Planung der Windkraftanlage am Asberg
Schlagabtausch von Gegnern und Befürwortern
VG Unkel hatte zur Informationsveranstaltung nach Rheinbreitbach eingeladen
Rheinbreitbach. Zu einer zweiten Informationsveranstaltung über die geplante Windkraftanlage am Asberg hatte die Verbandsgemeinde Unkel in den Rheinbreitbacher Bürgersaal eingeladen, nachdem die Bürgerinitiative (BI) „Pro Natur Pur“ bereits einige Tage zuvor ihre Argumente im Burghotel Ad Sion vorgestellt hatte. Dazu wurde ihren Sprechern, Christoph Pie und Klaus Beydemüller, wieder Gelegenheit gegeben. „Die Energiewende ist von der Politik beschlossen. Sie schont fossile Ressourcen, trägt maßgeblich zum Klimaschutz bei und schafft zukünftigen Generationen eine Basis für eine sichere, umweltschonende und bezahlbare Energieversorgung aus heimischen Quellen“, so Karsten Fehr, nachdem er die gut 400 Anwesenden zu einer fairen und respektvollen Diskussion aufgerufen hatte. Entschieden wehrte sich der VG-Chef gegen den Vorwurf, Entscheidungen hinter dem Rücken der Bevölkerung ohne ausreichende Information herbeigeführt zu haben. „Das Thema Windkraft wird in den Räten seit 2009 diskutiert, seit die Potenzialstudie ergeben hat, dass es in Unkel geeignete Flächen für eine solche Anlage gibt“, erinnerte er.
Mitten in der Schlaumachphase
Neben den beiden Informationsfahrten von „UWE“ habe auch die VG Ende Februar über die Pläne informiert, nachdem bereits ab Ende Januar die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden durchgeführt worden sei. „Wir sind noch in der Schlaumach-Phase. Es ist rein gar nichts entschieden, ob überhaupt und wenn ja wie viele Anlagen errichtet werden. Und: Wir sind immer noch Herr des Verfahrens“, betonte Karsten Fehr. Wenn auch nur ein einziges der noch ausstehenden Gutachten negativ ausfallen sollte, wären alle Pläne Makulatur, versicherte er. Aber: „Pacta sunt servanda“, erinnerte der Jurist daran, dass Verträge einzuhalten sind. Falls kein Gutachten gegen den Windpark sprechen würde, die VG aber dem Drängen der Windparkgegner nachgeben würde, dann kämen Forderungen von Seiten der EVM in sechsstelliger Höhe auf die Kommunen zu. „Wir bewegen uns im FFH-Schutzgebiet am Asberg natürlich in einem sehr sensiblen Gebiet“, räumte Sonja Klewitz vom Unkeler Bauamt ein. Deshalb habe man neben dem Fledermaus-Gutachten, der Landschaftsbildanalyse und zwei avifaunistischen Gutachten auch nicht eine FFH-Verträglichkeitsprüfung für den Asbach wie für das Siebengebirge in Auftrag gegeben und eine genauere Untersuchung hinsichtlich des Schwarzstorches gefordert. „Erst wenn all dies vorliegt, kann der VG-Rat die privaten und öffentlichen Belange abwägen, den Planentewurf überarbeiten und erneut zur Beteiligung öffentlich machen, um dann abschließend zu entscheiden“, schilderte sie das Prozedere, bevor sie Fotosimulationen vorstellte. Diese charakterisierte sie als „erste sachkundig erstellte Impressionen“, die ein realistisches Bild aus verschiedenen Blickwinkeln, aber noch kein genaues „Windparkdesign“ wiedergeben würden. Die schon aus wenigen Meter Entfernung von den Anwesenden kaum noch wahrzunehmenden Windräder riefen lediglich höhnisches Gelächter im Saal hervor. Konzentrierter folgten die Bürger dagegen den Ausführungen von Rolf Weber vom Planungsbüro West. „Auch wir Planer warten mit Spannung auf das Ergebnis der Gutachten hinsichtlich des FFH-Gebiets.
Sicher ist lediglich, dass, wenn diese nicht gegen einen Windpark sprechen, maximal sechs bis zehn Windräder errichtet werden“, versicherte er. „Wir sind nicht gegen die Energiewende und die Nutzung der Windkraft, wohl aber gegen den Windpark Asberg und wir fordern eine öffentliche Umweltverträglichkeitsprüfung“, betonte Christoph Pie. Nur so könnten die Bürger an der Entscheidung mitarbeiten, da sie dann Einsicht in die Gutachten hätten. Die bislang vorliegenden könne die BI nicht akzeptieren, da in ihnen Namen ganz anderer Kommunen genannt würden, sodass die Untersuchungen wohl nicht auf den „Einzelfall Unkel bezogen, sondern zusammenkopiert“ sein.
Gegner der Windparks
„Alle Naturschutzverbände sind gegen diesen Windpark ebenso wie die Nachbarkommunen und der Rhein-Sieg-Kreis, nicht zuletzt, weil hier ein uraltes Naturschutzgebiet verschandelt würde“, warnte Christoph Pie. Da EU-Richtlinien verletzt werden könnten, kämen zudem möglicherweise Schadensersatzforderungen auf die vier Gemeinden zu. Außerdem würden Schwachwindstandorte wie der Asberg die Energiewende nur verteuern, da sie mehr Subventionen nach sich ziehen würden. Solche Projekte könnten die Windkraft entsprechend vom Markt vertreiben. „Wir müssen uns alle schlau machen. Die Natur verdient, dass wir auf Nummer sicher gegen“, schloss Klaus Beydemüller die Ausführungen der Windpark-Gegner. Nachdem Heinz Schmitz, Sprecher der „BI UWE“ auf die Einsparungen von Kohlendioxid durch die Windanlagen sowie auf die Ausgleichsmaßnahmen für die erforderlichen Rodungen eingegangen war und für eine Mitgliedschaft in der UWE-Genossenschaft geworben hatte, stellte Hännes Mörtel von der Enova die aus seiner Sicht umweltverträgliche Umsetzung des Projektes vor.
„Generell gilt: Der Asberg ist hinsichtlich der Windhöffigkeit nicht schlechter als andere Gebiete südlich von Hannover. Ob sich dort ein Windpark rechnet, werden wir nach den Messungen wissen, die uns ein spezieller Mast liefern wird“, so der Projektierer, bevor er auf einen möglichen Schattenwurf und die Lärmbelästigung einging. Zu hören sei ein Windrad maximal wie ein moderner Kühlschrank, einen Discoeffekt durch reflektierende Farben werde es nicht geben und der Schattenwurf sei gesetzlich auf maximal acht Stunden pro Jahr begrenzt. Die potenziellen Betreiber würden schon jetzt von maximal zehn Windrädern ausgehen, sodass sich etwa der Abstand in Richtung Bruchhausen auf rund 2.400 Meter erhöhen würde. „In den zehn bis zwölf Monaten der Bauzeit werden maximal fünf Lastwagen pro Tag das Gebiet von der Landesstraße zumeist über vorhandene Waldwege anfahren. Die Zahlen der BI, es seien 250 Fahrzeuge allein für die Fundamente notwendig sind unrichtig.
Diese werden für den gesamten Windpark benötigt“, versicherte Hännes Mörtel. Abschließend betonte Michael Diemer, dass der Wald der Eckpfeiler für die Windenergie sei. Durch die größere Höhe der Windräder sei der Forst darunter weiter komplett nutzbar. Die logistischen Anforderungen beim Bau seien zwar enorm, zu Autobahnen würden die Waldwege jedoch nicht ausgebaut. Gerodete Flächen würden anschließend rekultiviert oder durch Ausgleichsmaßnahmen ersetzt. „Wir sprechen uns nicht für eine Nutzung der Windenergie um jeden Preis aus, der ohne sie aber nicht aufzuhaltende Klimawandel würde den gesamten Waldbestand gefährden“, so das Resümee des Forstamtsleiters.
