Bilanz: Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen bewertet das abgelaufene Ausbildungsjahr
„Es ist leichter, eine Lehrstelle zu finden als einen Lehrling“
Koblenz. Anfang Oktober hat das neue Ausbildungsjahr begonnen. Nun legt die Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen die Bilanz für das abgelaufene Beratungsjahr 2012/2013 vor. Fazit: Der vor allem vom demografischen Faktor beeinflusste Wandel ist in der Region deutlich spürbar und stellt Berufsberatung, Betriebe und Jugendliche vor Herausforderungen, die in Zukunft eher zunehmen werden.
3.562 junge Menschen sprachen zwischen Oktober 2012 und September 2013 bei der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen vor, um sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützen zu lassen. Im gleichen Zeitraum meldeten die Arbeitgeber aus der Region 3.731 offene Lehrstellen. Am Ende blieben 29 Jugendliche und 139 Ausbildungsplätze „übrig“. „Die von Berufsberatung und Arbeitgeberservice wo immer möglich auch nach dem offiziellen Ende des Ausbildungsjahres noch zusammengebracht werden“, betont Agenturleiterin Ulrike Mohrs. Insgesamt bestätige sich ein Trend, der schon in den letzten Jahren festgestellt wurde: „Die Zeiten, in denen Betriebe unter den Besten ihren Nachwuchs auswählen konnten, sind vorbei. Heute ist es schwieriger, einen Auszubildenden zu finden als eine Lehrstelle.“ Ein Freifahrtschein dafür, die ganze Angelegenheit locker zu nehmen, sei das für die jungen Leute aber nicht, betont die Expertin. „Wirklich profitieren können von der verbesserten Ausgangslage nur die Jugendlichen, die eine solide Qualifikation mitbringen. Denn die Anforderungen an eine moderne Ausbildung sind hoch. Wer in der Schule nur schlechte Zeugnisse bekommen hat, kann die Berufsschule kaum schaffen. Das wissen auch die Arbeitgeber, und die wenigsten sind bereit, sich auf solche Experimente einzulassen.“
Ulrike Mohrs rät deshalb allen Jugendlichen, den Schulabschluss ernst zu nehmen und sich ins Zeug zu legen. „Ein gutes Abschlusszeugnis ist die Eintrittskarte in den Arbeitsmarkt. Und davon hängt oft die ganze Zukunft eines Menschen ab.“ Allerdings appelliert sie auch an die Arbeitgeber, die Messlatte nicht zu hoch zu hängen. „In Zukunft werden die Verantwortlichen in den Betrieben nicht umhin kommen, sich auch schwächere Bewerber genau anzuschauen und gegebenenfalls selbst aktiv zu werden, um sie auf ihrem Weg durch die Ausbildung zu unterstützen.“ Eine Mühe, die sich in vielen Fällen durchaus lohnt, meint die Agenturchefin, und bei der die Arbeitsagentur - etwa durch ausbildungsbegleitende Hilfen - unterstützen kann. „Häufig sind junge Menschen, die in der Schule Schwierigkeiten hatten, durchaus engagierte, zuverlässige und talentierte Lehrlinge, die eine solche Chance verdient haben.“
Aber es gibt noch ein anderes Feld, auf dem Ulrike Mohrs sich noch mehr Offenheit und Engagement der Unternehmen wünscht: beim Dualen Studium. Das ist bei jungen Leuten nämlich sehr gefragt, wird aber von den Betrieben längst nicht so häufig angeboten, wie gewünscht. „Ich kann Arbeitgebern nur raten, die Chancen, die sich hier bieten, zu nutzen. Denn die Jugendlichen, die gute Zeugnisse vorweisen können, neigen immer stärker dazu, möglichst lange zur Schule zu gehen. Sie wollen Abitur machen und studieren. Für diese jungen Leute ist eine betriebliche Ausbildung keine Alternative. Ein Duales Studium hat dagegen seinen Reiz, denn hier können sie einen akademischen Abschluss machen und gleichzeitig Geld verdienen.“ Dafür seien die meisten durchaus bereit, die Mühen auf sich zu nehmen, die diese Art der Ausbildung in aller Regel mit sich bringt. Für die Unternehmen biete sich die einmalige Gelegenheit, die jungen Leute frühzeitig an sich zu binden. „Außerdem kaufen sie nicht die berühmte Katze im Sack, wie das bei jungen Akademikern, die direkt von der Uni kommen, ja häufig der Fall ist. Am Ende des Dualen Studiums wissen Betrieb und Auszubildender genau, was sie aneinander haben.“
Eine durchaus erfreuliche Entwicklung, die sich aus den reinen Zahlen nicht unmittelbar ablesen lässt, haben die Berufsberater außerdem festgestellt: Junge Leute, die heute weiter zu Schule gehen oder einen Freiwilligendienst ableisten, tun das meist freiwillig und nicht mehr aus einer schlichten Not heraus. Ulrike Mohrs: „Es kommt sehr viel seltener vor, dass diese Alternativen nur deshalb gewählt werden, weil kein Ausbildungsplatz zu finden ist. In der Vergangenheit waren diese Warteschleifen oft eine Notwendigkeit. Heute gehen junge Leute zur Schule oder machen ein Freiwilliges Soziales Jahr, weil sie es tatsächlich wollen.“
Pressemitteilung der
Agentur für Arbeit
Koblenz-Mayen
