Förderkreis Obere Burg Rheinbreitbach lud zu außergewöhnlichem Musikerlebnis
„Wildes Holz“ bot astreine Musik
Rheinbreitbach. Eine Blockflöte als „wildes Stück Holz“, das kann sich niemand so recht vorstellen. Ganz anders Tobias Reisige, der schon immer Blockflötist werden wollte, mit sechs Jahren das Spielen anfing und sich in Essen an der Folkwang-Universität nicht nur zum Saxofonisten, sondern wahrscheinlich auch zum einzigen Diplom-Jazz-Blockflöstisten ausbilden ließ. „Mit ihm, Anto Karaula und Markus Conrads präsentieren wir Ihnen heute drei Meister auf ihren Instrumenten, auch wenn die Kombination von Gitarre, Kontrabass und Blockflöte zunächst etwas eigenartig klingen mag“, kündigte die stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises Obere Burg, Christa Schäfer, am Sonntagabend das Trio „Wildes Holz“ und versprach dem erwartungsvollen Publikum mit einer Mischung aus Rock, Pop, Jazz und Klassik hochinteressante Musik: „Diese Freunde-Band aus Recklinghausen wird Sie sowohl durch ihre schwungvolle Musik als auch durch ihre menschliche Harmonie begeistern.“
Ein ungewöhnliches Instrument
Und dieses Versprechen setzen die drei Musiker umgehend mit ihrem „Moretti Swing“ als Begrüßungsmelodie in die Realität um, wobei Reisige mehrfach das Instrument wechselte, das aber immer zur großen Blockflöten-Familie gehörte, auch wenn die von Herbert Paetzold entwickelte, zwei Meter lange Subgroß-Bassblockflöte eher an einen nicht korrekt zusammengebauten Garderobenständer aus einem schwedischen Möbelhaus erinnerte als an eine Flöte. Dafür tauschte Markus Conrads bei seinem Einsatz den Kontrabass gegen eine kleine Mandoline ein, nur Anto Karaula blieb konstant bei der Gitarre.
Repertoire von Klassik bis Pop
Der Klaviersonate Nr. 8 von Ludwig van Beethoven, der bekannten „Pathétique“, in die nahtlos Rockeinlagen einflossen, ließ das Trio eine lateinamerikanisch inspirierte Eigenkomposition von Markus Conrads erklingen, die der Bassist einfach „Madeira salvaje“, also „Wildes Holz“ genannt hat. Nach Stücken von Bach und Michael Jackson kündigte Anto Karaula ein Flötensolo von Tobias Reisige an, bei dem es, so der Gitarrist, immer sehr still werde. Mittels einer sogenannten Loop-Station spielte der Flötist auf unterschiedlichen Tonspuren nacheinander Melodien und Rhythmen ein, die er per Pedal so abrief, dass zusammen mit seinem Live-Spiel der Hit „Viva la Vida“ erklang.
In bekannten Hit fielen dann auch seine Freunde zu einem mitreißenden Finale ein.
„Man merkt, dass die drei sich bestens verstehen und das nicht nur, weil sie schon 17 Jahre zusammen spielen“, schwärmte ein Zuschauer in der Pause von den faszinierenden Klangmöglichkeiten dieser alles andere als alltäglichen Besetzung, von der die Zuhörer ein ums andere Mal mitgerissen wurden, bevor sie das Trio nach gut zwei Stunden mit frenetischem Applaus - wenn auch nur ungern - entließen.
