Neues Theaterstück des Geschichtsvereins Unkel
Vorübergehende Zuflucht im Pax-Heim
Konrad Adenauers Aufenthalt wird auf Grundlage von Original-Zitaten und -Dokumenten szenisch rekonstruiert
Unkel. Der Theaterkreis des Geschichtsvereins Unkel führt im November das Theaterstück „Zuflucht in Unkel - Adenauers Aufenthalt im Pax-Heim 1935/36“, ein Dokudrama in acht Kapiteln auf. Die Proben laufen zurzeit bereits auf Hochtouren entweder im Ratssaal des alten Rathauses oder im Ausweichquartier, dem städtischen Kindergarten. Dort stand jüngst vor allem die Ankunft des ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters, den die Nationalsozialisten bereits zwei Jahre zuvor im Frühjahr 1933 aus dem Amt gedrängt hatten, in Unkel im Oktober 1935 auf dem Programm.
„Verbannung“ aus Rhöndorf
Joseph Giesen, der ehemalige Gartenbaudirektor von Köln, hatte für Adenauer - nach mehreren Stationen - ein kleines Haus in Rhöndorf gefunden hatte. Warum er nicht nur dieses verlassen musste, sondern sogar aus dem gesamten Regierungsbezirk Köln ausgewiesen wurde, dass erfahren die Zuschauer des Unkler Theaterstücks. „Der Grund, warum ich hier bin, resultiert aus einer Biesterei. Zur Rhöndorfer Kirmes spielte die Feuerwehrkapelle in meinem Garten den ‚Badenweiler-Marsch‘, wohl, weil sie kein anderes Stück spielen konnte. Das ist das Lieblingsstück von dem Herrn Hitler, das immer gespielt wird, wenn der auftritt. Das haben wohl einige in den falschen Hals bekommen, und ich wurde daraufhin aus dem Regierungsbezirk verbannt“, berichtet Konrad Adenauer (Wolfgang Ruland) seinem Freund (Wilfried Meitzner).
Belegbare Zitate
„Das Besondere an diesem Stück ist, dass bis auf eine von Elsbeth Bovy geschriebene Szene, in der sich drei Unkeler Bürger über den Gast im Pax-Heim unterhalten, belegbare Originalzitate aus Briefen, Erinnerungen, aus Biografien und vielen Dokumenten herangezogen und lediglich bearbeitet wurden, um eine bühnenreife Dialogform zu erhalten“, so die Regisseurin, Doris Fortuin. Grundlegend seien die Ausarbeitungen von Wolfgang Ruland für seinen Adenauer-Vortrag gewesen, den dieser im März 2013 im Gästehaus Korf gehalten habe.
„So habe ich auch die Erzählungen von Severin Schreiner aus dieser Zeit eingearbeitet, der damals in Unkel Polizeiamtsleiter war“, berichtete Ruland. Dargestellt wird der spätere Büroleiter der Verwaltung, dessen Erinnerungen Horst Kretschmer vor Jahren in dem Buch „Erlebtes und Erlauschtes“ veröffentlicht hat, von Günter Küpper.
Adenauer als Erfinder
Miterleben können die Zuschauer auch, wie der neue Gast mit der Oberin des Pax-Heims (Elsbeth Bovy) um den Preis für die beiden Zimmer feilscht oder wie er Joseph Giesen seine neuste Erfindung, einen elektrischen Insektentöter vorstellt, an dem Adenauer in Unkel gearbeitet hat, und mit dem Gartenexperten seine Experimente diskutiert. „Wenn ich mit dem einen Pole den Milben nahe kam oder sie berührte, trat ein kleiner Funke in Erscheinung. Die Milben waren sofort tot, während die genannten Teile der Pflanze keine sichtbare Beschädigung durch den Strom zeigten“, schildert Konrad Adenauer seine Unkeler Experimente.
„Mir ist es, als wenn du als Junge ein Examen zu bestehen hättest, und da wird mir klar, dass ich überhaupt das etwas Knabenhafte an dir so besonders liebe“, charakterisiert Gussi den Forscherdrang des fast 60-jährigen Zentrumspolitiker, den sie 1919 als 24-Jährige geheiratet hatte.
„Neben den bereits erwähnten Personen treten etwa noch Dannie Heinemann (Hans-Joachim Klein) und Dora Pferdmenges (Gisela Meitzner), Bürgermeister Hans Hartdegen (Werner Geißler) sowie Paul Franken (Eberhard Tersteegen) und Thomas Esser (Werner Geißler) auf, die beide versuchen, Konrad Adenauer zum aktiven Widerstand zu bewegen“, berichtete Wolfgang Ruland, der sich intensiv mit den von Hans Peter Mensings bearbeiteten Briefen Konrad Adenauers beschäftigt hat. Außerdem erinnerte er an das Buch „Freundschaft in schwerer Zeit“ von Hans Peter Mensing und Ursula Raths mit Briefen des Politikers an Dora Pferdmenges aus den Jahren 1933 bis 1949, das Monsignore Paul Adenauer im Juni 2007 im Pax-Heim vorgestellt hatte.
Auf die literarisch-dramaturgische Darstellung dürfen die Unkeler und Adenauer-Verehrer gespannt sein.
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