Männerchor 1906/47 richtete am Wochenende die Polcher Kirmes aus
„Wir werden diese Tradition hochhalten“
Polch. Die Tage sind etwas weniger geworden, die Tradition bleibt: Von Samstag bis Montag feierte die Stadt Polch ihre traditionelle Kirmes. Seit 1947 wird diese bekannte Veranstaltung vom Polcher Männerchor organisiert, seit 35 Jahren in Eigenregie, sprich: mit einem Festzelt und allem, was zu einer solch zünftigen Kirmes dazugehört. Zum Auftakt der Kirmes am Samstag hatten sich die Vertreter von Wirtschaft und Politik um 17 Uhr auf dem Friedhof versammelt, um der Toten zu gedenken. Den Startschuss gab der Männerchor 1906/47, der bei insgesamt 200 Mitgliedern noch über 40 aktive Sänger verfügt, die von Geschäftsführer und Vize-Chorleiter Klaus Bierbrauer dirigiert wurden. Neben dem Männerchor gab auch der Polcher Musikverein einige Lieder zum Besten.
Gegen 17.20 Uhr machten sich alle - von der Freiwilligen Feuerwehr Polch begleitet - zu Fuß auf Richtung Festzelt, das wie immer in der Nähe des Marktplatzes aufgebaut worden war. Kurz vorher ertönten die Glocken der katholischen Pfarrkirche St. Stephan als Zeichen dafür, dass die Kirmes begonnen hatte. Das Kirchweihfest wird in Polch allerdings zu Ehren des Heiligen Georgs gefeiert, der am 23. April seinen Namenstag begeht und der gleichzeitig der Schutzpatron der auf dem Friedhof stehenden St. Georgskapelle ist.
Mit dem Fassanstich im Festzelt durch Bernd Gerardy und Stadtbürgermeister Gerd Klasen war die Kirmes gegen 17.35 Uhr dann auch offiziell eröffnet. Bernd Strang, seit sage und schreibe 35 Jahren Vorsitzender des Männerchors, begrüßte die „überraschend vielen Leute“ im Festzelt und bedankte sich beim Wettergott, der sein Wort gehalten habe: „Überall regnet es, nur nicht hier bei uns in Polch.“
DJ heizte kräftig ein
Das galt zumindest für den Samstagabend, als DJ Peter Baur bei einer Ü-30-Video-Party mit Musik aus den vergangenen vier Jahrzehnten den Gästen innerhalb und außerhalb des Festzelts bis in die frühen Morgenstunden einheizte. Baur präsentierte Clips unter anderem von Abba, Queen, Madonna und Robbie Williams. Die Hits der siebziger und achtziger Jahre, gemischt mit den Filmmusiken aus Grease, Flashdance und Dirty Dancing, entwickelten sich zu einem akustischen und visuellen Erlebnis.
Die Resonanz der Bevölkerung am Samstagabend war groß, dennoch fand der Vorsitzende des Männerchors auch kritische Worte. „Personal- und kostenmäßig ist die ganze Angelegenheit sehr intensiv für uns, 25 bis 30 Mann sind im Einsatz. In der Hochzeit der Kirmes Mitte der achtziger Jahre war im Festzelt an drei Tagen von morgens um 10 Uhr bis spät in die Nacht fast kein Platz zu bekommen. Die Stadtbevölkerung hat sich seitdem verdoppelt, aber es hat sich nicht unbedingt auf die Kirmes ausgewirkt“, verdeutlichte Strang. Das sei aber auch der wirtschaftlichen Gesamtsituation geschuldet, fast niemand sei mehr bereit, für Montag oder Dienstag ein oder zwei Tage Urlaub einzureichen.
Aus dem traditionellen Frühschoppen am Montag ist mittlerweile „nur“ noch ein Dämmerschoppen ab 14 Uhr geworden, aber Strang hat den Kampf noch nicht aufgegeben: „Es wäre wünschenswert, wenn sich auch die Zugezogenen und vor allem die ausländischen Bewohner mal sehen lassen würden. Wir vom Verein werden alles dafür tun, die Kirmes weiter zu gestalten. Wir werden diese Tradition hochhalten - aller Nachwuchssorgen zum Trotz.“
Volle Unterstützung
Der Stadtbürgermeister sagte seine volle Unterstützung zu. „Wenn es so läuft, wie es läuft, müssen wir zufrieden sein. Wir müssen aber kämpfen, dass es so bleibt. Dem Männerchor fällt es von Jahr zu Jahr schwerer, ausreichend Personal zu stemmen“, meinte Klasen.
Die Einwohnerzahl gehe zwar Richtung 7000, aber es werde mehr und mehr unpersönlicher. „Da können wir einfach nur froh sein, dass wir solche Traditionsvereine wie den Männerchor oder den Musikverein haben. Diese ehrenamtlichen Tätigkeiten sind nicht selbstverständlich, aber durch nichts zu ersetzen.“
Klasen hatte im Übrigen gute Erinnerungen an den Fassanstich. 2014 schlug er im Festzelt das Fass an, kurze Zeit später wurde er zum Stadtoberhaupt befördert. Strang brachte es auf den Punkt: „Auf der Polcher Kirmes werden Bürgermeister gemacht.“
Geschäftsführer und Vize-Chorleiter Klaus Bierbrauer dirigierte den Polcher Männerchor im Festzelt.
Der Polcher Musikverein gab auf dem Friedhof einige Lieder zum Besten.Fotos: privat/SK
Gemeinsam zogen der Musikverein und der Männerchor Richtung Festzelt.
Ein Prost auf die Polcher Kirmes (von links): Bernd Gerardy, Stadtbürgermeister Gerd Klasen und Bernd Strang, Vorsitzender des Männerchors.
