Allgemeine Berichte | 13.12.2013

Internationale Krippenausstellung in Rech

Mit Seemanns-Chor und Willy Millowitsch

Die Schau der Brüder Niethen lockt mit ungewöhnlichen Motiven und Gestaltungen

Erntehelfer Willy Millowitsch mit Tünnes un Schäl auf dem Arm, Teil der großen Winzerkrippe von Hildegard Neuenkirchen.

Rech. Es begann im Hobbykeller, dann kam ein kleiner Raum dazu, heute erstreckt sich die internationale Krippenausstellung von Franz-Rudolf und Josef Niethen auf vier Räume und den Hof im und am Wohnhaus mit Bäckerei in Rech. Damit ist die Schau sicherlich eine der größten hierzulande überhaupt. Doch nicht nur die schiere Größe mit mehr als 300 Krippen aus aller Welt ist beeindruckend. Es sind ihre Vielfältigkeit und die liebevoll gestalteten Details, die das ganz Besondere ausmachen. Da findet sich als größte Sammlung beispielsweise die des Franziskanerbruders Leo Kohorst aus Hamburg. In der „Bruder Leo-Ecke“, wie sie die beiden Recher humorvoll getauft haben, findet sich beispielsweise die Heimatkrippe Hamburger Hafen mit einem waschechten Seemanns-Chor samt Schifferklavier. Auch die maritimen Krippenbilder und andere Darstellungen und Krippen stammen von dem 85-jährigen (Kirchen-)Maler Kohorst, der seine Figuren aus handbearbeiteten Kieselsteinen herstellt. Selbst der verstorbene Papst Johannes Paul II. besaß von ihm Tiergestaltungen aus Kieselsteinen.

Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist die handmodellierte und gebrannte Winzerkrippe der Hobbykünstlerin Hildegard Neuenkirchen aus Unkel mit Weinbergen, der Saffenburg und vielen weiteren, sehr originellen Elementen. Wer genau hinschaut, findet beispielsweise den unvergessenen Kölner Volksschauspieler Willy Millowitsch als Erntehelfer mit den legendären Hänneschen-Theater-Figuren "Tünnes un Schäl" auf dem Arm. Und selbst die beiden Urheber der Krippenausstellung sind verewigt: Bäcker Franz-Rudolf Niethen mit Brotkorb und sein Bruder Josef als Hobbyfotograf. Besuchern gehen schier die Augen über anhand der Detailfülle der Darstellungen. Es braucht wohl Stunden, um alle Darstellungen wenigstens im Ansatz zu erfassen und zu bestaunen. Nicht übersehen sollte man vor allem auch die kleinsten Krippendarstellungen in einer separaten Vitrine - wobei die heilige Familie sogar in eine Nussschale passt, wie man hier sehen kann.

Exemplar von 1939

Die Begeisterung für Krippen wurde den beiden Brüdern sozusagen in die Wiege gelegt. Schon im Elternhaus stand ein Exemplar, das „etwas mehr als normal“ war, wie Josef Niethen lachend berichtet. Heute ist diese Gipskrippe aus dem Jahr 1939 - dem Hochzeitsjahr der Eltern - als eines der ältesten Stücke Teil der Schau. Vor mehr als 25 Jahren wurde die Sammelleidenschaft der beiden entfacht, als sie eine Krippe für einen guten Zweck ersteigerten und ein Buch über Krippenbau lasen. Bald darauf besuchten sie ein Kloster, das Krippen aus Missionsstationen vor allem aus Lateinamerika, Afrika und Asien verkauft, um damit Projekte vor Ort zu unterstützen. Da war der Grundstein gelegt. Krippen aus diesen Erdteilen mit vielen exotischen Tierfiguren bilden daher auch heute einen Schwerpunkt der Schau. Aber auch eine scherzhaft „Obama-Krippe“ getaufte Darstellung, im Jahr der Präsidentenwahl aus dem USA-Urlaub mitgebracht, ziert die Ausstellung. Viele der Ausstellungsstücke sind heute Leihgaben etwa von den kfd-Frauen, wurden den Brüdern geschenkt oder werden von ihnen für gute Zwecke gekauft. Viele wertvolle Stücke von Krippenbaumeistern aus Bamberg und Österreich, ja auch handgefertigte Stücke von damaligen Calvarienberg-Schülerinnen unter der Leitung von Schwester Birgit sind darunter.

Bis alle zum Ausstellungsstart mit Besuch der Weinkönigin jeweils Mitte November stehen, stecken die beiden Brüder unzählige Stunden in den Aufbau. Natürlich gibt es in jedem Jahr neue Bestandteile der Schau. 2013 ist es beispielsweise eine große Keramikkrippe aus dem Westerwald mit Salzglasur, ein Geschenk des bekannten Krippensammlers Max Schneckenbühl aus Montabaur. Hinzugekommen sind auch einige Krippenhäuser, Hintergrundlandschaften und ein Kreuzweg von dem Krippenfreund und Figurenchirurg Alfons Loecher aus Saffig.

Führung empfohlen

Am Lucia-Markt-Wochenende haben übrigens wieder Hunderte Rech-Gäste die Scheu in der Rotweinstraße besucht, an sonstigen Öffnungstagen sind es in der Regel 20 bis 40 pro Tag. Unbedingt empfehlenswert trotz guter Beschilderung der einzelnen Ausstellungsstücke ist eine Führung mit Franz-Rudolf Niethen.

Geöffnet hat die internationale Krippenausstellung in Rech noch am 15. und 22. sowie vom 26. bis 30. Dezember, außerdem im neuen Jahr vom 1. bis 3. Januar sowie am 5., 12., 19. und 26. Januar, immer zwischen 14 und 17 Uhr. Für Gruppen, Vereine, Schulklassen oder Kindergartengruppe sind auf Anfrage aber auch Sondertermine möglich. Eine Bitte haben die beiden Brüder: „Zwar ist der Besuch der Ausstallung kostenfrei, doch bitten wir um eine Spende, denn der Reinerlös wird für soziale Zwecke verwendet.“

Kontakt: Franz-Rudolf und Josef Niethen, Rotweinstraße 18 (Bäckerei), Tel. (0 26 43) 70 53.

Erntehelfer Willy Millowitsch mit Tünnes un Schäl auf dem Arm, Teil der großen Winzerkrippe von Hildegard Neuenkirchen.
Franz-Rudolf Niethen (l.) erzählt großen und kleinen Gästen bei einem Rundgang über die einzelnen Ausstellungsstücke.

Franz-Rudolf Niethen (l.) erzählt großen und kleinen Gästen bei einem Rundgang über die einzelnen Ausstellungsstücke.

Erntehelfer Willy Millowitsch mit Tünnes un Schäl auf dem Arm, Teil der großen Winzerkrippe von Hildegard Neuenkirchen.

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