Allgemeine Berichte | 17.08.2026, 08:16 Uhr

Ettringer Steinmetzfest 2026

Kulturerlebnis beim Ettringer Steinmetzfest in der Osteifel

Erste Arbeiten am fast noch rohen Stein.
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Ettringen. Einst wuchs hier kaum mehr ein Strauch. Die Gewinnung tonnenschwerer Basaltblöcke hatte bereits im Ansatz alles zu Staub zermalmt. Was die Natur sich in Jahrzehnten nach der endgültigen Stilllegung der meisten Steinbrüche zwischen Ettringen und Mayen wildromantisch zurückerobert hat, erlebt ungeahnte neue Nutzungen: Tief unten wird an zerklüfteten Steilhängen praktisch jederzeit einem ambitionierten Klettersport gefrönt; oben wird eine wunderbare Tasche von halber Sportplatzgröße, vom Büschen umrahmt, von Bäumen beschattet, jeden zweiten August zum Schauplatz des Ettringer Steinmetzfestes. Diese Veranstaltung des Ettringer Steinmetzvereins scheint so tief in der Dorfgeschichte und -mentalität verwurzelt, dass sie ganz besondere Heimatgefühle auslöst und auch unter denen, die nie eine Berührung mit der Steinindustrie der Osteifel gehabt haben, der Besuch eine absolute Selbstverständlichkeit darstellt.

Auch jetzt war dabei dem eigentlichen Fest ein Symposium von (in diesem Jahr neun) Bildhauern vorgeschaltet. Eine Woche lang wurde an neuen Skulpturen zwanglos, aber konzentriert gehämmert, geschliffen und geflext, bis aus zentnerschweren Quadern teilweise gar zierliche Formen entstanden. In dieser fast südfranzösisch wirkenden einzigartigen Nische nahe der vielbefahrenen Landstraße nach Mayen haben sich diesmal gegenseitig inspiriert, geholfen und ausgetauscht Gerd Müller und Werner Geilen (beide Mendig), Thomas Müller (Mayen), Guido Krämer, Kevin Overdiek und Jan Breidbach (alle drei aus Ettringen), Maria Hill (Mosel), Astrid Schumacher (Bonn) und Alexander May, der Intendant der Mayener Burgfestspiele, alle übrigens täglich versorgt mit gutem und üppigem Essen durch geneigte Ettringer Bürger.

Als die Künstler ihre neuen Werke fertiggestellt, gegenseitig besprochen und gewürdigt hatten, wurde binnen zwei Tagen das beschauliche versteckte Ambiente umgemodelt in einen Festplatz mit Bewirtung und Bühne. Vorhang auf für die Band, die praktisch jeder hören wollte: Fast schon traditionell ließen die Feddigans aus Mayen das eigentliche Fest am Samstagabend bei sagenhaftem Publikumszuspruch beginnen mit einer hemdsärmeligen Musik von jener wunderbaren Lebendigkeit und Ungeschliffenheit, von der die sogenannte deutsche Volksmusik einfach nichts wissen will. Entstanden aus einer Rockband, spielte das Quartett mit dem Phantasienamen auf zum ansteckenden irischen Folk, was geographisch nicht ganz so eng gesehen wurde, da man Schottisches („Caledonia“) und Nordenglisches („Dirty Old Town“) locker mit eingemeindete; es entstammt alles eh dem unglaublich fruchtbaren Schoß der keltischen Musiktradition, die nun mal die gesamten britischen Inseln prägt und deren Songs auch skurrile, aber stets lebensnahe Geschichten erzählen.

Der Sonntag gehörte traditionell dem entspannten Genuss zum Beispiel des Vortrags vom ChorCoulores, Frühschoppen, nachmittags Kaffee und Kuchen sowie Kinderbelustigung, bevor alles am Montagmorgen noch viel traditioneller ausklingt mit dem legendären „Blauen Montag“ auf der Ley – dem Brauch der Steinmetze und Grubenarbeiter, noch etwas Lebensgenuss vom Wochenende hinüberzuretten in den schweren Auftakt der neuen Arbeitswoche. Danach konnte der Vorsitzende des Steinmetzvereins, Guido Krämer, der die Organisation mit geradezu beneidenswerter Gelassenheit geleitet hatte, sich wieder ganz seiner eigenen Bildhauerwerkstatt widmen. ML

Noch ist die weitere Gestaltung ganz offen.

Noch ist die weitere Gestaltung ganz offen. Foto: Michael Lohr

Welche Form, welche Gestalt soll aus diesem Stein herausgearbeitet werden?

Welche Form, welche Gestalt soll aus diesem Stein herausgearbeitet werden? Foto: Michael Lohr

Was dem Laien fertig erscheint, bekommt doch noch so manchen Schliff.

Was dem Laien fertig erscheint, bekommt doch noch so manchen Schliff. Foto: Michael Lohr

Fotogalerie: Kulturerlebnis beim Ettringer Steinmetzfest in der Osteifel 2026

Am vergangenen Wochenende wurde in Ettringen das Steinmetzfest begangen. Wir haben ein paar Bilder für Euch.
Feinarbeit am Stein erzeugt eine meterlange Staubfahne.
Feinarbeit am Stein erzeugt eine meterlange Staubfahne.

Foto: Alle Bilder: Michael Lohr

Das Gelände des Symposiums
Das Gelände des Symposiums

Foto: Michael Lohr

Fast fließende Formen nimmt der Stein an.
Fast fließende Formen nimmt der Stein an.

Foto: Michael Lohr

So allmählich erschließt sich die künftige Gestalt.
So allmählich erschließt sich die künftige Gestalt.

Foto: Michael Lohr

Ein imposanter Ammonit aus Stein
Ein imposanter Ammonit aus Stein

Foto: Michael Lohr

Besuch beim Symposium: Schüler der Genoveva-Schule Mayen
Besuch beim Symposium: Schüler der Genoveva-Schule Mayen

Foto: Michael Lohr

Der idyllische Schauplatz des Symposiums
Der idyllische Schauplatz des Symposiums

Foto: Michael Lohr

Nur zu zweit kann die Skulptur sicher gewendet werden.
Nur zu zweit kann die Skulptur sicher gewendet werden.

Foto: Michael Lohr

Die Feddigans (ein zweiter Gitarrist ist nicht mehr auf dem Bild) bekamen zum 25...
Die Feddigans (ein zweiter Gitarrist ist nicht mehr auf dem Bild) bekamen zum 25jährigen Bühnenjubiläum einen Keltischen Knoten aus Basalt überreicht und begeisterten das Publikum wie eh und je.

Foto: Michael Lohr

Der Ettringer Ortsbürgermeister Alexander Weber kann sich mit seinen beiden Beig...
Der Ettringer Ortsbürgermeister Alexander Weber kann sich mit seinen beiden Beigeordneten Jörg Bergweiler und Olaf Kaltz (v.l.n.r.) entspannen beim Steinmetzfest, nachdem am Tag zuvor spontane Vorbereitungen zur eventuellen Aufnahme Evakuierter aus dem Waldbrandgebiet der VG Vordereifel getroffen werden mussten.

Foto: Michael Lohr

Feinarbeit am Stein erzeugt eine meterlange Staubfahne.
Das Gelände des Symposiums
Fast fließende Formen nimmt der Stein an.
So allmählich erschließt sich die künftige Gestalt.
Ein imposanter Ammonit aus Stein
Besuch beim Symposium: Schüler der Genoveva-Schule Mayen
Der idyllische Schauplatz des Symposiums
Nur zu zweit kann die Skulptur sicher gewendet werden.
Die Feddigans (ein zweiter Gitarrist ist nicht mehr auf dem Bild) bekamen zum 25...
Der Ettringer Ortsbürgermeister Alexander Weber kann sich mit seinen beiden Beig...
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Erste Arbeiten am fast noch rohen Stein. Foto: Michael Lohr

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