Allgemeine Berichte | 13.07.2013

Schauspieler Ulrich von Bock las Jugendlyrik von Johann Wolfgang von Goethe im Ahnensaal des Schlosses

„Dichtung und Wahrheit“ auf Schloss Bürresheim

Dieter Dierkes überreichte Ulrich von Bock am Ende der Lesung im Schlosshof zwei Flaschen Spätburgunder Ahr Rotweines der Edition „Schloss Bürresheim“. Mit ihm freute sich auch der erschienene Vertreter der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel. Der frühere Amtsgerichtsdirektor in Mayen, Kulturfreund Dieter Dierkes bedankte sich schließlich auch bei den zwei Sponsoren der Veranstaltungsreihe, der Kreissparkasse Mayen und der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel.  Privat

St. Johann. Die Veranstaltungsreihe „Dichtung und Wahrheit“ der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz war an diesem Freitagabend sicher mit den Göttern im Himmel verbunden. Im Nitztal herrschte Traumwetter. Da war es auch nicht verwunderlich, dass mit Ulrich von Bock aus Bremen ein großer Theaterkünstler auf „sein“ Schloss Bürresheim gekommen war, um Werke des Dichterfürsten der Deutschen zu lesen. Das weckte beim Publikum Erinnerungen an große und ernsthafte Schauspielkunst unter der Intendanz des am 23. März verstorbenen ehemaligen und hoch geschätzten Leiters der Burgfestspiele Mayen Hans-Joachim Heyse. Ulrich von Bock war unter ihm viele Jahre eine tragende Säule des Mayener Ensembles. Der in Schlesien geborene und aus einer alten preußischen Offiziersfamilie stammende Schauspieler entdeckte schon in frühester Jugend seine Liebe zum Theater. Bereits mit 23 Jahren trat er beim Schauspielhaus in Bochum sein erstes Festengagement an. Es folgten erfolgreiche Theaterjahre am Schauspielhaus Köln und am Bremer Theater am Goetheplatz. Sein Filmdebüt gab er 1964. In der Folgezeit war er auch immer wieder im Fernsehen zu sehen, vor allem als spröder und sperriger norddeutscher Kriminalist in Tatortkrimis. Seine Karriere bei den Burgfestspielen in Mayen begann er 1989 als Mephisto im Urfaust. In den kommenden Jahren sollte er dort bis 2003 viele große Rollen in Werken der Weltliteratur spielen. Erinnert sei nur an seine Auftritte in den Stücken Shakespeares („Hamlet“, „Ein Sommernachtstraum“, „King Lear“), Molieres („Der Geizige“, „Tartuffe“), Goethes („Faust“), Lessings („Minna von Barnhelm“), Kleists („Der zerbrochene Krug“), Brechts („Dreigroschenoper“, „Der kaukasische Kreidekreis“) und Dürrenmatts („Die Physiker“). Heute tritt Ulrich von Bock nur noch an Orten auf, die sein Herz mit ganzer Freude erfüllen und dazu gehört das im Amtsbezirk St. Johann liegende Schloss Bürresheim. Zu seiner Mayener Zeit hat er es viele Male besucht und jedem gezeigt. Kein Winkel des Schlosses ist ihm verborgen geblieben. Über den Ahnensaal weiß er bestens Bescheid. Als Kenner und Meister der deutschen Sprache liebt er natürlich auch die Lyrik von Johann Wolfgang von Goethe. Sein Auftritt im Bürresheim war also nur folgerichtig. Ganz still war es, als er seinen Vortrag mit dem 1775 entstandenen Gedicht Goethes „Neue Liebe, neues Leben“ begann. In diesem Werk geht es um die frühe, leidenschaftliche Liebe des jungen Wolfgang zu der Frankfurter Bankierstochter Lili Schönemann. Die Verlobung mit ihr löste Goethe aber bereits nach sechs Monaten wieder auf, da er sich durch deren Liebe zu stark eingeengt fühlte. Mit den sogenannten Lili Gedichten beginnt die Sturm- und Drangzeit des Dichters. Das war eine Literaturströmung in der Epoche der Aufklärung, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vor allem zwischen 1765 und 1785 von jungen, etwa 20 bis 30 jährigen Autoren getragen wurde. Der Verstand des Menschen war die bestimmende Größe dieser Zeit.

Goethes „Prometheus“

Es folgte eines der bekanntesten Gedichte Goethes „Prometheus“. Der Titan Prometheus klagt die Götter an und fordert von ihnen die Überwindung der überkommenen Herrschaftsstrukturen. Die Zuhörer im Ahnensaal konnten Prometheus förmlich donnern hören, als Ulrich von Bock mit gewaltiger Stimmkraft den ersten Vers sprach: „Bedecke deinen Himmel, Zeus, Mit Wolkendunst; Und übe, dem Knaben gleich, Der Disteln köpft, An Eichen dich und Bergeshöhn; Mußt mir meine Erde Doch lassen stehn…“ Das Gedicht steht zwischen „Sturm und Drang“ und der Weimarer Klassik. Dann kam die Liebeserklärung des Dichters an Charlotte von Stein „Warum gab´s du uns die tiefen Blicke“. Er beklagt darin seine wohl letztlich unerfüllt gebliebene Liebe zu der sieben Jahre älteren und verheirateten Charlotte von Stein, die zu diesem Zeitpunkt bereits Mutter von sieben Kindern war.

„Grenzen der Menschheit“

Mit dem Gedicht „Grenzen der Menschheit“ war die Weimarer Klassik endgültig erreicht. Goethe lässt hier den uralten Heiligen Vater sprechen und das richtige Verhältnis des Menschen zum Göttlichen erörtern. Der Vollblutschauspieler Ulrich von Bock war jetzt in seinem Element, fesselnd und ausdrucksstark seine Stimme. Die Zuhörer im voll besetzten Ahnensaal hingen förmlich an seinen Lippen, als er den „Gesang der Geister über den Wassern“ ertönen ließ: „Des Menschen Seele, gleicht dem Wasser. Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es, und wieder nieder zur Erde muß es, ewig wechselnd...“ Goethe beschreibt in diesem Gedicht den Reinkarnationslauf der Seele des Menschen zwischen Himmel und Erde. Nun sind es die großen Werke der Weltliteratur, die alle in ihrem Bann ziehen. Mit Erschütterung erfüllen sie den Ahnensaal: „Der Erlkönig“, „Der Türmer“, „Der Zauberlehrling“. Dann erscheint Faust auf der Lesebühne, wohl Goethes bedeutendes Werk. Der Pakt des Doktors mit dem Teufel ist weltbekannt. Als Ulrich von Bock den Prolog der Erzengel im Himmel spricht und darin die „unbegreiflich hohen Werke“ der Schöpfung Gottes preist, ist die Lesung endgültig auf ihrem Höhepunkt angekommen. Sie klingt schließlich mit dem von Goethe am Ende seines Lebens (vermutlich 1829) verfassten Gedicht „Vermächtnis“ („…denn alles muß ins Nichts verfallen, wenn es in Sein beharren will…“) aus. Ulrich von Bock weiß, dass seine Zuhörer jetzt Entspannung brauchen. Deshalb rezitiert er zum Schluss aus Goethes „Ergo bibamus“ (übersetzt: Also lasst uns trinken), das als studentisches Trinklied ebenfalls in der ganzen Welt bekannt geworden ist. Dieter Dierkes als Verantwortlicher der Veranstaltungsreihe „Dichtung und Wahrheit“ blieb es vorbehalten, sich am Ende bei Ulrich von Bock im Namen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz für dieses kulturelle Highlight auf Schloss Bürresheim zu bedanken und das Publikum in den Innenhof des Schlosses zu entlassen, wo ein paar gute Tropfen edlen Rebsaftes zur leiblichen Verköstigung bereitstanden.

„Wiener Lieder und Geschichten“

Die nächste Veranstaltung der Kulturreihe steht am 19. Juli, 18 Uhr auf Schloss Bürresheim an. Es ist ein Liederabend mit dem früheren Intendanten der Burgfestspiele Mayen, dem deutsch-österreichischen Theaterkünstler Pavel Fieber und dem Gitarristen Markus Munzer-Dorn unter dem Titel „Wiener Lieder und Geschichten“. Man sollte sich bei der Schlossverwaltung unter Tel. (0 26 51) 76 44 0 rechtzeitig (auch ohne persönliche Einladung möglich) für diesen Termin anmelden, denn schon jetzt ist abzusehen, dass die Zuhörerplätze nicht ausreichen werden.

Ulrich von Bock im Ahnensaal des Schlosses.

Ulrich von Bock im Ahnensaal des Schlosses.

Dieter Dierkes überreichte Ulrich von Bock am Ende der Lesung im Schlosshof zwei Flaschen Spätburgunder Ahr Rotweines der Edition „Schloss Bürresheim“. Mit ihm freute sich auch der erschienene Vertreter der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel. Der frühere Amtsgerichtsdirektor in Mayen, Kulturfreund Dieter Dierkes bedankte sich schließlich auch bei den zwei Sponsoren der Veranstaltungsreihe, der Kreissparkasse Mayen und der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel. Fotos: Privat

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