Allgemeine Berichte | 14.04.2015

Zukunftsprogramm „Gesundheit und Pflege 2020“ in der Verbandsgemeinde Maifeld

Maifelder Zukunftswerkstatt

Wie die hausärztliche Versorgung in der Zukunft sichergestellt werden soll

In dieser historischen Werkstatt hätten viele heutige Zahnprobleme nicht gelöst werden können. Gellinger / pixabay

Polch. Der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft sind inzwischen in aller Munde. Zunehmende Einschränkungen der Mobilität und speziell die ärztliche Versorgung treffen vor allem die immer älter werdenden Menschen. Besonders im ländlichen Raum bereitet der Wunsch vieler alternder Menschen Schwierigkeiten, möglichst lange in der gewohnten Umgebung selbstbestimmt leben zu wollen. Um diesem berechtigten Wunsch nachzukommen, hat die rheinland-pfälzische Landesregierung das Zukunftsprogramm „Gesundheit und Pflege 2020“ initiiert. Es baut auf die vielfältig gemachten positiven Erfahrungen und kombiniert diese mit innovativen Konzepten. Eines davon ist die Zukunftswerkstatt Gesundheit und Pflege. Sie soll besonders ländliche Kommunen dabei unterstützen, die hausärztliche Versorgung sicherzustellen. Die ist zwar im Allgemeinen in Rheinland-Pfalz noch recht gut, aber vor dem Hintergrund des derzeitigen Durchschnittsalters von 59 Jahren der auf dem Maifeld dislozierten Praxisinhaber für Allgemeinmedizin eine Herausforderung.

Von dieser Art Zukunftswerkstätten, die ab sofort bis Mitte 2016 arbeiten sollen, sind im Land zehn Stück eingerichtet worden. Die Durchführung und Organisation wird vom Gesundheitsministerium bezahlt. Eine Jury hat die Standorte aus über 30 Bewerbungen ausgewählt und um eine möglichst breite landesweite Verteilung zu erreichen, wurden vielfach benachbarte Kommunen gemeinsam bedacht. Das Maifeld wird seine Werkstatt zusammen mit der Verbandsgemeinde Kaisersesch betreiben als einziger kreisübergreifender Verbund, weil Patientenströme nicht an Kreisgrenzen enden. „Ich bin froh und dankbar, dass wir genommen wurden“, erklärte Bürgermeister Mumm, der alles für die Bewerbung nötige selbst zusammengeschrieben hatte.

Alle an einem Tisch

Was aber ist nun eine Zukunftswerkstatt? Welche Leute sitzen da, mit welchen Arbeitsgeräten in welchen Räumlichkeiten und werkeln an der Zukunft der hausärztlichen Versorgung? So ist es nicht. Da werden nicht einige wenige Fachleute gesucht und in einen Raum gesperrt, um so lange an die Decke zu starren oder miteinander zu diskutieren, bis ihnen neue zündende Ideen kommen. Als Zukunftswerkstatt wird eine Methode bezeichnet, bei der komplexe Problemstellungen zu bearbeiten sind, um sie eben für die Zukunft zu verbessern. Vereinfacht gesagt werden dabei alle Beteiligten an einen großen runden Tisch gesetzt, auf den jeder seine eigenen Probleme legen darf. Ein Moderator arbeitet dann mit allen Teilnehmern gemeinsam die einzelnen Probleme ab, beendet Scheuklappendenken und führt zielgerichtet eine Lösung, mindestens aber eine Verbesserung herbei. Ist der Moderator gut und verliert niemals die Zielsetzung aus den Augen, sind am Ende des verbesserten Prozesses alle zufrieden.

Auf die Moderatoren kommt es an

Derzeit hat die Verbandsgemeinde Maifeld bereits eine Bestandsaufnahme der ärztlichen Versorgung auf dem Maifeld durchgeführt. Jetzt soll mit den zwei moderierenden Beratungsinstituten und der Verbandsgemeinde Kaisersesch die nächsten Schritte geplant werden. In erster Linie wird es dabei um die Ausgestaltung eines ersten Workshops gehen, der für Juni terminiert ist und auf dem alle Akteure zusammengeführt werden sollen, um die Problemlage zu erörtern.

Der Teilnehmerkreis sollte dabei nicht zu weit gefasst werden. Aber beispielsweise die für die Bedarfsplanung, Nachbesetzung und Zulassung von Hausärzten verantwortliche kassenärztliche Vereinigung, die Sozialverbände, der für Verkehr zuständige Landkreis und nicht zuletzt die Ärzte selbst sollten schon dazugehören. Als Moderatoren hat das Gesundheitsministerium das Institut für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt und die Firma Quaestio Forschung & Beratung aus Bonn betraut. Diese beiden kennen sich sehr gut in der gesamten Materie aus und können daher als Moderatoren mehr leisten als nur „demjenigen das Wort zu erteilen, der als Erster den Arm gehoben hat“.

Nach diesem Workshop wird es eine Impulstagung geben. Auch das ist ungewöhnlich. Üblicherweise wird eine solche Tagung oder ein Impulsvortrag als „kick off“ verwendet, um einem Projekt einen guten Start zu verschaffen. In einem zweiten Workshop wird dann die eigentliche Zukunftswerkstatt ablaufen, die die vor Ort lösbaren Probleme, aber eben nur diese ausregelt. Es werden genügend Störfaktoren übrig bleiben, die nur von Berlin aus, sprich von der Bundesregierung gelöst werden müssen.

In dieser historischen Werkstatt hätten viele heutige Zahnprobleme nicht gelöst werden können. Foto: Gellinger / pixabay

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