Kölner Historienforscher Karl Port veröffentlicht Buch über Peter Wekbeker
„Ein Rheinländer im Europa des 19. Jahrhunderts“
Autobiographie als Quelle authentischer Zeitgeschichte
Region. Ein beachtenswertes Buch hat jetzt der Kölner Historienforscher Karl Port herausgebracht. Die Autobiographie „Peter Wekbeker, ein Rheinländer im Europa des 19. Jahrhunderts - An meinen Sohn Adolph“ erzählt die unglaubliche Geschichte eines außergewöhnlichen Menschen, dessen Wurzeln in Münstermaifeld liegen. Im teilweise schwierigen Sprachstil des 19. Jahrhunderts wirkt die Art des Erzählens jedoch nüchtern und modern. Seinem Sohn Adolph hat Peter Wekbeker die Aufzeichnungen gewidmet. Mit akribischer Genauigkeit legt der Vater dem Sohn den Ursprung „aus einer eher arm als reich zu nennenden Bauernfamilie“ dar.
Geschichte aus erster Hand
Geschickt wendete der Vater Peter Wekbekers, Adolph Wekbekers Großvater, das Blatt und schlug Kapital aus der französischen Besetzung des Rheinlandes, die im Zuge der Französischen Revolution stattgefunden hatte: Es war „das Bestreben, sich aus der drückenden Enge eines armen Bauernjungen empor zu schwingen. Er erwarb und erwarb stets mehr und mehr, ohne sich auch nur im Mindesten daran zu erinnern, von den gemehrten Mitteln nun auch einen erhöhten Genuss ziehen zu wollen und seinen Kindern eine Bildung beibringen zu lassen“. Schillernd wie sein Vater ist auch das Leben Peter Wekbekers, dessen Autobiographie eine Welt skizziert, wie er sie mit eigenen Augen erlebt hat. Es ist dieser unverstellte, subjektive Blick auf eine untergegangene Epoche, die in ihrer Authentizität beeindruckt. Wer Geschichte aus erster Hand nacherleben will, sollte die Autobiographie lesen.
Die Einzelheiten:
So wurde Wekbeker in Bonn aus geringem Anlass in ein Duell verwickelt und in die Studentenverbindung Westphalia aufgenommen. „Vom fleißigen Studieren war jetzt keine Rede mehr. Ich wurde schon bald der gefürchtetste Secundant und brachte deshalb mehr Zeit auf dem Paukboden als in den Collegien-Sälen zu.“ Drei Wochen musste er wegen zweimaliger „Paukerei“ in den Karzer. Mit dem Säbel stritt er auch in Heidelberg, Paderborn und Berlin. Einen Mediziner namens Westermayer traf er so unglücklich am Kopf, „daß der Schädelknochen tief verletzt wurde, sodass er an der Wunde lange Zeit darnieder lag.“ Dieses Ereignis nötigt Peter Wekbeker, sein Selbstbild vor seinem Sohn ein wenig zurechtzurücken, fürchtete er doch, von diesem, für einen „recht rauflustigen Gesellen“ gehalten zu werden: „Der bin ich aber nicht gewesen und von all den 11 Duellen, welche ich durchgefochten habe, ist nur eines, dessen Veranlassung mir selbst zur Last fällt. Bei allen übrigen ging die Beleidigung immer von der Jenseite aus. Freilich aber war ich in puncto dessen, was man auf der Universität ‚Beleidigung‘ zu nennen pflegt, und was - im Grunde genommen - nichts weniger als dieses ist, sehr empfindlicher Natur.“ Köstlich seine Münchner Affäre mit Fräulein Maria von Schwerin, der sich Peter Wekbeker auf einem Maskenball näherte, wo er die maskierte Frau mit einer anderen verwechselte. Dieses Missverständnis hätte ihn mit 23 Jahren beinahe ungewollt in die Ehe getrieben. Bei dieser „Maskenredoute“ behauptete er, die Maskenträgerin zu kennen und beteuerte ihr seine Liebe. Beide tauschten sich zierlich gefaltete Liebebriefe aus. „Als ich nun am nächsten Abend bei Generalin von Muck erschien, wurde mir von allen Seiten zu meiner Verlobung gratuliert.“ Peter Wekbeker stellte die Sache richtig und erhielt von der Baronin eine „seltsame Strafpredigt“. Dabei vermittelt der Autor auch Einblicke in die Münchner Schickeria des 19. Jahrhunderts. Generalin von Muck beschreibt er als eine „überaus gutmütige, heitere Matrone. Als Comtesse geboren, hatte sie ausgangs des vorigen Jahrhunderts pflichtschuldigst eine standesgemäße Ehe eingegangen und sich dann aber auch für vollkommen berechtigt gehalten, ihre ‚bloßen Liebschaften‘ (und deren soll sie sehr viele gehabt haben) mit jedwedem nach Herzenslust, hoch oder niedrig, für lange oder kurze Zeit zu unterhalten.“ Vom Vater fürstlich ausgestattet begab sich Peter Wekbeker auf Reisen und lernte Länder kennen, die man damals nur vom Hören und Sagen kannte. Er erlebte die Cholera in Bukarest, in der Türkei begegneten ihm erstmalig verschleierte Frauen. „Lange wird es indessen nicht mehr dauern, dann werden auch die Frauen dort ihre bisherige, hässliche Vermummung abstreifen; und wenn sie einmal des Umgangs mit Männern teilhaftig werden, wird ihre jetzige Unwissenheit bald weichen.“ Es sind diese Einschätzungen und Randbemerkungen, die seine Aufzeichnungen so interessant und wertvoll machen. Peter Wekbeker war der Erste, der rein aus Freude am Reisen den Weg bis nach Konstantinopel und Smyrna auf sich nahm, für damalige Verhältnisse, ohne Eisenbahnen und Dampfschifffahrtslinien, mehr als ein Abenteuer.
