Halloween Bräuche
Halloween-Feier mit Kürbisschnitzen und Spielen in Mayen
aus Ettringen
Mayen. Vor 30 Jahren war selbst der Begriff allein hier noch so gut wie unbekannt. Inzwischen ist „Halloween“ ein Zauberwort geworden, mit dem man Kinder sogar an ungemütlich nasskalten Herbstabenden zu Streifzügen durchs Dorf bewegen kann.
Sie klingeln dann in kleinen Gruppen überfallartig an völlig fremden Haustüren, um die sie sonst geflissentlich einen weiten Bogen machen dürften, und erlauben sich dabei eine meist charmante Erpressung, die sie sich sonst niemals trauern würden.
Binnen weniger Jahrzehnte ist es tatsächlich allen Beteiligten gelungen, aus den im Angelsächsischen üblichen Bräuchen zum 31. Oktober gleich ein ganzes Sammelsurium neuer Traditionen fest auch in Deutschland zu verankern.
Hexenkult, Mittelalterbegeisterung, die Faszination von Spielleuten und Gauklern und der wohlige Grusel von Geistern, Gespenstern und Tod gehen nun auch hierzulande Hand in Hand mit der Verlockung einer phantasievollen, möglichst makabren Kostümierung auch abseits von Karneval. Je gruseliger und je deutlicher die Signale von Vergänglichkeit in Form von Spinnweben, Staub und bleichen nackten Zähnen und Knochen, desto gefälliger der Auftritt. Und weil man das ja auch zeigen will, füllte das im Endergebnis die Fußgängerzone an einem ansonsten eigentlich ganz gewöhnlichen Samstag wieder in einem Maße, wie es die Mayener nicht mehr allzu oft erleben.
Magie im eigentlichen Sinn wurde hier allerdings eher nicht geboten; es wurden nicht alle paar Meter verblüffende Zauberkunststücke vorgeführt – nein, die Anziehungskraft der Veranstaltung beruhte hauptsächlich auf einer ganz anderen Art von Magie, einer ganz offensichtlichen, die statt bloßen Betrachtens die Kinder mit ihrem natürlichen Tatendrang zum unmittelbaren Mitmachen animierte. Wer durch die Marktstraße geschlendert war, hatte neben jahreszeitlichen oder durch Halloween geprägten Esssständen angesichts entsprechend themenverwandter Wurfbuden davon schon eine Einstimmung bekommen. Denn bevor es durch das eigens aufgebaute synthetische Kürbistor in der Brückenstraße ging, hatten schon ansehenliche Schlangen von Kindern dort angestanden, wo man auf Pyramiden aus Hexendosen warf – oder Ringe auf lange spitze Hexenhüte. In der Brückenstraße freilich wartete die Hauptattraktion der Veranstaltung: Zwischen Brunnen und Brückentor schnitzten gleich Dutzende Kinder an mehreren Tischen stundenlang an Kürbissen, bis diese fein genug gestylt erschienen für die Einreichung zum Höhepunkt, der Prämierung der Resultate nachmittags.
Nach einem Zug durch die Fußgängerzone hinter einem kleinen Trupp Musikanten und Gaukler mit lauten Dudelsack- und donnernden Trommeltönen fand sich die ganze Kinderschar wieder zur Verkündung der zehn Gewinner vor dem Brunnen in der Brückenstraße ein, wo die Jury bei der Sichtung und Begutachtung der Kunstwerke gut beschäftigt gewesen war. Begleitet wurde die Ehrung und Auszeichnung der gelungensten Schnitzereien von den lauten und launigen Einwürfen des furchterregend kostümierten Stelzenmannes, der etwas spielerische Entspannung und Humor in den Wettbewerb brachte. Wer sich erstaunt äußerte über die rege Beteiligung und den Eifer der Kinder, bekam von den Initiatoren (MY-Gemeinschaft und Brückenstraßengemeinschaft) eine gelassene Antwort, die sich speiste aus den guten Erfahrungen mit einer inzwischen doch gewissen Tradition: „Das läuft eigentlich immer ganz gut, wenn das Wetter auch nur ansatzweise mitspielt,“ sagte einer von ihnen. Und das hatte es auch an Allerseelen in diesem Jahr getan, und zwar mehr als nur ansatzweise.
Kürbisschnitzen an mehreren Tischen gleichzeitig Foto: Michael Lohr
Umzug der Kürbisschnitzer vor der Prämierung mit lauter Musik voraus Foto: Michael Lohr
Der Umzug nähert sich dem Brückentor. Foto: Michael Lohr
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Eintritt in die Kürbiswelt der Brückenstraße Foto: Michael Lohr