Freiwillige Feuerwehr Mertloch feierte mit zahlreichen Gästen ihr 90-jähriges Bestehen
800 Menschen rockten den „Park“
Feierlichkeit verbunden mit dem 20. Jubiläum der Jugendfeuerwehr
Mertloch. Dass sie in der kleinen Maifeld-Gemeinde zu feiern wissen, ist hinlänglich bekannt. Dass so gut wie immer das Wetter mitspielt, ist auch nichts Neues. Zum Auftakt der Feierlichkeiten des 90-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr, verbunden mit dem 20. Jubiläum der Jugendfeuerwehr, rockten sage und schreibe 800 Besucher am Samstag auf der Festwiese hinter der St.-Gangolf-Kirche beim Gastspiel der Cover-Band „Die Toten Ärzte“ den „Park“. Ortsbürgermeister Stefan Geisbüsch wählte wie schon zuletzt beim traditionellen Bauernmarkt die gleichen Worte: „Der liebe Gott muss ein Mertlocher sein, das ist wieder mal der Beweis.“ „Die Toten Ärzte“, verpflichtet vom Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr, heizten den Gästen bei idealem Sommerwetter mächtig ein. Kein Wunder bei Gassenhauern wie „An Tagen wie diesen“ oder „Altes Fieber“ von den „Toten Hosen“ sowie „Teenagerliebe“ oder „Männer sind Schweine“ der Kult-Band „Die Ärzte“. Nach mehr als 700 Konzerten, unter anderem vor 130.000 Besuchern vor dem Brandenburger Tor in Berlin, feiern die Jungs der Band „Die Toten Ärzte“ in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bühnenjubiläum. In Mertloch ging es zwar eine Nummer kleiner zu als in der deutschen Hauptstadt, aber dennoch ließ die Band auch auf dem eher beschaulichen und landwirtschaftlich geprägten Maifeld mit einer gigantischen, durch Pyrotechnik unterstützten Bühnenshow keine Wünsche offen.
Wahnsinnige Atmosphäre
„Es herrschte eine wahnsinnige Atmosphäre“, schwärmte der Ortsbürgermeister. „Unter den Bäumen hier im Park, das ist allerdings auch die ideale Location für eine solche Veranstaltung.“ Geisbüsch zog es unmittelbar nach Ende des Konzerts nach Hause, doch die letzten Festival-Besucher blieben bis in die frühen Morgenstunden. Am Sonntag waren die Frühaufsteher gefragt, denn schon um 9 Uhr läutete eine Messfeier den zweiten Tag der Feierlichkeiten ein. Dem Frühschoppen ab 11 Uhr schlossen sich die Beförderungen durch Verbandsbürgermeister Maximilian Mumm an, danach zeigte die Bläsergruppe der Klasse 6b der IGS Polch unter der Leitung von Manfred Höger, dass sie schon in jungen Jahren viel von ihrem Fach versteht. Eine größere Verschnaufpause war dem Ortsbürgermeister nicht vergönnt: Er zeichnete Wehrführer Jürgen Breul, den stellvertretenden Wehrführer und Geschäftsführer Bernd Hickmann und Bernd Görres für ihre 25-jährige Dienstzeit in der Freiwilligen Feuerwehr Mertloch mit dem Ehrenteller aus. „Das war schon ein organisatorischer Kraftakt, den die Feuerwehr am Samstagabend erbracht hat“, blickte Hickmann einen Tag danach zurück.
Erwartungen übertroffen
„Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen.“ Vor fünf Jahren beim 85-jährigen Bestehen habe die „Brasilianische Nacht“ für Aufsehen gesorgt, nun, beim dritten Mertlocher Musik-Festival, dem ersten unter der Regie der Feuerwehr, sei alles noch eine Nummer größer gewesen. „Wir können uns auf alle in der Wehr verlassen, dann lässt sich auch eine solche Großveranstaltung stemmen“, so Hickmann, der mit 58 Jahren das zweitälteste Mitglied der Wehr ist. 33 aktive Mitglieder, 200 inaktive Mitglieder, zwölf Jugendfeuerwehrleute, acht Bambini-Feuerwehrkräfte, acht Kameraden in der Altersabteilung und 20 Musiker im Spielmannszug - nicht gerade „eine kleine Hausnummer“ für eine 1600-Einwohner-Gemeinde. Zehn aktive Feuerwehrleute haben die Jugendfeuerwehr durchlaufen, Nachwuchssorgen sind in Mertloch ein Fremdwort. Wehrführer Breul, mit gerade mal 47 Jahren der Drittälteste, brachte es auf den Punkt: „Wir haben den Generationswechsel sicherlich schon hinter uns.“ Und auch auf die Jugendwehr, die bereits ihr 20-jähriges Bestehen feierte, war Verlass: Sie hatte einen Spieleparcours aufgebaut, wo sich nicht nur der Feuerwehrnachwuchs so richtig austoben konnte. Futuristisch mutete schließlich der Auftritt des Gefahrstoffzugs der Polcher Feuerwehr an. Dabei wurde ein Unfall eines Anhängers mit einer brisanten Flüssigkeit und einer verletzten Person simuliert. Martin Wolff, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Maifeld, erläuterte den interessierten Zuschauern den Erstangriff mit Menschenrettung und das anschließende Abbinden der ausgetretenen Flüssigkeit am Mikrofon. Vor allem die jugendlichen Gäste kamen aus dem Staunen kaum mehr heraus. Bei Kaffee und Kuchen klang das Fest schließlich aus. Und der Mertlocher Wehrführer Breul fand Zeit, ein doch eher vorsichtiges Fazit zu ziehen: „Wir haben hier sicherlich schon schlechtere Feste erlebt.“
Manchmal neigt eben auch ein Feuerwehrmann ein wenig zur Untertreibung.
Ortsbürgermeister Stefan Geisbüsch (Zweiter von links) zeichnete (von links) Wehrführer Jürgen Breul, den stellvertretenden Wehrführer Bernd Hickmann und Bernd Görres mit dem Ehrenteller aus. Fotos: SK
Früh übt sich, was ein Feuerwehrmann werden will.
Der Nachwuchs kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Futuristisch mutete die Übung des Gefahrstoffzugs Polch an.
