Jugendmigrationsdienst setzt auf Netzwerke und Kooperation
Jahresbericht 2012 des JMD blickt auf arbeitsreiches Jahr zurück
Region. Mit der Stadt Mayen, den Verbandsgemeinden Maifeld, Vordereifel und Mendig sowie dem Kreis Ahrweiler betreut der Jugendmigrationsdienst (JMD) Rhein-Mosel-Ahr ein flächenmäßig großes Einzugsgebiet. Ländliche Infrastruktur, dünne Besiedlung und teilweise begrenzte Mobilität der Bevölkerung stellten die vier Mitarbeiterinnen des JMD, die im Jahr 2012 zusammen 2,5 Personalstellen besetzten, vor große Herausforderungen. Unterstützt wurden sie von drei Praktikantinnen, einer Honorarkraft und 34 Ehrenamtlichen, von denen sich viele im Mentorenprojekt „InContact“ engagierten.
Zielgruppe der JMD-Angebote sind vor allem junge Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch Multiplikatoren. In Kooperation mit anderen für junge Zugewanderte relevanten Diensten und Einrichtungen nimmt der JMD - eingebunden in das bundesweite Integrationsprogramm - eine Anlauf-, Koordinierungs- und Vermittlungsfunktion wahr. Schwerpunkte der Arbeit sind die individuelle Integrationsförderung sowie Netzwerk- und Sozialraumarbeit, aber auch die Initiierung und Begleitung interkultureller Öffnung. Den Erfolg dieser Arbeit belegen die im Jahresbericht genannten Fallzahlen: Im vergangenen Jahr erreichten die Beratungsangebote 190 junge Migrantinnen und Migranten sowie 34 ihrer Familienangehörigen.
Über 60 Gruppenangebote stellten Kontakte her zu bis zu 94 jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, 126 zugewanderten Elternteilen sowie etwa 339 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.
Starke regionale Unterschiede zeigten sich bei der Herkunft der betreuten jungen Migranten. Während in Mayen und im Kreis Mayen-Koblenz rund 44 Prozent aus russischsprachigen Ländern kommen, sind dies im Kreis Ahrweiler nur etwa 5 Prozent. Dort stammt die Mehrheit mit 34 Prozent aus orientalischen Ländern, gefolgt von den EU-Staaten mit 18 Prozent.
Jeweils 15 Prozent kommen aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus afrikanischen Ländern. Im Vergleich zum Vorjahr nahm im Kreis Ahrweiler die Zahl der unterstützten Jugendlichen um 11 Prozent zu. 83 Prozent aller Erstkontakte fanden hier statt. Eine Ursache für steigende Zahlen im Kreis Ahrweiler ist die Zuwanderungstradition entlang der Rheinschiene. Im Kreis Mayen-Koblenz hingegen gab es - abgesehen vom Zuzug der Aussiedler Ende der 90er-Jahre - kaum Zuwanderung.
Kernaufgabe des JMD war auch 2012 die Verbesserung der schulischen und beruflichen Integration. Unzureichende Sprachförderangebote an Schulen, zu wenige oder mangelnde weiterführende Sprachkurse sowie zahlreiche Schwierigkeiten bei deren Finanzierung stellten viele junge Migranten vor erhebliche Probleme. Ein lückenhaftes Informationsangebot zum Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung und eine aufwendige Antragstellung erschwerten den Migranten die Nutzung dieser Fördermöglichkeit. Die Suche nach bezahlbarem Wohnraum und gestiegene Lebenshaltungskosten rückten ebenfalls stärker in den Fokus.
Durch zahlreiche Maßnahmen, Gespräche, Informationsveranstaltungen und Presseartikel gelang es dem JMD, auf die besondere Situation dieser jungen Menschen und ihre Benachteiligung in den Bereichen Bildung und Ausbildung aufmerksam zu machen und Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken, wobei besonderen Wert auf Vernetzung und Kooperation gelegt wird. So wurden die Ergebnisse eines zweitägigen Filmworkshops zum Thema „Integration aus Sicht junger Migrant(inn)en“ den über 80 Teilnehmern des 18. Fachgesprächs junge Migrant(inn)en „Integration verhindert Armut?! - Teilhabe sichern“ und auf der Website des Caritasverbands präsentiert.
„Dance for life - Interkulturelle Hip-Hop-Werkstatt“ verknüpfte eine Initiative des JMD mit den Workshops der Multi-Kulti-Kids von „In Terra“ und erlebte mit dem Auftritt der bunt gemischten Gruppe im Mayener Corso Kino als Vorprogramm des Films „Neukölln unlimited“ seinen Höhepunkt. Kinder- und Jugendgruppen der evangelischen Kirche, der Jugendhilfeeinrichtung Bernardshof, der Lebenshilfe, des JMD sowie zwei Firmgruppen erkundeten unter dem Motto „Explorer 2012 - ich, du, wir - hier leben wir“ fotografisch den Sozialraum Mayen und dokumentierten Tops und Flops. Hinzu kamen Kooperationen mit der Kirche, den Jugendämtern, Schulen, Jugendhäusern, Politikern, der Kompetenzagentur im Sinziger „Haus der offenen Tür“ (HoT), dem Bundesprogramm „Toleranz fördern - Kompetenz stärken“ und dem Modellprojekt „Integration verbindlicher machen - Integrationsvereinbarungen erproben“ der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung.
Um auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Arbeit leisten und ein breitgefächertes Angebot bieten zu können, haben die Mitarbeiterinnen des JMD im vergangenen Jahr selbst zahlreiche Fort- und Weiterbildungsangebote wahrgenommen und ihre Kompetenz erweitert. Mithilfe eines externen Beraters wurde die Arbeit des JMD an den Grundsätzen und Rahmenrichtlinien des Kinder- und Jugendplans neu ausgerichtet, Ziele für die nächsten Jahre formuliert, Schwerpunkte gesetzt, Handlungsfelder definiert und Netzwerke überprüft.
Der kostenlose Jahresbericht ist erhältlich beim Caritasverband in Mayen und Ahrweiler oder als Download auf der Website des Caritasverbands Rhein-Mosel-Ahr e.V. unter www.caritas-rhein-mosel-ahr.de sowie direkt beim Jugendmigrationsdienst (JMD), Tel. (0 26 51) 98 69 141, E-Mail: jmd@caritas-mayen.de.
