Linzer Kunstverein eröffnet letzte Ausstellung im Molti-Gebäude
Zufälligkeit neben strenger Logik
Die Künstler Irene Eigenbrodt und Herbert Höcky zeigen noch bis 27. September „Neue Arbeiten“
Linz. Zur Eröffnung seiner letzten Ausstellung im sogenannten Molti-Gebäude, dem Klinkerbau an der Asbacher Straße, der 1903 als höhere Mädchenschule errichtet worden war, hatte der Linzer Kunstverein eingeladen. „Spät, aber eben nicht zu spät wagen wir dabei einen Sprung über den Rhein nach Remagen“, erklärte der Vorsitzende Lars Ulrich Schnackenberg auf das Künstlerduo Irene Eigenbrodt und Herbert Höcky in seiner Begrüßung der Gäste hinweisend, darunter auch Stadtbürgermeister Hans Georg Faust.
Schwierige Anfänge
Es sei nicht gerade leicht gewesen, aus dem Nichts einen kulturell ausgerichteten Verein aufzubauen, blickte Schnackenberg zurück. Das habe vor allem in den ersten Jahren große Opfer erfordert. „Hochrangige Laudatoren haben nicht nur auf Gage, sondern auch auf Spesen verzichtet, Künstler habe den Transport ihrer Arbeiten selber finanziert, von ihrem Aufenthalt hier in Linz ganz zu schweigen“, so der ehemalige Professor für Bildhauerei an der Alanus Hochschule. Trotz dieser ungünstigen Startbedingungen habe es der Verein geschafft, sich nach dieser Konsolidierungsphase so zu profilieren, dass selbst renommierte Künstler angefragt hätten, ob sie in Linz ausstellen dürften. „Erst ab diesem Zeitpunkt war es uns möglich, Spesen zu übernehmen und kleine Honorare zu zahlen. Nur durch das unermüdliche Engagement der Vorstandmitglieder waren wir in der Lage, etwas für die Kultur in der Stadt und der Region zu tun“, erklärte Schnackenberg sichtlich bewegt, denn es war nicht nur die letzte Ausstellungseröffnung im Molti-Gebäude, sondern auch seine letzte Begrüßung als Vorsitzender des Vereins.
Räume mit eigenem Charme
„Wir freuen uns natürlich, dass wir in diesen kunstverwöhnten Räumen mit ihrem ganz eigenen Charme unsere neuen Arbeiten zeigen können, bedauern es aber gleichzeitig zutiefst, dass dieses herrliche alte Gebäude abgerissen wird“, so Irene Eigenbrodt Sie hoffe, dass der Linzer Kunstverein ein vergleichbar kunstsinniges wie kommunikatives Haus für seine Ausstellungen finden werde, so die Künstlerin. Völlig heimatlos wird der Verein nicht. „Auch ohne das Molti-Gebäude wird der Kunstverein weiter bestehen“, hatte Norbert Boden bei der Vorstellung des Jahresprogramms bereits im Frühjahr optimistisch erklärt, auch wenn er da noch von einem späteren Abriss des Gebäudes ausgegangen war.
Herbert Höcky ging erst gar nicht auf sein Objekt im Eingangsbereich ein, eine in schlichtem Weiß gehaltene Plastik. „Unsere Arbeiten sind völlig gegensätzlich, wobei nicht nur Farbe und Größe für den Kontrast verantwortlich sind. Irenes schwarze Objekte bestehen aus zufällig Gefundenem, aus entsorgten Alltagsgegenständen. Für die hier gezeigten Objekte ist ein stoffloses Schirmgerippe verantwortlich, an dem wir vorbei gegangen sind und mit dem wir uns wenig später bei strömendem Regen, ohne uns vor diesem mit intakten Modellen schützen zu können, ziemlich blamiert haben“, so Höcky griemelnd. „Als Vertreter der Konkreten Kunst fertige ich dagegen konstruktive, weiße Skulpturen aus Holz in strenger und eindeutiger Formgebung“, so Höcky, auf seine weit in den Raum ausgreifende Installation weisend.
Wer die „Neuen Arbeiten“, von Irene Eigenbrodt und Herbert Höcky im Molti-Gebäude, Asbacher Straße 2, noch sehen will, muss sich beeilen, da die Bagger früher als erwartet anrücken werden. Bis Sonntag, 27 September, hat man dazu noch donnerstags und freitags von 17 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr Gelegenheit.
Zu seiner letzten Ausstellungseröffnung konnte Lars Ulrich Schnackenberg das Künstlerduo Irene Eigenbrodt und Herbert Höcky begrüßen. Foto: DL
