Ochtendunger Nic Böttcher bei der „Haute Route Alps 2014“
Tour de France – Feeling
Ochtendung. Vom 23. - 30. August fand die „Haute Route Alps 2014“ von Genf nach Nizza quer durch die französischen Alpen statt. Das höchste und schwerste Radrennen der Welt beinhaltete einen Zeitfahrprolog in Genf mit folgenden sieben Bergetappen über 911 km bis zur Côte d´Azur. Der 25-jährige, international erfahrene Triathlet Nic Böttcher aus Ochtendung und Student der Biomedizintechnik in Aachen stellte sich als Starter des DLC Aachen für Deutschland den überaus hohen Anforderungen. Gestählt durch seine Wettkampferfahrungen auf allen Triathlondistanzen und erfolgreicher Finisher auf den Ironmanstrecken galt es, neue Erfahrungen und Wettkampfhärte sowie die Leidenschaft eines profiartigen Etappenrennens zu erleben. Ein tolles familiäres Betreuerteam stand ihm zur Seite. So eigenartig es klingen mag, am Berg zu leiden, das ist die große Freude der Teilnehmer aus 45 Nationen aus allen Teilen der Welt. Hoch konzentriert stellten sich 445 Starter/innen der Aufgabe, 19 der schwierigsten Anstiege und Abfahrten mit einem Totalanstieg von 21 000 m und einem totalen Gefälle von 16 700 m bis hin zur längsten Etappe von 188 km in Angriff zu nehmen. Nur einige legendäre Tour de France – Berge riefen schon von vornherein Hochachtung hervor, wie z.B. Col de la Croix Fry, Chourchevel, Col de Madeleine, Col du Glandon, Alpe d´Huez oder Mont Ventoux. Andere Anstiege machten es den Rennfahrern auch nicht leichter. Schon beim Prolog - Zeitfahren in Genf konnte Nic beweisen, dass er mit einer sehr guten Platzierung im ersten Drittel der Gesamtwertung gut vorbereitet an den Start ging. Besonders die erste Etappe Genf – Megeve ließ erahnen, was in der Folge auf die Fahrer zukommt. Der Col de Colombiere war der erste Prüfstein. Gut eingestellt, doch mit dem nötigen Respekt ging er die nächste Etappe nach Courchevel an. Wieder drei enorme Berganstiege und rasante Abfahrten führten zum Ziel. Bisher begleitete die Fahrer schönes sonniges Wetter. Nun folgte der gefürchtete „Marathontag“ von Courchevel nach Alpe d`Huez. Die sehr schwierige Strecke war natürlich nicht „wegzudenken“. Aus dem angekündigten leichten Regen wurde eine förmliche Regenschlacht mit Wind und Kälte. Fast zerstört erreichten die Fahrer den Gipfel des Col du Glandon. Nic trotzte erfolgreich dem Unwetter. An der Verpflegungsstelle gestärkt, von der Familie motiviert, ging es erneut, vom Fahrtwind gekühlt, dem peitschenden Regen verfolgt, auf die nächste gefährliche Abfahrt. Stolz wurde mit seinem Teamgefährten einem Kanadier in Alpe d´Huez noch durchs Ziel geholfen.
Diese Etappe ging als die schwierigste und gefährlichste in die bisherige Tourgeschichte ein. Tribut bisher : 99 Ausfälle! Und erstaunlich: Nic verbesserte sich erneut in der Tourwertung. Tags darauf erfolgte das Einzelbergzeitfahren auf der Tour de France – Strecke nach Alpe d´Huez. Plötzlich wieder strahlendes Wetter und Nic wurde immer selbstsicherer. Als guter Bergkletterer zeigte er sich in seiner Altersklasse bis 40 Jahre mit den durchschnittlich besten Fahrern (inkl. Profifahrer) in TOP-Form. Nun folgte Sonnenschein pur bis nach Nizza. Danach kam der längste Abschnitt von 187 km nach Digne-Les-Bains, gefolgt mit der vorletzten Etappe von Digne zum Mont Ventoux über 145 km. Ein Berg der Berge.
Nun mit letzter Konzentration und dem Ziel nahe, wurden erneut Serpentinen ohne Ende erklommen. Zum Schluss wieder die gegenseitige Gratulation und der allumfassende Teamgeist der Fahrer. Die letzte Etappe nach Nizza über 160 km ließ die Herzen höher schlagen. Endlich das Ziel an der Côte d´Azur. Aber vier Bergpässe waren noch zu bewältigen. Der Jubel im Ziel war unbeschreiblich, jeder der Finisher hatte über sich gesiegt. Nic hielt die Stetigkeit seiner Platzverbesserungen in der Tourwertung ein, landete in der Gesamtwertung im vorderen Drittel und in der starken Altersklasse bis 40 Jahre mit Profistartern auf Platz 75! 114 Fahrer/innen mussten sich der Schwierigkeit dieser Tour beugen und gaben auf. Der Einlauf „der Bergritter“ auf der „Promenade des Anglais in the Alpes- Maritimes city of Nice“ unter Palmen und Sonnenschein ließ die Leidenschaft des Radfahrens spüren, eine Möglichkeit, die nur sehr wenige Menschen auf diese Art und Weise haben!
