Landrat Dr. Alexander Saftig besuchte Innovative Unternehmen
Mittelstand trägt das Markenzeichen „Made in MYK“
Mendig/Andernach. Der Mittelstand ist für die Wirtschaft von Mayen-Koblenz von entscheidender Bedeutung. Viele Unternehmen haben weniger als 20 Mitarbeiter, sind jedoch innovativ und nicht selten marktführend. Zwei von ihnen, „Roland Aircraft“ und „Schmitt Boote und schwimmende Anlagen“ bieten in der Luft und zu Wasser herausragende Produkte, und doch steht man in den Betrieben mit beiden Beinen auf dem Boden.
Das Ende des Militärflugplatzes in Mendig bot Roland Aircraft eine Chance zum Durchstarten. Zunächst im schwäbischen Neuhausen angesiedelt, zog man im Dezember 2009 mit der kompletten Flugzeugfabrik in eine Halle auf dem Gelände, die für den Betrieb wie geschaffen war. Die zentrale Lage mit der Nähe zu den Benelux-Staaten war ein Argument, und nicht zuletzt zog es Judith und Roland Hauke in mildere Breiten, wo das Wetter eine deutlich längere Zeit im Jahr Starts und Landungen ermöglicht. „Wir haben die 3000 Quadratmeter große Halle innerhalb von zwei Monaten umgebaut und energetisch saniert“, erinnert sich Judith Hauke.
Für Landrat Dr. Alexander Saftig und Verbandsbürgermeister Jörg Lempertz ist Roland Aircraft ein Musterbeispiel für die Entwicklung der Konversionsfläche. „Damals war es zunächst ein Schock für den Standort, aber auch hier galt: Man muss Umstände, die man nicht beeinflussen kann, auch als Chance für einen Neuanfang sehen“, so Saftig, dem Lempertz nur zustimmen kann: „Solche Betriebe machen uns heute stolz, denn auf dem Produkt steht ´Made in Mendig´.“ Man könnte auch „Handmade“ sagen, denn bei den Haukes wird Handarbeit noch großgeschrieben. Einzelteile bis hin zu den Kabelbäumen werden selbst erstellt, in dem Betrieb herrscht eine ungeheure Fertigungstiefe: „Bis auf die Motoren und die Reifen entsteht jedes Teil hier bei uns“, so der Firmenchef. Klarer Vorteil: Jeder Käufer erhält quasi einen maßgeschneiderten Flieger in höchster Fertigungsqualität. Diese Qualität war es denn auch, warum Roland Hauke seinen ehemaligen Kooperationspartnern in Kanada und Tschechien die Rote Karte zeigte: Sie genügten nicht seinen Ansprüchen. Mehr sagt er nicht dazu, aber Fachzeitungen wie der Aerokurier bescheinigen dem Tüftler, dass er „lange kritisierte Schwachstellen früherer Modelle Schritt für Schritt beseitigt“ hat. Rund 20 Ultraleichtflieger will man jedes Jahr aus dem Hangar rollen, dafür setzen sich auch die acht Mitarbeiter ein. Wie Roland Aircraft am Standort Mendig abhebt, können Interessierte am 11. und 12. Mai beim Tag der offenen Tür sehen, wo man sich die Produktion und Flugzeuge anschauen kann.
„Der Mittelstand ist es, der uns stark macht“, sagt Saftig. Die Zahlen belegen das. Mittelständische Unternehmen stellen die meisten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. So sind diese im Jahr 2011 um gut 2000 auf mehr als 56.800 gestiegen. Doch Saftig verlässt sich nicht nur auf Zahlen, er ist auch vor Ort präsent, um unmittelbaren Kontakt zu den Betrieben zu haben.
Wie Spezialisierung neue Perspektiven eröffnet, das zeigt das Beispiel von SBS in Andernach. Das Kürzel steht für Schmitt Boote und schwimmende Anlagen. Seit 1924 existiert der Familienbetrieb, der zunächst in Moselkern, seit 1996 in Andernach angesiedelt ist. „Wir waren zunächst ein typischer Stahlbaubetrieb“, erklärt Geschäftsführer Matthias Schmitt. In der Schlosserei übernahm man Aufträge vom Geländer bis zur Steganlage. Doch in den 90er Jahren erfolgte endgültig die Spezialisierung auf die Planung, Entwicklung und Konstruktion von Stegen und Landebrücken, insbesondere aber von Arbeits- und Sonderbooten. Eine Besonderheit bei SBS ist die 3-D-Konstruktion von Booten. Schmitts Mitarbeiter Alex Friesen hat die Technik ständig weiterentwickelt: „Wir können am PC sämtliche Simulationen durchführen.“ So bekommen Kunden eine klare Vorstellung von dem, wie ihr Produkt später aussieht, und können die Entwicklung begleiten. Selbst die Polizei vertraut bei Spezialanfertigungen den Tüftlern aus Andernach. „Faszinierend“, der der Landrat, „wie man sich hier die Nische erarbeitet hat.“ „Wir bauen Brücken. Wir helfen Leben retten. Wir schenken Lebensfreunde“, das sind die Leitsätze der Firma, die rund 40 Beschäftigte hat. Ein Herzensanliegen ist Schmitt die Jugendförderung und die Ausbildung. Mit jungen Menschen zu arbeiten, sie fordern und ihre Fähigkeiten zu entwickeln, ist für ihn selbstverständlich. Und klar ist für ihn auch: Was SBS im Betrieb leistet, kommt auch der Gesellschaft zugute. Für den Landrat eine Grundhaltung, die den Kreis stark macht: „Mittelstand Made in MYK, das ist ein echtes Markenzeichen.“ Pressemitteilung der
Kreisverwaltung Mayen-Koblenz
