In Linz startete die Werbegemeinschaft am Wochenende mit dem Altstadtfest die Open-Air-Saison
Sommerliches Wetter und Stargast Willi Wonder lockten die Besucher an
Linz. Der Duft von frisch geräucherten Regenbogenforellen, Aaalen, Makrelen und Bachsaiblingen zog am Wochenende nicht nur den Stadträten auf dem Linzer „Bürgerbrunnen“ in die Nasen, vor dem der große Räucherstand beim Altstadtfest der Werbegemeinschaft Position bezogen hatte. Das Fest litt wie alle Open-Air-Veranstaltungen am Samstag unter dem unfreundlichen, nass-kühlen Aprilwetter. Dafür wären am folgenden Vormittag die bunten Herzluftballons mit den kleinen Ponys und Schlümpfen am liebsten in den blauen Himmel gestiegen, zeigte sich der als unberechenbar geltende Monat am ersten Sonntag zunächst von seiner sonnigen Seite.
Entsprechend konnten sich auch die über 20 Marktaussteller über erheblich mehr Besucher freuen als am Vortrag und auch die Mitglieder der Werbegemeinschaft, die ab 13 Uhr mit ihren Waren beim verkaufsoffenen Sonntag Kunden anlockten, waren mit der Wetterlage durchaus zufrieden, auch wenn sich der Himmel am frühen Nachmittag merklich zuzog. Da herrschte noch kein Andrang an der große Segway-Arena, die vor dem Rathaus aufgebaut war. Entweder schreckte der Preis von 4,50 Euro für den Parcours auf den Stand-Zweirädern ab, oder aber potenzielle „Rennfahrer“ fürchteten, unter der anzulegenden Schutzkleidung zu sehr ins Schwitzen zu geraten, näherten sich die Temperaturen doch langsam angenehmen 20 Grad. Auch bei den beiden Schimmeln, der Giraffe und dem Elefanten auf dem nostalgischen Kinderkarussell herrschte noch die Ruhe vor dem sprichwörtlichen Sturm.
Ganz anders bei der afrikanischen Schönheit, die mit ihren Haar-Flechtkünsten manch eine der Linz-Besucherinnen im Viertelstundentakt verschönerte. Nicht ganz so weit war die Anreise ihrer „Nachbarin“. Aus den Alpen war die Zirbelkiefer angereist, die bis zu 1.200 Jahre alt werden kann. In Linz war die „Königin der Alpen“ jedoch klein geschnetzelt vertreten, um in Kissen gefüllt für anhaltenden und heilsamen Schlaf zu sorgen. „Den würde ich mit einem guten Schluck Zirbenlikör erheblich besser finden“, schickte ein Linzbesucher den Standbetreiber, wenn auch nur kurzfristig. Entspannung versprachen auch die zahlreichen indischen Räucherstäbchen in den Duftnoten Opium und Vanilla, Orange und Lemongras.
Taschen und Westen, Jacken, Kappen und Hüte wurden an einem anderen Stand angeboten. Haariger ging es rund um die „Faule Gretel“ zu, eine Kombination aus Rosshaarbesen und Metallschaufel mit langem Stiel, der ein Bücken beim Aufkehren unnötig macht. Besen und Bürsten in ungeahnter Vielfalt scharten sich um dieses „Duo“, während man sich einige Meter weiter mit Solinger Stahl für alle Fälle wappnen konnte. Neben Scheren und Pinzetten für die Körperpflege reihten sich Messer in jeder Größe und Breite, zum Entbeinen, Zerlegen und Gemüseschneiden.
Kaninchen begeisterten vor allem die kleinen Besucher
Gut, dass die niedlichen Kaninchen des Rheinbreitbacher Zuchtvereins RN 94 um den Vorsitzenden Johannes Federhen weit entfernt in dem Foyer der Stadthalle untergebracht waren, hätte sie der blinkende Stahl doch wohl allzu sehr verängstigt.
„Wir sind ja nur mit etwa 30 Tieren angereist, weil wir an diesem Wochenende nicht unsere Vereinsschau haben, sondern nur das Linzer Altstadtfest wie schon in den zurückliegenden Jahren bereichern wollen“, hob der Oberzüchter hervor. Mit Thüringern und Sachsen-Gold, Deilenaar, Rhön-Kaninchen und Farben-Rexen werde aber schon eine ziemliche Vielfalt geboten. Die allerdings interessierte die kleinen Besucher weniger, denn niedlich waren die Mümmelmänner schließlich alle, vor allem die gerade erst einmal wenige Wochen alten Kleinen, die ganz Mutige wie der junge Sebastian aus dem großen Freigehege holten, um sie hemmungslos zu streicheln. Bis seine Erzeuger zum Aufbruch drängte, wollten die sich doch bei der großen Autoschau noch nach einem neuen fahrbaren Untersatz für den anstehenden Urlaub umsehen.
Da wartete der Vorsitzende der Linzer Werbegemeinschaft an der kleinen Bühne auf dem oberen Marktplatz bereits ungeduldig auf Willi Wonder, den Stargast des verkaufsoffenen Sonntags. Der gebürtige Siegburger habe sich als kleiner Junge 24 Stunden lang jeden Tag den Lieblingssender seines Vaters, den WDR 4 anhören dürfen, womit der Grundstein für seine Schlagerkarriere gelegt gewesen sei. Vor 6.000 freiwilligen Zuhörern und Zuhörerinnen habe er sich 1998 im Kölner Tanzbrunnen erstmals der breiten Öffentlichkeit präsentiert und sei seitdem aus dem Schlager-Showgeschäft nicht mehr wegzudenken. „Während die Linzer Fanfaren gestern Nachmittag nicht so viele Zuhörer bei ihrem Auftritt angesichts des Schmuddelwetters hatten, wird sich Willi Wonder heute als Publikumsmagnet erweisen“, war sich Martin Flöck sicher.
Sommerliches Wetter erfreute die Gastronomie
Mit Sicherheit zufrieden war die Gastronomie. Die hatte zwar schon im März angesichts des herrlichen Vorfrühlingswetters mit fast schon sommerlichen Temperaturen Tische und Stühle längst aus dem Winterquartier geholt, aber jeder Sonntag ist eben ein Gewinn für die Gastronomen, wie auch für die übrigen Gewerbetreibenden, die den Linz-Besuchern am verkaufsoffenen Sonntag ab 13 Uhr ihre Angebote präsentierten und interessierte Kunden fachkundig berieten.
Jetzt bauen alle auf die weitere Unterstützung des Wettergottes, zunächst am Mittwoch, 30. April, wenn die Stadtsoldaten wieder auf den Marktplatz zum „Tanz in den Mai“ laden. Und dann am ersten Maisamstag, wenn am frühen Abend ein Höhenfeuerwerk über Linz den „Rhein in Flammen“ zu versetzen scheint.
