kfd Ohlenberg
„Wer ist meine Nächste? Wer ist mein Nächster?“
Ein Wortgottesdienst fand am Tag der Diakonin in der Pfarrkirche St. Nikolaus Ohlenberg für die gesamte Pfarrreingemeinschaft Linz statt
Ohlenberg. „Wer sind unsere Nächsten? Die Flüchtlinge auf Lampedusa? Die ausgebeuteten Hausangestellten in Deutschland? Die durch Christen an Leib und Seele Verletzten?“: Das waren nur einige der Impulse und Fragen, denen sich die Teilnehmer am Gottesdienst zum „Tag der Diakonin“ zu Beginn der Feier stellten.
Als „Tag der Diakonin“ wird jedes Jahr, seit 1998, der Festtag der Heiligen Katharina von Siena (29. April) begangen. Mit verschiedenen Aktionen und vor allem Gottesdiensten soll der diakonische Auftrag der Kirche und speziell das Anliegen der Öffnung des Diakonats auch für Frauen in das Bewusstsein gerufen und bedacht werden. Frauen sind ein starkes und wichtiges Element in der Kirche und der diakonische Auftrag der Kirche wird intensiv von Frauen wahrgenommen.
Das diesjährige Thema „Wer ist meine Nächste? Wer ist mein Nächster?“, zielt darauf ab, die Nöte und Sorgen der Mitmenschen in den Blick zu nehmen, ganz im Sinne der heiligen Katharina, die Armen, Kranken und Außenseitern selbstlos geholfen und sich aus dieser Haltung heraus furchtlos in die Kirchenpolitik eingemischt hat.
Die Schrifttexte, die für den Gottesdienst in Ohlenberg ausgewählt waren, kreisten dann auch um das Thema des Nächsten und der Nächstenliebe: Der Text der Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 58,7 bis 10) ist ein starker Appell Gottes an die Menschen, ein Appell zu Mitmenschlichkeit und zu einem Verhalten, das die Not des Nächsten sieht, denn „wenn Du dem Hungrigen Dein Brot reichst wird Deine Finsternis hell wie der Mittag“, heißt es in dieser Lesung.
„Und wer ist mein Nächster?“, sagt der Gesetzeslehrer zu Jesus im anschließend vorgetragenen Lukasevangelium (Lk 10,25 bis 37). Jesus antwortet darauf mit der wohlbekannten Erzählung vom barmherzigen Samariter, einer Erzählung, die bei näherem Hinsehen viele Fragen stellt - nicht nur die, wer der Nächste ist, sondern zum Beispiel auch:
„Wem werde ich selbst zum Nächsten? Kenne ich meine Grenzen? Helfe ich nicht nur, sondern kann ich auch Hilfe annehmen, mich mit Zuwendung beschenken lassen?“
Der Zuwendung zum Nächsten konnten die Gottesdienstteilnehmer in einer zeichenhaften Handlung Ausdruck geben: Ein Gefäß mit duftendem Salböl ging von Hand zu Hand, mit dem Öl wurde seinem Nächsten ein Kreuz in die geöffnete Hand gezeichnet und sich so gegenseitig symbolhaft Stärkung und Ermutigung zugesprochen. Das Geschehen wurde in Worte gefasst, die deutlich machen, dass sich Gott und der Nächste nicht voneinander trennen lassen: „Weil du mich siehst, richte ich mich auf. Nimmst Du mich wahr, kann ich aufrecht stehn. Weil Du mein Boden bist, will ich in Dir gründen. Bist du mein Horizont, geh ich meinen Weg.“ Dieser kleine und eindringliche Text, an eine Rose geheftet, wurde jedem Gottesdienstbesucher am Ende der Feier mit nach Hause gegeben.
