Allgemeine Berichte | 11.12.2013

Vortrag von Jürgen Erbacher im Laacher Forum

Laacher Forum gewährte Einblicke hinter Vatikanmauern

Vatikan-Experte Jürgen Erbacher thematisierte Pontifikate der Päpste

Jürgen Erbacher bot in seinem Vortrag interessante Einblicke.privat

Maria Laach. Mit Jürgen Erbacher, dem langjährigen Mitarbeiter von Radio Vatikan und heutigem ZDF-Redakteur von „Kirche und Leben“, hatte das Laacher Forum einen ausgezeichneten Vatikan-Experten gewonnen, der die Pontifikate von Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus in ihrer Bedeutung für die Kirche beurteilte.

Für Jürgen Erbacher zeichnet sich Papst Franziskus durch seine starke Konzentration auf das Pastorale aus. Dennoch sei es schwer, „den Papst wirklich zu greifen. Es tut sich viel in diesem Pontifikat. Bei Franziskus steht zuerst der Mensch im Vordergrund und in zweiter Linie das Kirchenrecht. Das kann man nach diesem Dreivierteljahr sagen.“ In der offenen Diskussion sieht Jürgen Erbacher nicht das Prinzip von Ehe und Familie über Bord geworfen. Vielmehr nehme der Papst zur Kenntnis, dass Familien scheitern.

„Hier gibt es unter Franziskus einen Perspektivwechsel.“ Ein weltweites Familienpastoral gewinnt unter diesem Papst an Bedeutung, so auch ein neuer Umgang mit wiederverheiratet, geschiedenen und unverheirateten Paaren. Synodale Strukturen sind keine „Basta Strukturen“ und brauchen ihre Zeit. Die Christliche Soziallehre rückt wieder mehr in den Vordergrund und ist genauso wichtig wie moralische Fragen. Bei allem, was entsteht, wird am Ende der Papst entscheiden, stellte der Referent fest: „Da ist er durch und durch Jesuit.“

Entscheidend sei für den neuen Papst eine lebendige Diskussion, die mit den Kardinälen im Vatikan geführt wird. Die Kardinäle sollen, wie bereits von Papst Benedikt angedacht, Beratergremien übernehmen. Auch für Benedikt war der Papst kein absoluter Monarch, so Jürgen Erbacher: „Es lag mit an seinen Mitarbeitern, dass Benedikt nichts umsetzen konnte. Benedikt hat Bälle geworfen, die von den Mitarbeitern nicht aufgegriffen wurden.“ Unter anderem versandete sein Thema zur Bewahrung der Schöpfung, da es von den Päpstlichen Räten nicht aufgegriffen wurde. Der scheidende Papst habe gemerkt, „dass grundlegende Veränderungen notwendig sind, die er nicht mehr durchsetzen konnte. Papst Benedikt versuchte, aufzuräumen. Da gab es sehr viel Gegenwind.“

Benedikt als Wegbereiter

Jürgen Erbacher stellte das Pontifikat Papst Benedikts als zukunftsweisend heraus. Schließlich sei ein Aufbruch nur aufgrund seines Amtsverzichts möglich geworden: Benedikt habe bereits Themen wie Familie, Kardinalsrat oder Vatikanbank in Angriff genommen. Für den Referenten liegt es auf der Hand: „Franziskus erntet die Früchte, die Benedikt gesät hat.“

Ein Merkmal des neuen Pontifikats ist, dass Papst Franziskus ganz nah bei den Menschen sein will. Für die Flüchtlinge auf Lampedusa stiftet er ein Zelt oder hält den Almosenmeister des Vatikans an, römische Altenheime zu besuchen und mit den Menschen zu sprechen. Dieses „bei den Menschen sein“ habe für alle Katholiken Konsequenzen: „Bei Franziskus wird es für die Laien anstrengend, weil sie in die verschiedenen Milieus hinausgehen müssen. Jeder Einzelne ist gefordert.“ Heute, so der Referent, schauten die Menschen auf den Papst, der entscheiden soll, während Jahre vorher gesagt wurde: „Wir sind Kirche. Kirche muss sich konkret ändern.“

Für Jürgen Erbacher ist Franziskus kein Papst der Schnellschüsse, sondern ein Papst, der, wie im Fall Limburg, die Ergebnisse der Untersuchungskommission abwartet.

In der anschließenden Diskussion kam auch das Verhältnis des Papstes zu anderen Kirchen zur Sprache. Hier hat Franziskus keine Berührungsängste und sucht den Dialog auf sozialethischem Feld. Im Bezug zur Tradition stellte der Referent fest: „Papst Franziskus hat nichts gegen die tridentinische Messe im Petersdom. Er gibt aber der Aussöhnung mit der Piusbruderschaft keine Priorität.“ Bei der Frage zum Priestertum der Frau habe sich Papst Franziskus auf Papst Johannes Paul II. berufen, der definitive Antworten gegeben habe.

„Die Tür ist zu“, hatte Franziskus gesagt. Möglicherweise, so Jürgen Erbacher, könne es aber unter Franziskus eine Aufhebung des Pflichtzölibats geben. Alles ist im Fluss. Es bleibt also spannend. Ein interessanter Vortrag, der das kirchliche Geschehen einzuordnen half.

Jürgen Erbacher bot in seinem Vortrag interessante Einblicke.Foto: privat

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