Politik | 19.02.2013

Das Projekt „Leben in der Altstadt“ soll die Zukunft von Linz sichern

Thesen der Sozialdemokraten stießen auch bei CDU-Fraktion auf große Zustimmung

Linz.„Wie viele andere Städte leidet auch Linz unter Geschäftsaufgaben, Leerständen und Wohnungsaufgaben, Kaufkraftverlusten, Verfall historischer Bausubstanz sowie Verschlechterung der Straßen und Plätze.

Parallel dazu macht sich bei vielen Bürgern bezüglich der Stadtentwicklung ein Gefühl der Stagnation und Lähmung breit“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Lehmann auf der jüngsten Sitzung des Linzer Stadtrates.

Deshalb brauche Linz ein Konzept für die Gegenwart und Zukunft, wie diese Stagnation überwunden werden kann, denn nur so könne gewährleistet werden, dass die Altstadt mit ihrer historischen Städtebaukunst ein Magnet für den Tourismus, aber auch lebenswert für die Linzer bleibe. „Ich habe schon bei der Haushaltsdebatte darauf hingewiesen, dass angesichts knapper Kassen nur die Kommunen Erfolg haben werden, denn es gelingt, bei ihren Bürgern Gemeinschaftssinn zu wecken, wie es uns etwa Unkel gerade vorgemacht hat“, so Dieter Lehmann.

Zurzeit würden in Linz viele geistige und praktische Potenziale brachliegen.

Ihre Aktivierung werde aber nur gelingen nur, wenn jeder Einzelne den Wert erkennt, den seine persönliche Mitarbeit zur Erreichung der in einem detaillierten Gesamtkonzept definierten Maßnahmen darstellt. „Die Erarbeitung eines solchen Konzepts ist nicht alleinige Aufgabe des Stadtrats und auch die Umsetzung ist nicht primär Aufgabe der Kommunalpolitik, die nur begleitend Rahmenbedingungen schaffen kann.

Beteiligt sein sollten alle Bürger, denen unsere Stadt Linz wichtig ist“, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Möglich wäre dies etwa in einer noch zu gründenden Vereinigung „Leben in der Altstadt“, die allen offen stehen und alle wesentlichen Bereiche einer gelungenen Altstadtbelebung abdecken sollte.

Diese wird natürlich durch das gängige Konsumentenverhalten gefährdet, durch welches das wirtschaftliche Überleben der Einzelhandelsgeschäfte unmöglich oder zumindest infrage gestellt werde. „Dieser Prozess muss unbedingt gestoppt und umgekehrt werden. So sollte Geschäft angeboten werden, Rat und Hilfe von einem ehrenamtlichen Innenstadtmanager einzuholen“, so Dieter Lehmann. Zusammen mit anderen Fachleuten könne dieser etwa Anregungen zur wirtschaftlichen Vorgehensweise, zu architektonischen und innenarchitektonischen Veränderungen oder zu Finanzierungsfragen geben.

Falls trotzdem die Schließung eines Geschäftes anstehen sollte, müssten alle Möglichkeiten genutzt werden, den Inhaber oder einen potenziellen Nachfolger kompetent zu beraten.

„Mit jedem Geschäft, das nicht schließt oder sogar wiedereröffnet werden kann, bleibt Leben, Aktivität und Attraktivität in der Innenstadt“, betonte der Sozialdemokrat.

Für bereits leer stehende Ladenlokale müssten von dem Managerteam neue Geschäftsideen und erfolgsversprechende Business-Pläne entwickelt werden, die dann im Internet offen beworben werden könnten.

Nutzungsänderungen von Gewerbeflächen

Falls jedoch der dauerhafte Erhalt des Einzelhandels oder der Gastronomie punktuell nicht gelingen sollte, müsse eine Nutzungsänderung von Gewerbeflächen in Wohnraum in Betracht gezogen werden, um einer „Verödung“ entgegenzuwirken. „Insbesondere jungen Familien sollten durch günstige Finanzierungsbedingungen der örtlichen Kreditinstitute, aber auch durch Selbst- und Nachbarschaftshilfe die Möglichkeit geboten werden, ältere Immobilien in der Altstadt zu erwerben und kostengünstig zu modernisieren“, forderte Dieter Lehmann. Absoluten Vorrang habe aber der Erhalt der farbenfrohen Fachwerkhäuser, deren fachgerechte Erhaltung und Pflege allerdings sehr kostenintensiv sei, betonte er.

Zwar sei dabei vorrangig Privatinitiative gefragt, aber auch die Stadt sollte für die Sanierung von Wohn- und Geschäftsgebäuden alle Möglichkeiten eines finanziellen Impulses ausschöpfen, sprach er Fördermittel an, mit denen Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen etwa pauschal mit 20 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten oder maximal etwa mit 10.000 Euro bezuschusst werden könnten.

„Jeder städtische Zuschuss würde damit das Fünffache an privaten Investitionen freisetzen und damit einen wertvollen Beitrag zur Attraktivierung und zum Gelingen des Projekts ‚Leben in der Altstadt‘ beitragen“, rechnete der Sozialdemokrat hoch. Dafür könnte etwa die Stiftung „Stadtsparkasse Linz am Rhein“ im ersten Jahr eine Startfinanzierung in Höhe von 30.000 Euro zur Verfügung stellen.

Sanierung der Straßen und Plätze dringend erforderlich

Über die dringend notwendige Sanierung der innerstädtischen Straße und Plätze kam Dieter Lehman auf die Bedeutung der mittelalterlichen Geschichten von Linz zu sprechen, die im Sinne eines innovativen Kultur-Tourismus viel stärker herausgestellt werden müsse.

Dazu gehört unabdingbar, das Leben im Mittelalter anschaulich und erlebbar zu machen“, forderte er. Möglich sei dies hinsichtlich der Themenfelder Bauen und Wohnen im Mittelalter, Handwerk im Mittelalter, Märkte im Mittelalter, Leben am Rhein im Mittelalter oder Weinanbau im Mittelalter sowie wichtige historische Ereignisse und Feste in Linz.

Museum soll das historische Linz veranschaulichen

Um diese dem Besucher nahezubringen, sei ein modernes interaktives Mittelalter-Museum in einem zentralen Gebäude notwendig. Außerdem müsse das Rheintor oder Neutor sowie den Pulverturm nach historischem Vorbild gastronomisch oder zumindest touristisch genutzt werden.

„Eine Reihe leer stehender Altstadthäuser könnte drittens in mittelalterliche Freilichtprojekte umgewandelt werden, in denen historische Bäckereien, Metzgereien, Gasthäuser, Webereien, Apotheken, Geldverleiher oder Goldschmiede präsentiert werden könnten“, schlug er vor.

Einen genauen Stufenplan könnte etwa die Vereinigung „Leben in der Altstadt“ ausarbeiten.

Erweitert werden sollte auch die Reihe der jährlich stattfindenden kulturellen Veranstaltungen etwa um ein mittelalterliches Musik-Festival oder mit wissenschaftlichen Vorträgen zum Leben im Mittelalter.

„Eine enge Verzahnung dieses mittelalterlichen Lincese mit dem römischen Rheinbrohl oder Ahrweiler und dem neuzeitlichen Regierungsbunker in Ahrweiler, dem Brückenmuseum von Remagen, dem Willy-Brandt-Haus in Unkel und dem Konrad-Adenauer-Haus in Rhöndorf könnte einen ‚historischen Pfad‘ schaffen, der viele kulturell und historisch interessierte Touristen nach Linz bringt“, argumentierte Dieter Lehmann, bevor er weitere Möglichkeiten anführte, wie Bürger in das gesamte Konzept eingebunden werden könnten, zu dem auch der Rhein als das trennende wie das verbindende Element gehöre als Lebensader für den Handel und den Tourismus und als „die große Völkermühle Europas“, wie ihn Carl Zuckmayer genannt hatte. „Auch wenn einige Punkte recht ambitioniert erscheinen, vielleicht sogar als zu idealistisch und visionär abgetan werden können, wollen wir mit diesem Thesenpapier einen Anstoß geben, der hoffentlich viele erreicht und zum Mitmachen anregt“, so Dieter Lehmann.

Ausführungen Lehmanns fanden großen Anklang

Bei seinen Ratskollegen waren seine Ausführungen jedenfalls durchweg auf fruchtbaren Boden gefallen.

„Nach den närrischen Tagen werde ich umgehend dafür Sorge tragen, dass dieses Papier in eine Runde eingebracht wird, zu der natürlich auch der Stadtmanager und die Werbegemeinschaft gehören, damit wir zusammen besprechen, wie diese einzelnen Punkte angeschoben werden können“, so Adi Buchwald. Und auch Christoph Paffhausen, der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands, zollte der SPD Respekt und bekundet die Bereitschaft seiner Parteifreunde, die Sozialdemokraten bei der Umsetzung des Projektes „leben in der Altstadt“ zu unterstützen

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