Vater-Kind-Drachenaktion
87. Vater-Kind-Aktion in Ruitsch mit Drachenbau und Lagerfeuererlebnis
aus Gering
Ruitsch. Was braucht es für ein gelungenes Vater-Kind-Wochenende? Ein Zelt, ein Lagerfeuer, Stockbrot, ein paar Materialien – und in diesem Fall möglichst noch eine ordentliche Portion Wind. Unter dem Motto „Drachen zähmen“ kamen vom 25. bis 27. September 118 Teilnehmer zur 87. Vater-Kind-Aktion an der Ruitscher Mühle zusammen.
47 Erwachsene und 71 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 19 Jahren waren dabei. Und bereits am Freitagabend zeigte sich, worum es bei den Vater-Kind-Aktionen immer wieder geht: gemeinsam Zeit verbringen und Dinge miteinander machen, die im normalen Alltag oftmals zu kurz kommen.
52 Teilnehmer reisten bereits am Freitag an und bauten ihre eigenen Zelte auf. Anschließend wurde gemeinsam der Teig für das Stockbrot vorbereitet und gegrillt. Später versammelten sich die Familien rund um das Lagerfeuer. Stockbrot wurde über den Flammen gebacken, die Gitarre ausgepackt und gemeinsam gesungen. In gemütlicher Runde klang der erste Abend aus.
Vom einfachen Schlittendrachen bis zum Lenkdrachen
Am Samstagmorgen kamen die übrigen Teilnehmer hinzu. Nach einer gemeinsamen Einweisung fiel schließlich der Startschuss für das eigentliche Motto des Wochenendes: Drachen bauen – und anschließend versuchen, sie in die Luft zu bekommen.
Dabei konnten Väter und Kinder zwischen drei unterschiedlichen Modellen wählen.
Der Schlittendrachen bildete den Einstieg. Er ist vergleichsweise einfach zu bauen und besitzt zudem den Vorteil, bereits bei wenig Wind fliegen zu können.
Eine Stufe anspruchsvoller wurde es mit dem klassischen Eddy-Drachen, der gewissermaßen zu den Standardmodellen unter den Drachen gehört.
Die größte Herausforderung stellte schließlich der Lenkdrachen dar. Sein Bau erforderte deutlich mehr Genauigkeit, Geduld und gemeinsames Tüfteln.
Dabei zeigte sich schnell, dass die Kinder keineswegs immer den einfachsten Weg wählen wollten. Einige entschieden sich ganz bewusst für die schwierigeren Modelle. Die Väter gingen auf die Wünsche ihrer Kinder ein, erklärten die einzelnen Arbeitsschritte und unterstützten dort, wo Hilfe notwendig war.
Nach dem Bauen war Kreativität gefragt. Die Kinder bemalten und beklebten ihre Drachen nach eigenen Vorstellungen. So entstanden im Laufe des Tages keine Drachen von der Stange, sondern viele ganz persönliche Einzelstücke.
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Rund 80 bis 90 Drachen wurden an diesem Wochenende gemeinsam von Vätern und Kindern gebaut und gestaltet.
Ein Drache mit sechs Metern Spannweite
Doch ein Drachen sollte alle anderen deutlich überragen.
Gemeinsam mit freiwilligen Teilnehmern machte sich das Organisationsteam daran, einen Deltadrachen mit einer Spannweite von rund sechs Metern zu bauen.
Etwa zwei Stunden wurde konstruiert und gebastelt, bevor der große Moment gekommen war: Der Riese sollte zum ersten Mal abheben.
Doch einen sechs Meter großen Drachen zu bauen ist das eine – ihn zu zähmen offenbar etwas ganz anderes.
Beim ersten Startversuch verdrehte sich die Konstruktion. Beim zweiten Versuch wurde gemeinsam angelaufen und tatsächlich gelang es zunächst, den großen Drachen anzuheben. Dann knickte jedoch eines der Seitenteile ein. Auch der dritte Versuch brachte noch nicht den erhofften Erfolg.
Aufgegeben wird der Großdrachen deshalb aber nicht.
Die Konstruktion befindet sich inzwischen in der Lagerhalle der Vater-Kind-Aktion. Dort sollen die Seitenteile noch einmal verstärkt werden. Anschließend bekommt der große Deltadrachen eine weitere Chance zu zeigen, dass auch er fliegen kann.
Ausgerechnet der Wind machte sich rar
Am Samstagnachmittag kam schließlich der Moment, auf den die Kinder gewartet hatten. Die vielen selbstgebauten Drachen wurden nach draußen gebracht und sollten zeigen, was in ihnen steckt.
Nur einer spielte nicht richtig mit: der Wind.
Über weite Strecken herrschte nur wenig Wind. Gelegentlich kam eine leichte Brise auf und einige der Drachen schafften tatsächlich den Weg nach oben. Bei anderen reichte der Wind dagegen nicht aus.
Der Begeisterung über die selbstgebauten Werke tat dies jedoch keinen Abbruch. Schließlich war an diesem Tag weit mehr entstanden als nur ein Spielzeug.
Väter und Kinder hatten gemeinsam überlegt, gebaut, ausprobiert und gestaltet. Und nicht immer waren sich beide von Anfang an einig, welches Modell es werden sollte. Gerade wenn sich ein Kind für eine schwierigere Variante entschied, hieß es für die Väter: den Wunsch ernst nehmen, erklären, unterstützen und gemeinsam versuchen, das Ziel zu erreichen.
Eine Rückmeldung eines Teilnehmers brachte die Überraschung über das Ergebnis auf den Punkt:
„Ich wusste gar nicht, dass Drachenbau so einfach ist.“
Ein anderer Vater stellte fest, dass er eine solche Aktion zu Hause wahrscheinlich nie mit seinem Kind gemacht hätte. Umso schöner sei es gewesen, es an diesem Wochenende gemeinsam auszuprobieren.
Und ein Satz fasste den Gedanken hinter dem Wochenende besonders treffend zusammen:
„Kaufen kann schließlich jeder.“
Gemeinsam bauen, gemeinsam essen, gemeinsam am Feuer sitzen
Nach den Flugversuchen blieb am Samstagabend ausreichend Zeit, das gemeinsame Wochenende zu genießen. Die Kinder konnten unter anderem die Seilbahn auf dem Gelände nutzen, bevor sich alle wieder zum gemeinsamen Essen trafen.
Danach wurde es erneut gemütlich am Feuer.
Denn auch wenn der Drachenbau das große Thema des Wochenendes war, gehört für die Vater-Kind-Aktion noch etwas anderes dazu: Zeit miteinander zu verbringen, gemeinsam zu essen, im Zelt zu übernachten, am Feuer zu sitzen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Am Sonntag hieß es schließlich Zelte abbauen, gemeinsam das Gelände aufräumen und Abschied nehmen. Gegen 14 Uhr endete die 87. Vater-Kind-Aktion.
Zurück blieben viele Holzstücke, Schnüre und andere Spuren eines arbeitsreichen Wochenendes nicht lange – dafür aber rund 80 bis 90 selbstgebaute Drachen, ein noch nicht vollständig gezähmter sechs Meter großer Deltadrachen und viele gemeinsame Erinnerungen.
Denn einen fertigen Drachen kann man kaufen.
Aber gemeinsam mit dem eigenen Kind einen zu bauen, ihn zu bemalen, mit ihm über die Wiese zu laufen und darauf zu warten, dass der Wind ihn endlich trägt – genau solche Momente sind es, die bleiben.
Die Versuche Foto: Vater-Kind-Aktion e.V.
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Erklärung und Bau eines Drachens Foto: Vater-Kind-Aktion e.V.