In Erpel herrschte von Freitag bis Montag weinselige Stimmung rund um das Rathaus
Weinkönigin Jessica I. genoss Blütenkorso in vollen Zügen
Erpel. „Nimm das Leben ohne Klage; Sonne scheint nicht alle Tage. Doch unser Herz soll fröhlich sein und dabei hilft ein Gläschen Wein!“ Mit diesen Worten hatte die Erpeler Bürgermeister Cilla Adenauer zum traditionellen Weinfest-Rathausempfang am Sonntag in den Sitzungssaal gebeten, um dort der Weinkönigin des Ortes, Jessica I. samt ihren Weinprinzessinnen Nina (Bornheim) und Sarah (Kirschbaum) zu huldigen, nicht zu vergessen Weingott samt Bacchus (Andreas Schwager) mit seinen Bacchantinnen (den Töchtern Daniela und Verena). Zu den geladenen Ehrengästen, die vom Duo „WiSu“ mit einem „Prosit auf die Gemütlichkeit“ empfangen wurden, gehörten auch die noch amtierende Mittelrheinprinzessin Jenny I. (Waldmann) und die Erpeler Weinkönigin 1988, Birgit I. (Monschau). Begrüßen konnte die Orts-Chefin zudem neben Pfarrer Günter Lülsdorf, der am Samstagnachmittag die Weinfestmesse in Sankt Severinus zelebriert hatte, ihre Vorgänger im Amt, Heinrich Schwarz und Edgar Neustein, sowie Ex-Verbandsbürgermeister Werner Zimmermann und dessen Nachfolger Karsten Fehr. „Natürlich sind auch wieder Mitglieder der Band Timbre Tajiri aus Baarlo unter uns, die nun schon seit 30 Jahren ununterbrochen zu unserem Weinfest an den Rhein kommen. In dieser Zeit sind Freundschaften fürs Leben geschlossen worden“, wandet sie sich an den Vorsitzenden Piet Cotjans. Begrüßen konnte sie auch Musiker der „Volle Blaos“, die mit ihrem Vorsitzenden Karel Harmsen immerhin die noch amtierende Tollität der Erpeler Narrenschar stellen. Der Brauchtumsverein „Freunde des Erpeler Weinfestes“ um Vorsitzenden Werner Henneker konnten mit dem Besuch am Samstag zufrieden sein. „Wir können uns glücklich schätzen, einen so engagierten Verein im Ort zu haben, der uns und unseren Gästen immer wider viele fröhliche Stunden beschert und einen Blütenkorso, der weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist“, so die Bürgermeisterin. Das konnte Brigitte Buchmüller nur bestätigen. „In der Qualifikationsphase des Publikumswettbewerbs ‚Weinfest des Jahres‘, den die Zeitung ‚Welt am Sonntag‘ veranstaltet hat, haben wir mit 7.429 Stimmen den 4. Platz belegt. Angesichts der 163 Wettbewerbsteilnehmer ist vor allem der 7. Platz im Finale eine ganz beachtliche Leistung, die nicht zuletzt dem Blütenkorso zu verdanken ist“. Auf das Motto des Blütenkorsos spielte dann Jessica I. mit ihrem Weinspruch an, mit dem sie sich im Goldenen Buch des Ortes verewigte: „Einmal im Jahr zum Fest der Reben wollen wir gemeinsam unser Glas erheben; denn fröhliche Menschen und guter Wein sollten stets beisammen sein. In Erpel, hier am schönen Rhein, ist das ein Märchen für Groß und Klein!“. Da wollte der Weingott nicht zurückstehen: „Wein, Märchen und Sagen erfreun uns in diesen Tagen. Drum hebt Euer Glas und stimmt mit mir ein: Es lebe Erpel, die Perle am Rhein!“, animierte Bacchus die Festgäste mit seinem Weinspruch, auf den Blütenkorso anzustoßen. Und der war wirklich märchenhaft. Eröffnet wurde der Umzug einer bekannten Märchentante. Beatrix Dühsdorf war in die Rolle von Oma Finchen geschlüpft, um in einem bequemen Sessel sitzenden aus Grimms Märchen vorzulesen. Wilhelm Hauff steuerte den kleinen Muck bei, dessen roten Schnabelschuhe vor einem orientalischen Palast abgestellt waren. „Der Teufel hat den Schnaps gemacht, um uns zu verderben“, warnte das Duo Wi-Su und schon fuhrt der gehörnte Herr der Finsternis, als Teufel mit den drei Goldenen Haaren“ Flammen schlagend aus seinem Reich empor. Ritter Roland trauerte vor dem nach ihm benannten Bogen seiner Geliebte im Kloster Nonnenwerth nach und übersah so die „märchenhaften Weintrauben“, in die sich die Erstklässler verwandelt hatten. Ritter und Burgfräulein flohen vor dem schrecklichen Lindwurm Fafnir, dem Drache aus dem Nibelungenlied, der ja angeblich von der Erpeler Ley zum Drachenfels umgezogen sein soll. Auch „der Fischer und seine Frau“, die Ilsebill, dargestellt von den Zweitklässlern, waren nach Erpel gekommen und hatten gleich den farbenprächtigen Butt mitgebracht. Dem folgten ängstlich die niedlichen Fröschchen vom „Regenbogenland“, war hinter ihnen der große Kalif Storch doch nicht zu übersehen. In Figuren aus dem „Räuber Hotzenplotz“ hatten sich die Möhnen verwandelt, während die „Leev Pänz“ als Jim Knopf und Lokomotivführer Lukas sowie anderen Figuren aus Michael Endes Geschichte mit der „Wilden 13“ aus Lummerland angereist waren. Nicht nur die Erpeler Weinkönigin von 1988, Birgit I. (Monschau) und Jessicas Kollegin aus Remagen, Jennifer I., auch der Geist Beethovens, Peter Pan und Schneewittchen mit ihren mehr als sieben Zwergen reihten sich in den farbeprächtigen Zug. Sogar der Lügen-Baron Münchhausen war, wenn auch nicht im rasanten Ritt auf einer Kanonenkugel, so doch eigens mit einer Bonner Depesche aus der Bundesstadt gekommen. Als Waldelfen bildeten die „Herzdamen“ das Ehrengeleit von Bacchus, der , flankiert von seinen Bacchantinnen Daniela und Verena, in einem Sessel aus knorrigem Rebenholz thronte. Er war der Letzte, der an Jessica vorbei defilierte, die, umgeben von ihren beiden Prinzessinnen in einer bombastischen Krone aus gelben und orangefarbenen Blumen thronte und sich mit ihrem Prunkwagen als absoluter Höhepunkt in einen wirklich sagenhaften Blütenkorso einreihte.
Ob grün oder rot - niedlich waren die Erpeler Träubchen allemal.
Der Teufel mit den drei goldenen Haaren ärgerte sich über die Warnung des WiSu-Duos.
