Allgemeine Berichte | 02.08.2026

Italienische Sommernacht

Italienische Sommernacht in Mayen begeistert mit Dolce Vita Flair

Der Genoveva-Chor erfreute die Brückenstraße fast drei Stunden lang.

Mayen. Es hatte wirklich nicht gut ausgesehen. Ein paar Stunden vor Beginn der Italienischen Sommernacht in Mayen unter dem Motto des „Dolce Vita“ versammelten sich an einem der heißesten und zugleich schwülsten Tage des Jahres noch zusammen mit einem echten Sturm um die Mittagszeit dunkle Wolken über der Osteifel, die nur das Allerschlimmste verhießen. Doch pünktlich vor 17 Uhr – dem offiziellen Auftakt - hatte sich nicht nur der Sturm gelegt. Er hatte ganz nebenbei durch sein Wirken auch die drückende Schwüle mitsamt der dunklen Wolken hinweggeblasen und gerade rechtzeitig die Bühne bereitet für einen sonnigen und leichten Sommerabend – wie geschaffen zum Flanieren und Genießen in der Mayener Fußgängerzone, wo die Läden an diesem Abend, italienischer Sommertradition folgend, bis 22 Uhr verkaufen durften.

Nur war das mit dem lockeren Flanieren allerdings so eine Sache. Denn die Veranstaltung wurde dermaßen gut und vor allem schnell angenommen, dass es in der Marktstraße gleich zu Anfang bereits eher schleppend voranging. In der Mitte der Straße standen, wie angekündigt, (vollbesetzte) Tische aneinander, an denen man sich die italienischen Köstlichkeiten auf der Zunge zergehen ließ; links und rechts davon jeweils war etwas Platz für den Strom der Flanierenden, und weiter außen warteten die Stände mit ihrem jeweiligen Angebot – und die waren mehr als nur gefragt. Sie waren geradezu belagert und deshalb vor lauter Andrang teils von der Straßenmitte aus kaum noch zu sehen. Mit einem Platz in der Warteschlange etwa am Pizza-Stand konnte man aber immerhin deren Zubereitung hautnah miterleben - ein Fest auch für die Augen und eine willkommene Steigerung der Vorfreude.

Prall gefüllten waren auch Restaurants und Eisdielen auf dem und um den Marktplatz. Live-Musik lockte die Besucher in die Göbelstraße, wo ein italienische Klassiker schmetternder Sänger flankiert wurde von einer ganz im Stil des venezianischen Karnevals kostümierten Königin (die ihre Gewänder selbst entwirft und schneidert näht) Ein schwungvolles Trio nahe der Buchhandlung Reuffel bot seinerseits italienische Standards, während der Genoveva-Chor vor dem Brunnen in der Brückenstraße in seinem fast dreistündigem Programm aus entspanntem Ensemble-Gesang gleich zweimal hauptsächlich durch ein Repertoire aus dem ESC der 70er Jahre führte (als die Veranstaltung noch „Grand Prix d´Eurovision de la Chanson“ hieß und sich um handwerklich solide bis herausragend geschriebene Lieder drehte statt um einen Overkill aus Outfit und sogenannter Performance).

All das verbreitete tatsächlich italienische Lebensfreude, mit jener speziellen Heiterkeit und diesem augenzwinkernden Charme, der auch in schlechten Zeiten nicht verloren geht und so manche Situation spielerisch elegant auflöst, wenn einmal etwas schiefgegangen sein sollte.

An diesem Abend wollte und konnte allerdings gar nichts schiefgehen. Ein paar Beispiele als Belege für den Erfolg: Der Stand der „Kind Kitchen“ war schon vor 21 Uhr, also über eine Stunde vor dem Ladenschluss diesen Tages, geschlossen – weil restlos ausverkauft. Und zu diesem Zeitpunkt – man vergleiche das vor dem geistigen Auge einmal kurz mit einem gewöhnlichen Donnerstagabend im Hochsommer – wimmelte es in der Marktstraße noch immer von Menschen. Und manche ließen sich um diese Zeit von einer „italienischen Samba in G-Dur“ („Quando, Quando“) zum einem ganz spontanen beschwingten Tänzchen auf dem Pflaster der Fußgängerzone inspirieren – ganz im Sinne der ganzen Veranstaltung, die Leerstände vergessen lassen und gegen die Verödung der Innenstädte aktiv angehen will. Und tatsächlich schien es auch nicht nur in diesem Augenblick so, als hätten die Mayener ihre Innenstadt noch einmal anders und beschwingter erlebt – und sich selbst darin auch. Michael Lohr

Diese schönheiten des venezianischen Karnevals flanierten huldvoll durch die Fußgängerzone.

Diese schönheiten des venezianischen Karnevals flanierten huldvoll durch die Fußgängerzone. Foto: Michael Lohr

Man genoss an Tischen mitten auf der Marktstraße.

Man genoss an Tischen mitten auf der Marktstraße. Foto: Michael Lohr

Bestens besucht war die Marktstraße.

Bestens besucht war die Marktstraße. Foto: Michael Lohr

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Der Genoveva-Chor erfreute die Brückenstraße fast drei Stunden lang. Foto: Michael Lohr

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