Politik | 26.05.2015

Offener Brief an GEW und VKA

In einem Offenen Brief wandte sich der Bürgermeister der VG-Maifeld, Maximilian Mumm, vergangene Woche an den Geschäftsführer GEW Rheinland-Pfalz, Herrn Peter Blase-Geiger, und an den stellv. Geschäftsführer der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA), Herrn Dirk Reidelbach

Sehr geehrter Herr Blase-Geiger, sehr geehrter Herr Reidelbach,

nahezu täglich erreichen mich, wie vermutlich andere Bürgermeisterkollegen auch, Brandbriefe von Eltern, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Kinder betreuen sollen, um ihrer Arbeit wieder nachgehen zu können, vornehmlich Frauen.

Es geht mir in meinem offenen Brief darum, dass sowohl die GEW und der VKA umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehren und die Streikmaßnahme sofort beendet wird. Es geht nicht darum, wer welche Verantwortung trägt, sondern es geht um einen Schaden, der möglicherweise nachhaltig sein wird. In den vergangenen Jahren wurde die Betreuung der Kinder immer weiter ausgebaut und auch pädagogisch auf ein sehr hohes Niveau gesetzt. Da meine Frau und ich selbst seit 1996 bis heute unsere Kinder in eine Kindertagesstätte bringen, weiß ich, wovon ich rede. Dieser Betreuungsausbau fördert nicht nur die Kinder in einem sehr hohen Maße, er trägt auch dazu bei, dass der Beruf der Erzieherin ein anderes Ansehen verdient und auch erhält. Daher ist eine angemessene Bezahlung absolut notwendig. Viel wichtiger ist aber der Umstand, dass es dadurch einer Vielzahl von Frauen und Müttern ermöglicht wird, in einen Beruf einzusteigen oder wieder einzusteigen. Wir wissen alle, dass es heutzutage bei vielen Familien auf ein zweites Einkommen ankommt. Umso mehr verlassen sich diese Familien auf eine durchgehende Betreuung, weil damit eine ganze Familie organisiert werden muss. Dies unterscheidet sie auch von den Bahnkunden, die durchaus alternative Möglichkeiten haben, wenn diese auch umständlich sind. Diese Alternativen haben Familien nicht. Mich erreichen nahezu täglich Briefe und Mails von Müttern und Vätern, die derzeit ihren Jahresurlaub dafür opfern, dass sie sich um ihre Kinder kümmern können. Sie opfern ihn aber auch dafür, dass Ihre beiden Organisationen eine Bereitschaft vermissen lässt, die eine Gesellschaft gemeinhin Solidarität nennt. Solidarität mit den Familien, den Erzieherinnen und vor allem mit den Kindern, die die eigentlichen Leidtragenden in diesem Prozess sind. In der Tagesstätte, in die meine Kinder gehen, werden durch die Streikmaßnahme möglicherweise geplante Fahrten der Schulneulinge und andere diesbezügliche Projekte nicht mehr stattfinden können. Diese Phase des Übergangs von der Tagesstätte in die Schule ist seit Generationen eine wichtige Tradition für die Kinder. Wir reden aber auch von Eingewöhnungsphasen von Kleinstkindern, die naturgemäß eine große Zuwendung bei der Abnabelung von den Eltern brauchen.

Ich weiß von den Erzieherinnen aus unserer Kindertagesstätte, dass es ihnen nahegeht, ihrer Arbeit nicht mehr nachzugehen, aber sie momentan keine andere Alternative sehen.

Man könnte diese Argumentation weiter fortsetzen. Dieser Streik, der kommende Woche in die 3. Woche geht, ist vollkommen unangemessen, ist aber auch alleine das Ergebnis Ihrer beiden Institutionen. Anders als bei den Bahnstreikenden wird hier tief in die Grundlage unserer Gesellschaft eingegriffen - in die Familien. Es ist Ihre Verantwortung, sich dessen bewusst zu sein. Und vielmehr ist es Ihre Verantwortung, sich in Betrachtung dieses Umstandes gemeinsam an einen Tisch zu setzen und ohne Arbeitsmaßnahmen zu einem Ergebnis zu kommen. Und das nicht erst am 28.05.2015, sondern umgehend. Dazu fordere ich Sie unmissverständlich auf und weiß mich auch einig mit ehrenamtlichen Orts-/ und Stadtbürgermeistern der Verbandsgemeinde Maifeld.

Mit freundlichen Grüßen

Maximilian Mumm,

Bürgermeister

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