuckes Eingangstor errichten.
„Vermutlich war die Sand- und Kiesgrube nach Süden hin damals soweit zugeschüttet, dass ein gewisser Abstand zum Friedhof hergestellt war. Etwa zur gleichen Zeit war auf dem benachbarten Grundstück der Friedhof der jüdischen Gemeinde eröffnet worden“, so der Stadtarchivar. 1891 sei es Helene von Schoeler gelungen durchzusetzen, dass die Grube ganz zugeschüttet und ordentlich hergerichtet wurde, sodass auch die Umgebung des Friedhofs ein würdiges Aussehen erhalten habe.
