Allgemeine Berichte | 06.11.2015

Survival-Experte und Menschenrechts-Aktivist Rüdiger Nehberg zu Gast beim Wirtschaftsforum Andernach

Ein Leben voll von „Überleben“

Dieses Banner in Mekka aufhängen zu können, davon träumt Rüdiger Nehberg.

Andernach. „Es ist ein kleines Wunder, dass ausgerechnet Nehberg, den Viele für einen großen Träumer halten, etwas geschafft hat, woran selbst UN, EU und alle großen Hilfsorganisationen der Welt gescheitert sind,“ schrieb einmal die Süddeutsche Zeitung. Diesen erstaunlichen und vermeintlich großen „Träumer“ konnten jetzt die Kreissparkasse Mayen (KSK) und Andernach.net für ihr „Wirtschaftsforum Andernach“ gewinnen. KSK-Vorstand Christoph Weitzel begrüßte kürzlich in Andernachs Mittelrheinhalle den weltweit bekannten Abenteurer, Survival-Experten und Menschenrechts-Aktivisten Rüdiger Nehberg, der dann sein Publikum mit einem lebendigen und mit einer Prise Selbstironie gewürzten Lebensbericht in den Bann zog.

„Habe so viel erlebt, dass es für drei Leben ausreichen würde.“

Kurzweilig und temperamentvoll berichtete der rüstige Senior aus seiner außergewöhnlichen Vita. Unterstützt von einer Foto-Projektion zeigte der, 1935 in Bielefeld geborene und heute in Schleswig-Holstein lebende, Rüdiger Nehberg, alias „Sir Vival“, eindrucksvoll auf, wie er Ängste vor Visionen verlor und letztlich Strategien sowie veränderte Blickwinkel gewann. Nehbergs Markenzeichen war dabei immer sein unkonventionelles Denken und Handeln. Widerstände nutze er als Impuls für die eigene Kreativität. Nur so konnte für ihn, aber auch für die Menschen, denen sein herausragendes Engagement galt, scheinbar Unmögliches zur Wirklichkeit gelangen. Schon von Kindesbeinen an wurde der Pragmatiker, Visionär, Erzähler und Autor zahlreicher Bücher von einer ausgeprägten Abenteuerlust angetrieben. Ein Leben mit Risiko sollte immer seine Leidenschaft bleiben. „Natürlich gehört zum Überleben manchmal auch Glück dazu“, pflichtete er in seiner freien Rede bei. Berufliche Experimente, kurzfristig als angehender „Bänker“ und erfolgreiche 25 Jahre als selbstständiger Konditor, beendete er, um sich in der Natur der großen weiten Welt den mit ihr verbundenen Gefahren auszusetzen und sich als Aktivist für die Rechte von Menschen vielbeachtet stark zu machen.

Über Grenzerfahrungen, wie zum Beispiel bei Atlantiküberquerungen auf einem Baumstamm, gelangte der „Survival-Papst“ letztlich zu seiner Selbstkontrolle, Disziplin und Flexibilität. In seinem aufregenden Leben befand er sich, so bekundete Nehberg, im Einklang mit der Sichtweise Albert Einsteins, der einmal sagte „Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie.“

Lebenswerke - gesehen, gehandelt, dran geblieben

Anfänglich war es wohl reine Abenteuerlust, aus der Nehberg entbehrungsreiche Expeditionen unternahm. Später nutzte er seine Survival-Touren, um auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen. Dem starken Willen, „Absurdes“ zu erreichen, der Durchsetzungskraft sowie zahlreichen spektakulären Aktionen des zweifachen Bundesverdienstkreuz-Trägers verdanken zum Beispiel heute die Yanomami-Indianer in Südamerika maßgeblich ihr geschütztes Reservat. Rüdiger Nehberg gelang es, die internationale Lobby auf die Bedrohung der Indianer durch Goldsucher aufmerksam zu machen. Mit der von „Sir Vival“ im September 2000 gegründeten Menschenrechtsorganisation TARGET und auf Grund seines intensiven und hartnäckigen Austauschs mit Islam-Gelehrten, konnte der Aktivist darüber hinaus gute Erfolge im Kampf gegen die in 35 Ländern religions-traditionelle Verstümmelung weiblicher Geschlechtsorgane erzielen. „Das ist jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, weiß Rüdiger Nehberg, der auch noch mit seinen 80 Jahren eine Vision hat: Am zentralen Wallfahrtsort des Islam in Mekka ein Riesenbanner zu spannen, das in mehreren Sprachen die Aufschrift trägt: „Weibliche Genitalverstümmelung ist mit dem Koran und der Ethik des Islam unvereinbar. Sie ist Gottesanmaßung und Diskriminierung des Islam.“

Lang anhaltender, kräftiger Beifall der rund 400 Gäste und Worte des Dankes von Oberbürgermeister Achim Hütten für einen Mann mit Herz, Verstand und Mut, der es auf seiner Internetseite (http://www.ruediger-nehberg.de) auf den Punkt bringt: „Irgendwie bin ich ein Glückspilz. Weil ich noch immer lebe. Nicht nur, weil ich das Glück hatte, mittlerweile 22 bewaffnete Überfälle überlebt zu haben. Sondern vor allem, weil ich als Ex-Bäcker laut Statistik der Lebensversicherer mit 68 meinen Teigschaber längst hätte aus der Hand legen müssen. Und weil ich so viel erlebt habe, dass es für drei Leben ausreichen würde.“

Dieses Banner in Mekka aufhängen zu können, davon träumt Rüdiger Nehberg.
Die Veranstalter und ihr Gast: Oberbürgermeister Achim Hütten, Jochen Siewert, Karl-Josef Esch (KSK Mayen), Rüdiger Nehberg, Christoph Weitzel (KSK Mayen), Christian Heller (Andernach.net) und Bürgermeister Claus Peitz. Landrat Dr. Alexander Saftig traf erst später ein. MKA

Die Veranstalter und ihr Gast: Oberbürgermeister Achim Hütten, Jochen Siewert, Karl-Josef Esch (KSK Mayen), Rüdiger Nehberg, Christoph Weitzel (KSK Mayen), Christian Heller (Andernach.net) und Bürgermeister Claus Peitz. Landrat Dr. Alexander Saftig traf erst später ein. Fotos: MKA

Rüdiger Nehberg, alias „Sir Vival“.

Rüdiger Nehberg, alias „Sir Vival“.

Unter der Schirmherrschaft des ägyptischen Großmuftis durfte die von Nehberg gegründete Menschenrechtsorganisation TARGET im Jahr 2006 in Kairo eine Internationale Islam-Gelehrten-Konferenz gegen weibliche Genitalverstümmelung einberufen. Dort wurde der 5000-jährige religiöse Brauch offiziell geächtet.

Unter der Schirmherrschaft des ägyptischen Großmuftis durfte die von Nehberg gegründete Menschenrechtsorganisation TARGET im Jahr 2006 in Kairo eine Internationale Islam-Gelehrten-Konferenz gegen weibliche Genitalverstümmelung einberufen. Dort wurde der 5000-jährige religiöse Brauch offiziell geächtet.

Dieses Banner in Mekka aufhängen zu können, davon träumt Rüdiger Nehberg.

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