SPD Maifeld hatte eingeladen
Bürgerempfang mit hohem Gast
Ministerin Bätzing-Lichtenthäler erläuterte Pflegeprogramm
Münstermaifeld. Mit einem Bürgerempfang nach der kürzlich zu Ende gegangenen Karnevalssession und auch weit von den allseits üblichen Neujahrsempfängen entfernt, beschritt die Maifelder SPD in der vergangenen Woche erstmals neue Wege. Die Initiative dazu geht auf Maximilian Mumm zurück, den im vergangenen Herbst neu gewählten Vorsitzenden des SPD-Gemeindeverbandes oder einfacher der Maifelder SPD. Die Vision des neuen Vorsitzenden für solche künftig regelmäßig jährlich stattfindende Empfänge umfasst auch immer einen attraktiven Gastredner mit einem allgemein interessierenden Thema. Und das ist mit Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler gleich beim ersten Mal vollauf gelungen. Die 40-jährige zweifache Mutter war bis zu ihrer Ernennung zur Staatministerin im November 2014 zwölf Jahre für die SPD im Bundestag, davon eine Legislaturperiode Drogenbeauftragte. An ihrer neuen Aufgabe ist für die klar sprechende und agil wirkende junge Frau besonders der Aspekt interessant, die Zukunft gestalten zu können. Darunter versteht sie vor allem die Digitalisierung und die Demografie. Gerade um dieses Ressort ihres Ministeriums „beneiden uns andere Bundesländer“, ist sich die Ministerin sicher, und um die unter diesem Dach subsumierten Aufgaben wird sie sich 2015 vornehmlich kümmern. Dazu gehören Aufgaben wie die Entwicklung der Arbeit und damit auch die Rente, die ärztliche Versorgung sowie künftiges Wohnen.
Ungewöhnlich pünktlich erschien die rheinland-pfälzische Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie zum vereinbarten Termin und wurde von Maximilian Mumm herzlich im Foyer der Münstermaifelder Stadthalle begrüßt, diesmal nicht als Bürgermeister der Verbandsgemeinde, sondern als Vorsitzender der SPD Maifeld. Nur mit wenigen Worten begrüßte Herr Mumm eingangs die Gäste, darunter auch Stadtbürgermeisterin Claudia Schneider (CDU), gefolgt von einem Grußwort des Fraktionsvorsitzenden der SPD-Verbandsgemeinderatsfraktion Dr. Dieter Puschke.
Schon mit wenigen Sätzen war die jetzt seit rund 110 Tagen im Amt befindliche bundesweit einzige Demografieministerin mitten im Thema. Den sperrigen Begriff des demografischen Wandels verwandelte die Ministerin in die treffende und griffigere Aussage: „Wir werden weniger, älter und bunter“. Die Politik müsse dazu die Rahmenbedingungen gestalten. Älter werden bedeute dabei zwangsläufig mehr Pflege und ärztliche Versorgung. Die ist zwar den Worten der Ministerin zufolge in unserem Bundesland noch sehr gut und es gibt keinen unterversorgten Bereich. Besorgniserregend ist jedoch der Altersdurchschnitt der Hausärzte und darauf muss die Politik reagieren.
Mehr Interesse für die Allgemeinmedizin wecken
Die Ministerin will mehr Studenten für die Allgemeinmedizin interessieren und dazu an der Auflösung der Zulassungsbeschränkung des Numerus clausus arbeiten. „Wir können uns diesen Ausschluss vom Medizinstudium künftig nicht mehr leisten“, befand Frau Bätzing-Lichtenthäler und will auch das Image der Hausärzte verbessern. „Da sind auch die Kassen für mich in der Pflicht“, so ihre deutliche Feststellung. Weil aktuell mehr Ärztinnen von der Universität kommen, müsse dringend auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden, wozu medizinische Versorgungszentren eine große Chance böten, deren Träger auch Kommunen sein können. Auch der Ausbau der Telemedizin sei durchaus eine Option. Dabei brauchen die Patienten aber keineswegs Angst davor haben, die eigene Gesundheit ihrem Computer anzuvertrauen. Digital erfasste Daten werden an einen Arzt übertragen, der zeitsparend erst eingreifen muss, wenn größere Abweichungen zu erkennen sind. Finanziell angereizte Förderprogramme, die Stiftung „Perspektive Hausärzte“ und viele weitere Möglichkeiten müssen ergriffen werden. Aktuell werden landesweit zehn Zukunftswerkstätten zum Thema Gesundheit und Pflege eingerichtet, eine davon auch auf dem Maifeld. Darin sollen Ideen und Konzepte entwickelt werden, die auf die jeweiligen Kommunen zugeschnitten sind. „Es gibt keine Blaupause für deren Arbeit“ so die Ministerin „und erarbeitete Teile könnten von anderen übernommen werden.“
In einem weiteren Aspekt betrachtete die Ministerin das Thema Wohnen. Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben. Auch dazu muss die Politik Angebote schaffen. Barrierefreiheit und neue Wohnoptionen sind hier die Stichworte, die Seniorenheim und betreutes Wohnen möglichst ersetzen sollen. Aktuell werden solche Konzepte im Projekt WohnPunktRLP entwickelt, das ähnlich wie die Zukunftswerkstätten, aber in fünfzehn Kommunen arbeiten wird.
Nach ihrem Vortrag hatte die Ministerin noch ein wenig Zeit, um sich im persönlichen Gespräch mit den zahlreichen politischen Multiplikatoren vor Ort auszutau-schen.
Verantwortliche und Gäste der Maifelder SPD verabschieden die Ministerin (mit Blumen) nach einem eindringlichen Vortrag.
