Einen Tag nach dem 100. Geburtstag von Willy Brandt besuchte Ministerpräsidentin Malu Dreyer das Unkeler Forum
Zu Ehren eines großen Sozialdemokraten
Klaus-Henning Rosen stellte das auf ehrenamtlicher Arbeit basierende Konzept der Erinnerungsstätte vor
Unkel. Hoher Besuch hatte sich im Willy-Brandt-Forum in Unkel angesagt. Die Vorsitzenden der Bürgerstiftung, Klaus-Henning Rosen und Rudolf Barth, erwarteten zusammen mit dem „Finanzchef der Stiftung, Ulrich Runkel, und mit Geschäftsführer Rudolf Rupperath neben dem Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz, auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer, um ihr die Erinnerungsstätte an den ersten SPD-Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt nahe zu bringen, der von 1979 bis zu seinem Tod 1992 in Unkel gelebt hat. Erste Ehrengäste waren die dritte Frau von Willy Brandt, Brigitte Seebacher mit ihrem Ehemann Hilmar Kopper, die der Stadt schon vor Jahren das Arbeitszimmer ihres ersten Mannes überlassen hatte, um das die Stationen des Museums von dem in Unkel lebenden Ausstellungsdirektor des „Hauses der Geschichte“ in Bonn, Jürgen Reiche, zwar höchst professionell, aber ehrenamtlich konzipiert worden waren. Auch der Landtagsabgeordnete und SPD-Kreisvorsitzende, Fredi Winter, sowie der stellvertretende Kreisvorsitzende, der Verbandsbürgermeister von Bad Hönningen, Michael Mahlert, waren mit SPD-Regionalgeschäftsführerin Eva Frömgen und Landrat Rainer Kaul nach Unkel gekommen. Auch der Chef der Staatskanzlei, der Erpeler Christoph Charlier, schloss sich dem kurzen Rundgang durch das Forum an.
Klaus-Henning Rosen begrüßte die Ministerpräsidentin im Raum für Sonderausstellungen, in dem zur Zeit Briefmarken aus aller Welt zu sehen sind, die Willy Brandt gewidmet sind. Der Trubel um den Geburtstag des Friedensnobelpreisträgers, der am Vortag 100 Jahre alt geworden wäre, sei überstanden. Damit sei nun der richtige Zeitpunkt gekommen, wie Malu Dreyer bei ihrer Zusage selber erklärt habe, mit ihrem Besuch den großen Sozialdemokraten zu ehren, der 13 Jahre lang Bürger der Stadt Unkel war. „Deshalb stellt sich auch kein schlechtes Gewissen bei mir ein, dass wir einen Platz in Ihrem recht gefüllten Terminkalender beansprucht haben“, so der Stiftungsvorsitzende. Zwar sei der Wunsch, die Landesmutter nicht mit den Problemen von Unkel zu belasten und ihr trotz der Weihnachtszeit keine Wünsche mit auf den Heimweg zu geben, nicht ganz in Erfüllung gegangen, erinnerte er an den vorangegangenen Auftritt der Windkraftgegner, „hier bei uns soll es aber ein erholsamer Besuch bleiben“, versprach Klaus-Henning Rosen, der den Kreis der Geladenen im Forum entsprechend bewusst klein gehalten hatte.
„Zum Forum gehören auch fast zwei Dutzend ehrenamtliche Mitarbeiter“
Brigitte Seebacher habe mit der Stiftung des letzten Arbeitszimmers von Willy Brandt praktisch die Initialzündung für das Museum „Willy-Brandt-Forum“ gesetzt, dem Malu Dreyers Vorgänger, Kurt Beck, die Hilfe des Landes habe zukommen lassen. Nur mit dieser sei es möglich gewesen, das frühere Sparkassengebäude zu einem Museum umzubauen, durch das Rudolf Rupperath den hohen Besuch gleich führen werde.
„Zum Forum gehören auch fast zwei Dutzend ehrenamtliche Mitarbeiter, denen es mit ihrem Schalterdienst und ihren Führungen zu verdanken ist, dass der Bestand des Hauses gewährleistet ist“, hob Klaus-Henning Rosen hervor, um dann Malu Dreyer zu wünschen: „Fühlen Sie sich hier Wohl und genießen Sie Ihren ersten Besuch im Willy-Brandt-Forum, das den 100. Geburtstag zum Anlass nimmt, nicht ganz übliche Ehrungen auf eher exotischen Briefmarken, in einer Ausstellung zu präsentieren!“
Besondere Ausstellung
Auf Postwertzeichen aus Grenada und Guinea, Guyana und Antigua, aus Madagaskar und der Zentralafrikanischen Republik ist der deutsche Sozialdemokrat allein oder neben anderen Politikern zu sehen. „Etwa drei Dutzend philatelistische Exponate mit Abbildungen von Willy Brandt sind hier ausgestellt, wobei einige schon etwas skurril sind“, gestand Klaus-Henning Rosen. Da war Malu Dreyer längst Rudolf Rupperath zum Arbeitszimmer des Friedensnobelpreisträgers gefolgt, um von dort aus seinen Sessel aus dem alten Plenarsaal des Bundestages zu begutachten. Schon fast ungläubig nahm die Ministerpräsidentin den Hinweis des ehemaligen Gymnasiallehrers aus Bonn auf, dass die Wahlbeteiligung 1972 bei der so genannten „Willy-Wahl“ bei über 91 Prozent gelegen habe. „Mit solchen Geschichten und lustigen Begebenheiten können wir unsere Führungen je nach Bedarf auflockern. Wenn Sie zudem alle interaktiven Möglichkeiten des Forums ausnutzen würden, könnten Sie sich hier locker 24 Stunden verbringen“, informierte Rudolf Barth die Ministerpräsidentin. Da aber Malu Dreyer dieses Mal so viel Zeit nicht mitgebracht hatte, sich aber äußerst angetan vom Aufbau und dem Informationsangebot des Forums zeigte, wird man sie möglicherweise demnächst erneut in Unkel antreffen können.
Innenminister Roger Lewentz, Klaus-Henning Rosen, Brigitte Seebacher und Malu Dreyer.
