Große Linzer KG
Stimmungsvolle Prunksitzung
Selbst „Löcher“ im Programm konnten die bärenstarke Narren-Stimmung nicht beeinträchtigen
Linz. „Ruut un wiess, wie lieb ich dich“, spielte die Saalkapelle, „Die roten Hosen“ am frühen Samstagabend in der Linzer Stadthalle, die sich zur Prunksitzung der Großen Linzer KG in das proppenvolle Gürzenich der Bunten Stadt am Rhein verwandelt hatte. Und bunt kostümiert waren auch die Fastelovend-Jecken, die frenetisch den Einzug von Präsidentin Yvonne Adams-van Beek feierten, die vom Elferrat eskortiert wurde. Die Stadtsoldaten begleiteten den kleinen Prinzen, Johannes I. „vun all Linzer Strünzer“, dem seine Adjutanten, Manni Paffhausen und Toni Schmidt, beim Strüssjer-Werfen assistierten.
„Dat is ne sensationelle Sache he. Kompliment an Üch all. Dat is Brauchtum, dat ist Tradition“, schwärmte Johannes I., noch bevor das „Dreigestirn“ sein Sessionslied geschmettert hatte: „Karneval he in Linz, mit zwei Adjus un nem kleine Prinz, Karneval radderdoll, Linz is bunt, jeck un janz doll!“ nach der „Atemlos“-Melodie. In Toppstimmung hatte schon zuvor et „Leckerche“ Svenja Müller mit Tanzoffizier Sebastian „Mesi“ Mesenholl“ die Narren versetzt, bevor die staatsen Kääls von Kommandant Markus Paffhausen die Tollität mit seinen Adjus zum Stippeföttche in ihre erste Reihe holten. Und dann ließ auch noch Jan Eric Burkard mit dem Musikzug um Markus Mollberg nicht nur „de Stään am Himmel danze“. Der Stadtsoldat verwandelte nach seiner Versicherung „isch bin nur ne kölsche Jung“ die Jecken getreu der „Halleluja“-Aufforderung von Brings „Nimm dir en Häz un sing“ in die Fischer-Chöre, die ihm bereitwillig und absolut textsicher auf eine musikalische Zeitreise zu den Hüsjer op dem Aldermaat folgten. „Denn bei d’r Strünzer danz dä Bär, mer fiere Fastelaer!“ hieß es in der Stadthalle und schon folgte in der die Lalalalala-Orgie die Bläck-Fööss-Absage an all, die de Schnüss op maache, um ze sache, wie mer Fastelovend fiere dät.
Da konnte man „met der decken Trumm, Trumm, Trumm“ nur sagen: „Nie mih Fastelovend - ohne Üch!“ oder wie et Yvonnche schwärmte: „War dat en Eisbrecher!“ Auf den folgte die Schwere Artillerien, die sich dem Trockenausbauer-Prinz entsprechend in „Minions“ verwandelt hatten, die als dienstbare Einzeller-Handwerker in Johannes I. ihren neuen Meister an „de ruude Uhre und dem ruuse Kopp“ erkannt hatten. Nachdem ihr Sprecher den Linzer Weihnachtsmarkt aufs Korn und die Clowns-Möhnen mit „nem Leuchtturm aufm Kopp“ begrüßt hatte, zog er über den „Kääl usem Roothuus, der en fahrbare Raubkatz sein eijen nennt“ her. Jaguar-Fahrer Hans Georg Faust habe wohl zu „vill am Filzstiff jeschnüffelt, dat he dat ruude Backsteinhüsje für en Einkaufscenter will affrieße losse“, so dass die Linzer Vereine ohne ihr Molti obdachlos würden, kritisierte er. Angesichts solcher Aussagen fiel sogar die Technik aus, so dass die Minions bei ihrem Village People -Song „YMCA“ zunächst auf die „La-La-Lala- Fischerchöre“ angewiesen waren, bevor sie von der Saalband unterstützt wurden, die natürlich auch den Strünzer Hit „Loss se kumme, denn mit sin Linzer Junge“ kannte.
Mit ihrem Musikzug „Blechjedöns“ zogen dann die Roten Husaren um Bernd Berg ein, die dieses Jahr das Närrische Wochenende ausrichten. „Schön ist das Leben un et is lang noch nit am Eng“ versicherten sie den Jecken im Saal, während sich auf dem Gesicht der Präsidentin langsam Panik breit machte. „Unser erster auswärtiger Künstler ist noch nicht da, mir han en Loch im Programm“ gestand sie. Kein Grund zur Sorge, denn im Gürzenich der Bunten Stadt am Rhein steppte trotzdem weiter der Bär, so wie die Roten Husaren mit der Brings-Polka vorhergesagt hatten: Alles halb so schlimm, wenn mir zesamme sin!“.
Und wenn das Loch zu groß zu werden droht, schickt man eben eigene Kräfte auf die Bühne, wie die acht „Kääjelbröder“ vom kleinen Prinzen. Die staatse Kääls um Jürgen Berg hatte ihre Betreuerin Michaela Tietze abwechselnd in weiße und schwarze Strumpfhosen gesteckt, allerdings auf eine ganz eigene Art, indem sich die Kegler jeweils ein Beinkleid teilten. Entsprechend steckt eins ihrer Bein in einer weißen, das andere in der schwarzen Hose ihres Nebenmanns und umgekehrt. Tanzend versicherten sie ihrem Hannes: „Echte Fründe stonn zesamme“ en d’r Nut und als echte Jecke erst recht im Fastelovend auf der Prunksitzung.
„Dat war eine der schönsten Überraschungen in meiner Session . Mir losse uns de Laune eben nit vermiesen“, strahlte Johannes, der mit seinen Freunden nun schon seit 35 Jahren auf Kegeltour geht, bei denen diese auch schon mal in fremden Betten landen.
Auch wenn er nach dieser langen Zeit kegeln können sollte, lernen musste er dann zusammen mit Yvonne Adams-van Beek die Kunst des Buchredens und zwar von Werner Schaffrath us Kölle , nachdem dieser seinem vorlauten Sex-Bomb-Strauß Dodo „us Plüsch“ den Schnabel verboten hatte. Schon nach kurzer Einweisung sang er mit ihnen „Heidi, heido heida“.
Und dann war wieder die Zeit der Fischer-Chöre gekommen. Michael Wein berg führte sein Fanfarencorps in die Stadthalle, das wie jedes Jahr für eine bärenstarke Stimmung sorgte. Über 30 Minuten unterhielten die Musiker mit einem Fastelovend-Potpourri nach dem anderen die ausgelassen Jecken im Saal, die es längst nicht mehr auf den Stühlen hielt. Auf die schickte Michael Weinberg dafür drei seiner jüngsten Musiker mit Trompeten und Trömmelche, die sofort vom Dreigestirn und den Möhnen umringt wurden. „Mer losse nit vom Fastelaer“, versicherten die Fanfaren, denen keener sagen dät, wie mer Fastelovend fiere dät. Ebenso wenig wie den jecken Strünzern im der Stadthalle, die eine winzig kleine Pause im Vortrag nutzten, um sofort die entsprechenden „La-la-la-la“-Melodie die bekannte Version des Corps vom Nabucco-Gefangenenchor nicht nur anzustimmen, sondern auch jeden versuch der Musiker, andere Stücke zu spielen, lautstark zu übertönen, bis sich Michael Weinberg in sein Schicksal ergab und der weiter frenetisch mitsingend Menge den „Klassiker“ des Fanfarencorps präsentierte.
Zusammen mit dem Dreigestirn des Vorjahres, den Brüdern Tobi, Hendrik und Holger Derek, wurde dann die jrön-wiesse Husarenfamilich stehend empfangen. Zunächst schickte Kommandant Nihat Kökce Tanzoffizier Günni Winnekes ins Rennen, der seinem neuen Mariechen Nadja Klein versicherte „Nie mehr Fastelovend - ohne dich!“ Mit Landsknechtstrommeln und Fanfaren versetzte der Musikzug dann mit dem holden und tugendhaften Frauenzimmer Sabinchen die Narrenschar ins Schunkeln, bevor er sich den Kaiser Wilhelm wieder wünschte. Dagegen verriet die Männertanzgruppe: „Wir sind gemacht, für die Ra-Ra Rabenschwarzenacht!“ Dabei ließ sie ihr Mariechen im hohen Flug die Deckenhöhe der Stadthalle erkunden, um Nadja Klein nach freiem Fall wieder sicher auszufangen. Ja bei der anschließenden Aufforderung von „Brings“: „Donn mer läwe, als wör dat hück de letzte Naach“, ließen die Tänzer die Nachfolgerin von Sarah Korf bei den waghalsigen Hebefiguren sogar hoch oben hinter der Deckendekoration verschwinden, obwohl sie sich mit dem echt Linzer Mädchen doch wirklich sehen lassen können.
Kaum zu glauben, dass die im Linzer Gürzenich herrschende Hoch-Stimmung weiter zu halten sei. Aber den Hunnen um ihren Jung-Attlia Markus Blum-Biermann gelang die ebenso wie dem „Kölsche Tenor“ und dem Funkencorps Blau-Wiess. Dessen neuer Kommandant Marcus Zimmermann, seit 2012 auch bekannt als „der lachenden Prinz“, schickte nicht nur die beliebte BlaWiTro ins Rennen, sondern auch die Corps-Tänzer um Maria DiPrima und Niklas Brockhaus, bevor lange nach Mitternacht mit dem Auftritt der „Gruppe Wohnraum“ eine bärenstarke Sitzung ausklang, zu deren bombigen Erfolg nicht zuletzt die jecken „Fischer-Chöre“ beigetragen hatten.
Wie eng „ächte Fründe zesammestonn“ bewiesen demm Hannes singe Kegelbrüder
In „Minions“ die jäälen Einzeller hatten sich die Artilleristen diss Johr verwandelt
