Seit dem Rathaussturm ist es vorbei mit der Freien Herrlichkeit Erpel
Prinz Karel I. „von de Volle Bloas“ macht den Ort zur niederländischen Exklave
Erpel. Mit bunten Luftballons geschmückt, präsentierte sich das Erpeler Rathaus am Sonntagvormittag, nachdem sich alle Jecken des Ortes zur karnevalistischen Messe in Sankt Severinus versammelt hatten. Dort erhielten die Mannen um Prinz Karel I. von Pfarrer Günter Lülsdorf den Ablass für alle närrischen Schandtaten und damit terminlich begrenzt auf die nächsten Tage bis Aschermittwoch. Kaum hatten sie das Gotteshaus verlassen, machten sie von diesem Freibrief auch schon Gebrauch. Ihre Tollität Piefche-smokend in deren Hofburg zurücklassend, formierte sich die Große Erpeler KG (GEK) nach der Kranzniederlegung auf dem Friedhof am Neutor zusammen mit dem Möhnenclub und den Heisterer Möhnen zum Rathaussturm.
Währenddessen war Bürgermeisterin Cilly Adenauer mit ihren Beigeordneten Gisela Stahl, Heinrich Holkenbrink und Friedel Witten nicht untätig geblieben. „Der Karel hätt de Pief verstopp, mir han de Frohnjaas at längst zur narrenfreie Zone erklärt“, frohlockte die Orts-Chefin, nachdem sie die entsprechende Barriere hatte aufbauen lassen. Sicherheitshalber verschloss sie auch noch alle Türen ihres Schraatetempels und zog sich zu den Trägern des Heimatordens „Alt Erpilla“ in die obere Etage zurück.
Hinweisschild „Narrenfreie Zone“
Keinen Moment zu früh, denn schon führte das Tambourcorps die närrischen Heerscharen heran. Nach dem Motto „Kann nit verstaan“ ignorierten die Mannen von GEK-Chef Uwe Kochems die Hinweisschilder „Narrenfreie Zone“ und „Hoheitsgebiet der Gemeinde Erpel“, umkurvten mühelos die Barriere und bezogen vor dem Rathaus Stellung. „Open de Poorts un jib de Slüssel eruss“, forderte Karel I. siegessicher. „Den Teufel werde ich tun. Schließlich ist Dein Nimwegen doch nur ein Vorort von Erpel“, widersetzte sich Klein-Cilly vom Balkönchen. Sie und ihre Schraate hätten doch den Ort innerhalb eines Jahres runtergewirtschaftet, klagte Uwe Kochems die Gemeindechefin an. „Es ist die Zeit, dass Ihr uns die Herrschaft übergebt“, forderte er.
Alte Sturmglocke erklang
Übergeben werde sie, aber nicht die Herrschaft über die Freie Herrlichkeit, sondern die Narrenschar dem Richter wegen Verletzung des Hoheitsgebietes. „Drei Jahre Haft im Neutor-Kerker warten auf Euch vor dem Ertränken, aber nicht in herrlichem Rheinwasser, sondern in Unkeler Wein“, drohte die Bürgermeisterin und ließ seit etlichen Jahrzehnten erstmals wieder die alte Sturmglocke vom Rathaus Alarm schlagen. Die schmachvolle Strafe vor Augen waren die Stadtsoldaten zu jeder Schandtat bereit. Entschlossen setzten sie zum Sturm an - und sahen sich den Amazonen von Obermöhn Martina Wilsberg gegenüber.
Dass Erpel dann aber doch nicht nur die freie Herrlichkeit verlor, sondern nach dem sagenumwobenen Drachenfels zur zweiten niederländischen Exklave wurde, hatte Karel I. nur dem verschlagenen GEK-Chef zu verdanken. Statt zur rohen Gewalt hatte der seine Mannen auf schmeichlerische Lügen eingeschworen. Charmanten Komplimenten nicht abgeneigt, wurden die Möhnen schwach und schwächer, bis Karel I. ungehindert die Rathaustreppe erstürmen konnte, um vom Balkon aus sein närrisches Volk zu grüßen.
„Rooie tulpen uit Amsterdam“
Dann zog er in den Ratssaal ein, wo ihn das Duo WiSu mit „duizend gele, duizend rooie tulpen uit Amsterdam“, begrüßte, weil „wat mijn mond nut zeggen kann, zeggen eben tulpen uit Amsterdam!“ „Die gewohnte Ordnung ist außer Kraft gesetzt. Die Jecken haben wieder einmal die Macht. Nimm wejen mir de Schlüssel, Du oller Nimwejener“, gab sich Cilly Adenauer entgültig geschlagen, nachdem sie neben Ex-VG-Chef Werner Zimmern ihre Amtsvorgänger, Heinrich Schwarz und Edgar Neustein unter den Heimatordensträgern begrüßt hatte. Nur der „jüngste Alt-Erpillaner“, Prinzen-Adjutant Andreas Schwager, fehlte zunächst noch. „Als Hochwasser-Spezialist ist ihm der Rhein, der in Kripp schon fünf neue Häuser unter Wasser gesetzt hat, berufsbedingt in die Quere gekommen“, berichtete die Bürgermeisterin.
Wässerchen von Bokma aus Holland hatte dagegen Karel I. mitgebracht, obwohl er sich die Erpeler damit nicht gefügig machen musste. „Danke für die Gastfreundschaft der Erpeler Bürger und die mir angetragene Macht. Ich werde mein Bestes geben getreu dem Motto: In jedem Fall mit Kölsch und Wein kann jeder Europäer ein Erpeler sein! - Ich bin gerne hier Prinz, nicht weil Erpel so schön ist, sondern weil die Menschen hier ihr Hätz auf dem rechten Fleck haben. Das ist der einzige wahre Grund“, so Karel I. zu den Honoratioren, während die Stadtsoldaten vor dem Rathaus das „niedere“ närrische Völkchen mit leckerer Suppe aus der Gulaschkanone bei Laune hielt.
DL
Erpeler Jonge bütze joot, mussten die Möhnen von Marina Wilsberg eingestehen.
