Stadtbürgermeister Hans Georg Faust hatte nach der Kölsche Mess zum Rathausempfang eingeladen
Rheinisches Brauchtum ist hoch angesehen
Linz. Mit Spannung erwartet worden war die erste Kölsche Mess von Pfarrer Lothar Anhalt am Sonntagvormittag. „Ihre Predigt auf Platt in Reimform hat uns mit dem humorvollen Ernst in die richtige Stimmung versetzt, auch wenn ich nicht alles verstanden habe“, gestand Stadtbürgermeister Hans Georg Faust dem Geistlichen am frühen Mittag beim traditionellen Rathausempfang für die Karnevalisten der Stadt. Dass der neue Pfarrer nicht nur ein Herz für diese hat, sondern sich nahtlos bei ihnen einzureihen weiß, habe er eindrucksvoll bewiesen, erzählten bunt-berockte Kirchgänger begeistert.
„Kölsche Mess“ kam gut an
„So eine fantastische Fastelovend-Mess habe ich noch nie erlebt. Pfarrer Klemens Hombach hat ja in den Vorjahren schon klasse zum Fastelovend gepredigt, aber das heute war erste Sahne“, schwärmte Nihat Kökce, der Kommandant der Grün-Weißen Husaren. Wie „Mit ner Papnas‘ jebore, d’r Dom in d’r Täsch“, habe Lothar Anhalt auf das Wesen des Karnevals hin gewiesen. Das reiche eben von dem Negieren sozialer Schranken bis hin zu dem friedlichen Miteinander ohne jede Art von Fremdenhass, auch wenn aktuell noch nicht alle dieselbe Sprache sprechen. „Da hat der Pfarrer klare Worte gegen Pegida und andere Brunnenvergifter gefunden, ohne jedoch die Vorfälle am Kölner Dom in der Silvesternacht auszusparen“, berichtete der Kommandant der Grün-Weißen, der als Prinz Nihat I. „aus dem Morgenland“ 1998 die Linzer Jecken regiert hatte.
„Ich freue mich, dass ich mit meinen Beigeordneten, Thomas Balasus, Karl-Heinz Wölbert und Michael Schneider, auch viele Ratsmitglieder hier begrüßen kann. Linz ist schließlich die Karnevals-Hochburg zwischen Bonn und Koblenz und authentisch gelebt ist der Fastelovend auch Werbung für unsere Stadt“, so Hans Georg Faust, bevor derer gedachte, die sich um dieses rheinischen Brauchtum in der bunten Stadt am Rhein besonders verdient gemacht hatten. Zunächst begrüßte er die Stadtsoldaten, auf deren erfolgreiche Unterstützung er wohl wissend in zwei Wochen beim Rathaussturm kaum setzen kann, zumal Johannes I. aus ihren Reihen hervorgegangen ist. „Hauptsache es ergeht mir nicht so wie meinem Vorgänger 1632“, spielte Hans Georg Faust auf das Schicksal von Bürgermeister Castenholtz an , den die Schweden geköpft hatten.
Ein Brauchtum, das niemals untergehen darf
Neben den übrigen Corps von den Möhnen bis hin zu den Hunnen, erwähnte der Stadtchef zudem die Köbesse, das Scooter Team und das Fanfarencorps. „Sie alle gruppieren sich unter dem wetterfesten Dach der Großen Linzer KG um die beiden Präsidentinnen, Yvonne Adams-van Beek und Heike Paffhausen“, lobte der das Spitzen-Duo. Ohne Prinz würde dem Fastelovend allerdings das Salz in der Suppe fehlen. „Aber ich habe gehört, dass unser Pastor Interesse bekundet haben soll“, so Hans Georg Faust, bevor er Johannes I. das Wort überließ, der den Jecken im Sitzungssaal versicherte, Mädcher un Junge, mir drei hann en wunderbare Session!“ Auf den Tag genau vor einem Jahr habe das Schicksal in der Ratsschänke seinen Lauf genommen, erinnerte die „spät-berufene“ Tollität, die sich schon jetzt für die überwältigende Unterstützung bedankte. „Karneval ist ein wunderschönes Brauchtum, das niemals untergehen darf“, fordert Johannes I., um dann mit seinen Adjutanten, Manni und Toni, raderdoll das Sessionslied zu schmettern.
Ein karnevalistischer Rückblick
Als die Kristallisationspunkte des Brauchtums erinnerte Hans-Georg Faust dann an die Jubiläumsprinzen. Vor 80 Jahren hatte Carl I. „Kommandant der Stadtsoldaten“, aus dem Hause Kill das Narrenzepter geschwungen, 1956 regierte Prinz Hans II. „von Portanova“, aus dem Hause Schmitz. Ihn folgte zehn Jahre später Prinz Fred I. „von Donau und Rhein“, ebenfalls vom rheinischen Adel derer zu Schmitzen. Zwei unvergessene Größen im Linzer Fastelovend folgten mit Berni I. „Prinz von Bananien“, aus dem Hause Reul, und Prinz Alfons I. „vom Berkenhof“, aus dem Hause Daub, in den Jahren 1976 und 1991. „Leider hat der 1996-er Prinz, Uwe I. ‚vom Löschzug‘, aus dem Hause Werner, auf unsere Einladung nicht geantwortet, so dass wie heute mit Paul II. ‚vun der Linzer Köbesse‘, aus dem Hause Ziegler nur den Jubelprinzen von 2006 willkommen heißen können“, bedauerte der Stadtchef nach einer Gedenkminute für die verstorbenen Karnevalisten.
„Die Session zusammen mit meinen Adjutanten, Wuddi Wuttkopf und meinem Gerrad, war ne wunderschöne Zeit, ein Erlebnis, dass wir in vollen Zügen unter dem Motto ‚Mit Freude, Frohsinn und Jemötlichkeit verbringt met uns die schönste Zeit‘ genossen haben“, erinnerte die „Zehnjährige“ Tollität, bevor sie sich direkt an den „potenziellen Nachfolger“ wandte. „Wenn nur das Fehlen der roten Schuhe schuld sein sollten, dass Sie nicht den Prinzen machen können, da kann ich Ihnen helfen. Ich habe meine noch zu Hause“, bot Paul Ziegler seine Unterstützung Lothar Anhalt an. Allerdings müsse er diesen warnen, waren es doch allein die unbequemen roten Prinzen-Treter, die ihm seine Regentschaft schwer gemacht hatten. „Ach hätt ich doch et Muhl jehalte“, beklagte der Pfarrer in gespielter Verzweiflung seine allzu offenherzige Freimütigkeit. Der hat er allerdings die Erkenntnis zu verdanken, dass die Strünzer umgehend bereit sind, an der Realisierung von Wünschen mitzuarbeiten, zumindest so sie den Fastelovend, geschweige denn ihren Prinzen betreffen.
Freizügig zeigte sich abschließend Hans-Georg Faust. „Wie ich in der Presse gelesen habe, bin ich ja ein Schnüffler. Jetzt habe ich noch mal an meinen Filzstiften geschnüffelt mit dem Ergebnis, dass ich den gewohnten Scheck für die KG aufgestockt habe“, erklärte er zur Freude von Yvonne Adams-van Beek , die dem Stadtchef für den „warmen Regen“ dankte. „Die Bezahlung der Musikgruppe beim Rosenmontagszug ist gesichert“, freute sich die Präsidentin, während sich der Bürgermeister der Hoffnung hingab, wenn schon nicht siegreich aus der Rathauserstürmung hervorzugehen, so doch wenigstens von dem neuen Herrscher gnädig behandelt zu werden.
