Allgemeine Berichte | 10.02.2015

Claudia Schneider ist die neue Münstermaifelder Stadtbürgermeisterin

Positive Bilanz nach acht Monaten

Das Rathaus in unmittelbarer Nähe der Stiftskirche ist schon fast zu ihrem zweiten Zuhause geworden.

Münstermaifeld. Wer die RTL-Quizshow „Wer wird Millionär?“ mit Günther Jauch verfolgt, kennt die Aussage der Kandidaten zu Genüge: „Es ist immer etwas anderes, ob du zu Hause im Sessel vor dem Fernsehen oder hier auf dem heißen Stuhl vor Publikum sitzt.“ So ähnlich fühlt sich auch Claudia Schneider, seit etwa acht Monaten Stadtbürgermeisterin von Münstermaifeld. Die 50-jährige CDU-Politikerin hat die Nachfolge von Robert Müller (2009 bis 2014, Pro Münstermaifeld) und von Maximilian Mumm (1999 bis 2009, SPD) angetreten. Es ist also ein breites politisches Spek-trum, das da in der 3500-Einwohner-Stadt abgedeckt wird. „Auf jeden Fall bin ich die erste Bürgermeisterin in Münstermaifeld seit gefühlten 100 Jahren“, räumt Schneider ein, „obwohl ich die Chronik noch nicht durchgeblättert habe.“

Es sei allerdings schon ein riesengroßer Unterschied, als verantwortliche Stadtbürgermeisterin im Rathaus Entscheidungen zu treffen oder „nur“ einfache Beigeordnete zu sein und Beschlüsse durchzuwinken. „Wer wird Millionär?“ lässt grüßen.

An den Mai und den Juni des vergangenen Jahres erinnert sich die neue Stadtchefin noch gut. Nach den Kommunalwahlen am 25. Mai kam es am 8. Juni in Münstermaifeld zur Stichwahl, die mit einem Erdrutschsieg endete. Mit fast 75 zu 25 Prozent setzte sich Schneider gegen Amtsinhaber Müller durch. „Als ich nachmittags an der Mosel unterwegs war, habe ich über 55 oder 56 Prozent nachgedacht“, gesteht die neue Stadtbürgermeisterin rückblickend. „Ich hatte ja nichts Ursprüngliches, was ich einzubringen hatte. Und in meinem Alter musste ich auch nicht mehr unbedingt zwei weitere Wochen an den Straßenlaternen hängen. Mit übergroßem Ehrgeiz bin ich persönlich die Sache nicht angegangen, aber die hohe Erwartungshaltung hat mich schon belastet.“ Nun müsse sie den Hut ziehen vor den Menschen, die „mir das Vertrauen entgegengebracht haben.“

Was die eloquente Frau mit „nichts Ursprüngliches“ meint, wird beim Blick auf ihren Lebenslauf, der einer wahren Odyssee gleicht, sofort klar. Geboren wurde sie am 22. Oktober 1964 in Flensburg. Ihren Vater, der in der Forschungsabteilung für Kläranlagen-Pumpen arbeitete, zog es anschließend über Hamburg, Roxheim und Nürnberg nach Postbauer-Heng bei Neumarkt in der Oberpfalz, wo Vater Klaus (83) und Mutter Edith (79) auch heute noch leben. Und dort kam Töchterchen Claudia zum ersten Mal einigermaßen mit der Politik in Berührung. „Was lag in der Oberpfalz näher“, schwelgt sie in Erinnerungen, „als zu Zeiten eines Franz Josef Strauß mit einem Junge-Union-Aufkleber auf dem Mofa durch die Gegend zu fahren?“

Nächster Lebensmittelpunkt für die gelernte Zahnarzthelferin war Köln, wo ihr Mann studierte. Über den Umweg Vallendar kam sie schließlich 1996 nach Münstermaifeld. „Es war zwar ein Zufallsprodukt, aber im Nachhinein hatte ich das große Los gezogen“, verdeutlicht die alleinerziehende Mutter der drei Kinder Nikolai (20), Natascha (17) und Kilian (13), die mittlerweile im Stadtteil Lasserg ihre Zelte aufgeschlagen hat und sesshaft geworden ist. „Ich bin sicher nicht der kühle Fischkopf, sondern sehr kommunikativ“, versucht sie sich zu charakterisieren. „Es handelt sich ja zumeist nur um plakative Aussagen. Ich habe Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Franken, Nordrhein-Westfalen und jetzt Rheinland-Pfalz kennengelernt und von allem etwas abbekommen“, gibt sie zu Protokoll - in bestem Fränkisch, um ihre Aussage zu untermauern.

Die 50-Jährige ist als Sachbearbeiterin in der Buchhaltung bei den Verkehrsbetrieben Rhein-Eifel-Mosel (VREM) in Teilzeit angestellt. Für 30 Stunden in der Woche, an zwei Tagen geht es nach Polch, die restlichen drei Tage der Woche führt ihr Weg nach Neuwied. „20 bis 25 Stunden verbringe ich im Münstermaifelder Rathaus“, am Dienstag- und am Donnerstagmorgen können die Menschen ihre Sorgen bei ihrer Stadtbürgermeisterin los werden. „Meine Hauptaufgabe ist Mutter“, gesteht Schneider. Und wenn noch Zeit ist für ein Hobby, liest sie gern ein gutes Buch, zeichnet und töpfert. „Das sind kleine Leidenschaften von mir. Vor allem aber tausche ich mich gern mit anderen Menschen aus, Kommunikation ist in meinem Job ja nicht das Schlechteste. Hunde und Menschen sind nun mal die besten Katalysatoren, um Leute kennenzulernen.“

Erfahrungen gesammelt

Politisch fühlt sie sich als Spätberufene, meint Schneider, die als Mitglied des Kulturvereins Münstermaifeld damals von Dieter Müller erstmals gefragt worden war, ob sie nicht politisch aktiv werden möchte. So führte ihr Weg in die CDU, 1999 stand sie erstmals auf der Liste (wurde aber nicht gewählt), von 2004 bis 2009 (davon zweieinhalb Jahre als Fraktionsvorsitzende) gehörte sie ebenso dem Stadtrat an wie von 2009 bis 2014. In diesem Zeitraum sammelte sie wertvolle Erfahrungen als Erste Beigeordnete. „Politisch bin ich sicherlich kein Hardliner“, beschreibt sich die 50-Jährige, „von daher sehe ich es auch als Herzenswunsch an, dass wir nicht parteipolitisch denken. Alle Gruppierungen sind in den Ausschüssen vertreten, ich will Brücken bauen, keine vorherigen Absprachen und alle mit ins Boot nehmen.“

Dass alle mit im Boot sind und bei den ersten drei Stadtratssitzungen alle Entscheidungen „zum Großteil“ mitgetragen wurden, ist auch dem Ältestenrat zu verdanken, dem der Erste Beigeordnete Bernd Halfen (CDU), der Zweite Beigeordnete Walter Meurer (Pro Münstermaifeld) und der Dritte Beigeordnete Sven Koch (SPD) sowie die vier Fraktionsvorsitzenden angehören. „Diese freien Treffen dienen dem Erfahrungsaustausch und sollen die nötige Transparenz schaffen“, so die Stadtbürgermeisterin. Kein Wunder, dass ihre persönliche Bilanz nach acht Monaten positiv ausfällt: „Das Spannende an meinem Amt ist die ungeheure Vielfalt. Beim Bedienen dieser Vielfalt stoße ich manchmal an meine Grenzen, weil ich allen Dingen in hohem Maß gerecht werden will. Ich bin mir aber der Unterstützung aller sicher.“ Und vielleicht hat ja nicht nur Schneider mit Münstermaifeld nach eigener Aussage „das große Los“ gezogen, sondern auch umgekehrt.

Das Rathaus in unmittelbarer Nähe der Stiftskirche ist schon fast zu ihrem zweiten Zuhause geworden.
Münstermaifeld ist eine Stadt mit einer spannenden Geschichte – und hat nun erstmals ein weibliches Stadtoberhaupt. SK

Münstermaifeld ist eine Stadt mit einer spannenden Geschichte – und hat nun erstmals ein weibliches Stadtoberhaupt. Fotos: SK

Das Rathaus in unmittelbarer Nähe der Stiftskirche ist schon fast zu ihrem zweiten Zuhause geworden.

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