Mayen kennenlernen:
Die Clemenskirche
Mayens schönste Ecken stellen sich vor: Beliebte Sehenswürdigkeiten, geschichtsträchtige Einrichtungen und weniger bekannte, aber ebenso reizvolle Örtlichkeiten. In dieser Woche: St. Clemens-Kirche!
Mayen. Die Clemenskirche ist das „alte“ Wahrzeichen von Mayen. Diese Bedeutung hat die Kirche zurecht! Sie ist der wohl wichtigste Kristallisationskern, aus dem das heutige Mayen entstand.
Schon um das Jahr 600 stand hier eine kleine christliche Holzkirche inmitten eines Gräberfeldes. Eine Reihe weiterer Kirchenbauten sollten folgen. Als im Jahre 1296 St. Clemens erstmals als Pfarrkirche auch schriftlich erwähnt wird, war aus dem kleinen Kirchlein ein im romanischen Stil errichteter, basilikaler Bau entstanden. Von dieser Kirche existiert noch der Kirchturm, der als Südwestturm in die heutige Kirchenanlage eingebunden ist; diesen Turm nennen die Mayener bis auf den Tag liebevoll „Eulenturm“.
Die städtebauliche Entwicklung Mayens zur Stadt brachte auch für St. Clemens eine Reihe von tiefgreifenden Veränderungen. 1326, kurz nach der Fertigstellung der Stadtmauer, wurden im Westen der Kirche für das Augustiner Chorherrenstift aus Lonnig Klosterbauten mit einem Kreuzgang errichtet. Herr dieser dynamischen Entwicklung war Erzbischof Balduin (1307-1354). Noch während seiner Regierungszeit wird an St. Clemens mit dem Bau einer völlig neuen Kirche begonnen. In einer langen Bauzeit, die immer wieder unterbrochen wurde, entstand bis etwa 1430 ein für die damalige Zeit hoch modernes Bauwerk. Sie war damals die erste, voll ausgebildete, gotische Hallenkirche am Mittelrhein.
Die lange Bauzeit gab auch Stoff für eine Sage. Wegen des schleppenden Baufortgangs hatte man den Teufel zur Mitarbeit gewinnen können, weil er glaubte, er baue an einem Wirtshaus mit. Als er sah, dass die Mayener ihn getäuscht hatten und ein Gotteshaus vor ihm stand, versuchte er den Turm zu brechen; aber St. Clemens hinderte ihn daran. So reichte seine Kraft nur zur schiefen Drehung. Fachleute führen die gewundene, schiefe Form freilich auf einen Konstruktionsfehler zurück. Wind und Wetter ausgesetzt, geriet die Turmspitze schließlich 1,7 Meter aus dem Lot.
Was Jahrhunderte lang überdauerte, wurde schließlich ein Opfer des Infernos im Zweiten Weltkrieg: im Dezember 1944 wurden Kirche und Turm in Schutt und Asche gelegt. Aber schon bald nach dem Krieg, 1946, begann man mit dem Wiederaufbau in alten Formen. Als vorläufig letzter Abschnitt wurde 1953 auch der „Schiefe Turm“ wieder errichtet. Von 1973 bis 1976 wurden nochmals umfangreiche Restaurierungen an der Fassade und im Innenraum durchgeführt.
Auch außerhalb der Gottesdienste ist St. Clemens ein Ort von großer spiritueller Kraft. Dazu trägt die Ausstattung des Raumes mit Bildern und Plastiken bei; zu nennen sind die von Georg Meistermann geschaffenen Glasfenster, die durch ihre wohlüberlegte Lichtführung die Atmosphäre des Innenraumes bestimmen. Speziell die Chorfenster bilden mit dem Circumpendium des Altars von Ulrich Henn und dem Triptychon von Jakob Schwarzkopf eine Einheit von hoher, religiöser Aussagekraft. Von dem Bildhauer Heinrich Alken stammen sechs überlebensgroßen Heiligenfiguren aus der Zeit um 1800, die den Gemeinderaum umsäumen.
Möchten Sie mehr über die Clemenskirche mit ihrem schiefen Turm erfahren? Der Stadtrundgang „Auf kirchlichen Spuren“ bringt Ihnen die Geschichten der Mayener Kirchen näher.
Pressemitteilung der
Stadtverwaltung Mayen
