Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages
Unkel gedachte der Kriegsopfer
Unkel. Mit dem „Lied zum Agnus Dei“ aus der Deutschen Messe von Franz Schubwert eröffnete die Chorgemeinschaft des MGV Concordia Unkel und von Kasbach-Ohlenberg unter Leitung von Andreas Stieger am Volkstrauertag die Gedenkfeier, zu welcher die Stadt Unkel im Anschluss an die Messe in Sankt Pantaleon an die Kriegergedächtniskapelle eingeladen hatte. Begrüßen konnte Stadtbürgermeister Gerhard Hausen dort Vertreter der Unkeler Ortsvereine, neben dem VdK-Ortsverband um den Vorsitzenden Heinrich Richarz allen voran die Bürgervereine Sankt Pantaleon, Sankt Josef und Sankt Sebastianus mit ihren Fahnen sowie den Unkeler Junggesellenverein, eine Delegation der Feuerwehr und des DRK, etliche Mitglieder des Stadtrates, das Bläserkorps der KG, das mit den Sängern die Veranstaltung musikalisch gestaltete, sowie die beiden Pfarrer Andreas Arend und Michael Busch.
„Volkstrauertag bedeutet, dass das Volk trauert, zumindest größtenteils. Aber das Volk ist nicht hier“, beklagte Volker Thomalla (FWG), der für die Ratsmitglieder die Rede hielt. Hauptsächlich Vertreter von Vereinen und Institutionen hätten trotz der Kälte den Weg an die Gedenkstätte gefunden. „Verliert der Tag an Bedeutung, der 1926 erstmals offiziell in ganz Deutschland begangen wurde?“, fragte der Redner. Angeregt worden war der Tag durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges nicht zuletzt auch als Zeichen der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten mit den Hinterbliebenen der im Krieg Gefallenen. „Damals gab es allerdings kaum eine Familie, die nicht betroffen war“, erinnerte Volker Thomalla.
Die Nationalsozialisten hätten dann aus dem Volkstrauertag 1934 per Gesetz einen Staatsfeiertag gemacht und diesen „Heldengedenktag“ benannt. Es ging nicht mehr um die Toten, sondern mit Militärparaden um die Helden, für auch nicht „halbmast“, sondern „vollstock“ geflaggt wurde. In seiner ursprünglichen Bedeutung sei er dann nach den unvorstellbaren Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs erneut vom Volksbund wieder eingeführt und 1950 mit einer großen Feierstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages begangen worden. „Damals war es wirklich ein Volks-Trauertag, ein Bedürfnis für die Menschen, auch ihren Wunsch nach Frieden und Versöhnung zum Ausdruck zu bringen“, so Volker Thomalla. Die Trauer und das Gedenken hätten die Menschen in allen Ländern verbunden, während das Gedenken heute institutionalisiert sei. Er habe sich bei der Jugend umgehört und die sei eher sauer, dass an dem „stillen Tag“ jede Art von Belustigung verboten sei. „Sie kennen Krieg und Gewalt ja auch nicht aus eigener Erfahrung und warum sollten sie diesen Tag begehen, wo doch auch schon ihre Eltern an der Gedenkfeier nicht mehr teilnehmen“, zeigte der Redner durchaus Verständnis für die junge Generation.
Dabei sei der Volkstrauertag so aktuell wie früher, auch wenn nur noch wenige die Männer kennen würden, deren Namen an der Krieger-Gedächtniskapelle aufgelistet seien. „Dieser Tag ist nicht nur in die Vergangenheit gerichtet, er zeigt vielmehr Perspektiven für die Zukunft auf, denn Krieg und Gewalt sind nicht überwunden, der Glaube an sicheren Frieden ist eine trügerische Annahme“, warnte Volker Thomalla und warb für eine „Wiederbelebung“ des Volkstrauertages. So sollte jeder der Anwesenden 2014 eine Person aus seinem Bekanntenkreis zu der Gedenkstunde mitnehmen - eine Aufforderung, die an die dann Anwesenden erneut gestellt werden müsse, um den Volkstrauertag so wieder zu einem Gedenktag werden zu lassen, an dem das Volk trauert, schlug Volker Thomalla vor, bevor Gerhard Hausen für die Stadt, der Vorsitzende des Heisterer Bürgervereins, Helmut Bürger für die drei Bürgervereine sowie Heinrich Richarz für den VdK der Verbandsgemeinde Kränze und Gebinde an der Gedächtniskapelle niederlegten und die Sänger „Von guten Mächten treu und still umgeben“ anstimmten.
