Dr. Alexander Saftig lobte das Geburtstagskind, die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Münstermaifeld, in den höchsten Tönen
„Karneval ist ein Kulturgut“
Münstermaifeld. In seiner Begrüßungsrede zum 175-jährigen Bestehen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Münstermaifeld ging Präsident Dietmar Schäfer auch auf die bewegende Geschichte des Vereins ein. Möglicherweise wurde schon vor 1840 in Münstermaifeld Karneval gefeiert. In einer Jubiläumszeitung sei 1981 zu lesen gewesen, dass seit 170 Jahren dem bunten Treiben nachgegangen worden sei. „Demnach“, so Schäfer, „war der Karneval schon 1811 in Meenster off de Hieh beheimatet.“ Bis zur Gründung der KG Rot-Weiß sollte es allerdings noch 29 Jahre dauern.
Heutzutage verfügt die KG über eine Kinder-, Jugend- und Hauptgarde, über die „Meensterer Tanzmädcha“, über ein Tanzmariechen und über die Tanzgruppe „Meensterer Angels“. Der Zuspruch bei der Kindergarde ist momentan so groß, dass neben den knapp 30 jungen „Damen und Herren“ noch etwa 20 auf der Warteliste stehen. „Von daher muss sich der Verein keine Gedanken über die Zukunft machen“, zeigte sich der Präsident stolz und zufrieden. „Der ein oder andere bleibt uns nach seiner Jugendzeit mit Sicherheit erhalten.“
Sämtliche Kostüme stammen vom Haus- und Hofschneider Günter Pinger, der seit nunmehr 50 Jahren die Uniformen näht. Ein besonderes Lob hatte Schäfer für seinen Vor-Vorgänger Rudi Schlegel parat. Der Kreiswackesträger 2005 leitete 22 Jahre die Geschicke der KG und ist trotz seiner 85 Jahre mit Leib und Seele dabei und ein großer Bestandteil des Vereins. „Ich weiß“, resümierte Schäfer, „dass es ihm eine Herzensangelegenheit ist, dass der Verein noch lange bestehen wird. Und wir sind gewillt, ihm diesen Wunsch zu erfüllen.“ In seine Dankesworte schloss Schäfer auch seinen Vorgänger Günter Hemgesberg, der dem Verein elf Jahre lang vorstand, und aus aktuellem Anlass Schriftführer Jürgen Scherer mit ein: Der war am vergangenen Mittwoch auf eigene Kosten nach Regensburg gefahren, um am Freitag die neue Standarte höchstpersönlich und unversehrt sowie pünktlich zur Segnung aufs Maifeld zu bringen. Idealismus pur, genau wie bei Toni Höfler, der den Jubiläumsorden entworfen hatte.
Karneval verbindet die Menschen
Der Landrat durfte beim Jubiläum natürlich auch nicht fehlen. „Wenn die Karnevalsgesellschaft Münstermaifeld etwas in die Hand nimmt, steckt System dahinter“, verdeutlichte Dr. Alexander Saftig. „Und das kam in der Vergangenheit nicht nur Münstermaifeld zu Gute. Die KG identifiziert sich ebenso mit dem Landkreis Mayen-Koblenz.“ Dies habe sie beim Tag der Generationen für Menschen mit und ohne Handicap eindrucksvoll bewiesen: „Überall wird über Inklusion gesprochen. Wer nicht weiß, was es ist, der sollte nach Münstermaifeld kommen.“ Anschließend ging der Landrat auch noch auf die spezielle Bedeutung des Karnevals ein: „Karneval verbindet die Menschen. Er zeigt, gerade auch in schwierigen Zeiten, wie eng Freud und Leid zusammenliegen. Unser Karneval bringt die Menschen näher zusammen, er lässt uns die Sorgen des Alltags vergessen.“ Dieser besonders symbolische Geist des Miteinanders erlaube keine Unterschiede zwischen den einzelnen Feiernden. „Karneval ist mehr als nur ein schnelles, zeitlich begrenztes Vergnügen. Karneval ist ein Kulturgut. Und dieses Kulturgut pflegen viele engagierte Münstermaifelder Bürger seit 175 Jahren.“ Die Kindertanzgruppe der KG Rot-Weiß, Büttenrednerin Silvia Schneider (Et Schrapnellche) und zum krönenden Abschluss die „Meensterer Tanzmädcha“ zeigten anschließend, mit wie viel Herzblut alle bei der Sache sind. Verbandsbürgermeister Maximilian Mumm, der in Köln geboren wurde, die ersten 18 Jahre seines Lebens in dieser Metropole verbracht hatte und nach eigener Aussage selbst zwei- oder dreimal in der Bütt stand, wusste somit genau, wovon er redet: „Ein Präsident muss sicherlich auch oft Prügel einstecken, aber Vereine funktionieren nur, wenn sie oben funktionieren. Und das ist bei Dietmar Schäfer und seinem Team der Fall. Im Vergleich zu Mumm und im Vergleich zu RKK-Präsident Hans Mayer betrat Stadtbürgermeisterin Claudia Schneider „karnevalistisch gesehen Neuland“ und musste „vor 20 Jahren erst noch angelernt“ werden. Da von November bis Februar oder März ihr Vorzimmer, in dem Präsident Schäfer residiert, sowieso zur Karnevalshochburg wird, dürfte sie dieses Tohuwabohu in den nächsten Jahren nur schwerlich vermeiden können.
Ein Urgestein in der Bütt: Silvia Schneider (Et Schrapnellche).
Karnevalisten (mehr oder weniger) unter sich (v.li.): RKK-Präsident Hans Mayer, Stadtbürgermeisterin Claudia Schneider, KG-Präsident Dietmar Schäfer und Verbandsbürgermeister Maximilian Mumm. Fotos: SK
Präsident Dietmar Schäfer stellt die Mitglieder der Kindertanzgruppe nach einem Udo-Jürgens-Medley persönlich vor.
Landrat Dr. Alexander Saftig dankt Rudi Schlegel, Kreiswackesträger 2005, für dessen Verdienste um den Verein.
