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Weltoffen und heimatverbunden

Ohne Krone im eigenen Weinberg

Nachgefragt: Was macht eigentlich Julia Bertram?

29.07.2015 - 15:53

Blick aktuell besuchte Julia Bertram, die heute als selbstständige Winzerin in ihrem Heimatort Dernau lebt und arbeitet. Im Jahr 2012 wurde sie zur Deutschen Weinkönigin gewählt. Ein Jahr lang war sie die höchste Repräsentantin des deutschen Weines im In- und Ausland. Der Abschied von Amt und Würden im Jahr 2013 fiel ihr nach der einjährigen Regentschaft nicht schwer. Denn nach dieser erlebnisreichen Zeit wollte die studierte Önologin nun endlich wieder als Winzerin arbeiten. „Ich liebe das Winzerhandwerk, die praktische Arbeit im Weinberg und Weinkeller“, betont Julia Bertram, die kompetent und mit Leidenschaft über Wein spricht, aber vor allem ein Ziel konsequent verfolgt: „Ich will meinen eigenen Wein machen“ erklärte sie. So führte ihr Weg vom Thron der Deutschen Weinkönigin direkt in den eigenen Weinberg. Die Krone wurde abgelegt und die Ärmel hochgekrempelt.

Dernau Wenn Julia Bertram das farbenfrohe Gemälde betrachtet, das sie als Deutsche Weinkönigin zeigt, wird sie nicht von Wehmut geplagt. Sie hat ein unverkrampft positives Verhältnis zu der Zeit, in der sie als höchste Repräsentantin des deutschen Weines unterwegs war. „Das war ein prägender Lebensabschnitt und eine Zeit, in der ich viel gelernt habe,“ erklärte sie dem BLICK aktuell. Da sie sich vorgenommen hatte, nach der Amtszeit als selbstständige Winzerin zu arbeiten, war für sie diese Zeit als Deutsche Weinkönigin eine Mischung aus einem Intensivkurs in internationalem Weinmarketing und einem Berufspraktikum der besonderen Art. „Diese Zeit möchte ich nicht missen, denn ich konnte mich persönlich weiterentwickeln und habe wichtige Erfahrungen gesammelt“, erklärt Julia Bertram im Rückblick auf ihre „Regentschaft“ . „Das ist ein stressiger Job mit unzähligen Terminen und Auftritten vor sehr unterschiedlichem Publikum,“ betont sie. Man muss vor Sommeliers genauso bestehen wie vor Winzerkollegen oder vor einem Publikum, das mit Wein gar nicht viel anfangen kann. Die Herausforderungen sind vielseitig. So wurde in Schanghai erwartet, dass sie in Englisch vor Fachpublikum einen Vortrag hält. Gut in Szene setzen sollte sie den Wein aber auch bei einem feuchtfröhlichen Weinfest in der Pfalz oder einem Volksfest in Norddeutschland. Von Weinkennern und Winzerkollegen wollte sie ernst genommen und zugleich vom breiten Publikum als sympathische junge Frau akzeptiert werden. Wer all diesen verschiedenen Erwartungen gerecht werden will, hat ein hartes Stück Arbeit zu leisten und weiß, worauf es bei einem guten Marketing im Zeichen globalisierter Märkte ankommt. Dies ist Julia Bertram in dem Jahr als Deutsche Weinkönigin gelungen. Sie wuchs an den neuen Aufgaben und zeigte ihr Kommunikationstalent. An 255 Tagen war sie mit einem prallen Terminkalender als Botschafterin des deutschen Weines unterwegs. Auf die Frage, was ihr dies Jahr gebracht hat erklärt sie. „Selbstbewusstsein, die Fähigkeit sich selbst zu organisieren und Stressresistenz.“ Wer glaubt, dass die Deutsche Weinkönigin einen „Hofstaat“ hat, der ihr alles abnimmt, der täuscht sich. Nein, die Weinmajestät muss ihre Reisen und Auftritte in eigener Regie organisieren. Nur die Termine selbst vereinbart das Deutsche Weininstitut. Das kann schon mal abwechslungsreich und hektisch werden. So trat Julia Bertram an einem Abend in einer TV-Sendung des SWR in Baden-Baden auf, fuhr danach sofort zum Flughafen nach Frankfurt, flog von dort nach Singapur, um dort acht Tage in dem asiatischen Land in verschiedenen Veranstaltungen die Vorzüge des deutschen Weines ins rechte Licht zu rücken. Nach dem Rückflug ging es dann jedoch nicht direkt nach Hause ins beschauliche Ahrtal. Am Flughafen in Frankfurt stand ein neuer Koffer bereit, um nach Bern in die Schweiz zu fahren. Nach einigen Terminen dort ging es zurück nach Deutschland. Dort war sie dann Ehrengast bei großen Weinfesten.


„Wein hat immer eine konkrete, handwerkliche Komponente und eine subjektive Seite“


In zehn Tagen hatte sie es also nicht nur mit verschiedenen Klimazonen, dem Jetlag durch den langen Flug und ganz verschiedenen kulturellen Gegebenheiten zu tun. Ein Härtetest mit vielen Facetten. „Der Kontakt und die Gespräche mit anderen Winzern waren mir besonders wichtig“, erklärt Julia Bertram. Dazu hatte sie während ihrer Regentschaft viele Gelegenheiten, die sie sonst nicht gehabt hätte. Sie konnte mit Kollegen darüber diskutieren, wie sie erfolgreich am Markt bestehen, die verschiedenen Vertriebskanäle studieren und lernte die Netzwerke der Weinwirtschaft kennen. „Durch die Reisen in die einzelnen Weinanbaugebiete in Deutschland habe ich mir ein umfassendes Bild von der Vielseitigkeit des deutschen Weines machen können“, betont die junge Winzerin. Sie sammelte Eindrücke, die weit über das Lehrbuchwissen hinausgingen. Eine überraschende Konsequenz für die Fachfrau aus der Hochburg des Rotweins . „Ich habe den Riesling lieben gelernt“, betont sie. Zu den positiven Erfahrungen gehörte aber auch, dass die Familie, Freunde ihr halfen, dass das Jahr als Weinkönigin auch für sie zu einem Erfolg wurde.


„ Meine Linie habe ich bereits gefunden“


Beim Thema Wein hat Julia Bertram ihre eigenen Vorstellungen, die sehr stark von der festen Verwurzelung in den Weinbautraditionen der Heimat geprägt sind. Die Winzerin aus Dernau fokussiert nun ihre ganze Energie darauf, ihrem Wein ein eigenes Profil zu geben. Die ersten Weine von 2013 und der Blanc de Noir von 2014 sind bereits im Verkauf.

„ Meine Linie habe ich bereits gefunden,“ erklärt Julia Bertram, die nur Spät- und Frühburgunder von alten Reben aus den unterschiedlichen Lagen des Ahrtals produziert. Ihr Winzerhandwerk versteht sie jedoch nicht als Aufforderung, allen Moden hinterherzulaufen, die auch in der Weinbranche oft zu finden sind.

Als junge Winzerin will sie mit der Zeit gehen, aber nicht jedem vermeintlichen Trend hinterherlaufen. „Wer sich dafür entschieden hat, hier an der Ahr Wein zu machen, für den gibt es einige wichtige Konstanten, die er nicht veränderbar sind“. Dazu zählt sie die Lage der Weinberge, die Rebsorte und die Reben, die man nicht nach Belieben austauschen kann. „Die Landschaft an der Ahr und die Reben, mit denen die Winzer Jahrzehnte lang arbeiten dürfen, sind klare Vorgaben, die unsere Arbeit prägen,“ erklärte Julia Bertram. Man könne eben nicht mal schnell andere Reben anpflanzen und dann in kürzester Zeit versuchen, etwas vollkommen Neues zu produzieren. Schnelle Veränderungen der Produktionsbedingungen, die in anderen Branchen und möglich und notwendig sind, stoßen hier an Grenzen. „Die Natur gibt den Takt vor, das ist gut so und macht meinen Beruf so spannend“, betonte Julia Bertram. Zu dem, was sich an der Ahr bewährt hat, gehört für sie auch der Früh- und Spätburgunder. Für sie heißt das jedoch nicht, dass es für Innovationen in ihrem Beruf kein Platz gibt. Der Reiz liege darin, dass der Winzer aus dem, was er vor Ort vorfindet, einen Wein forme, der seine Handschrift trage. Auf ihre „Weinphilosophie“ angesprochen sagt sie. „Wein hat immer eine konkrete, handwerkliche Komponente und eine subjektive Seite, die allein von den Vorlieben des Weinliebhabers bestimmt wird“.


„Gute Winzer sind in ihrer Heimat verwurzelt“


Wenn es um das Winzerhandwerk gehe, gebe es klare Kriterien. Über Geschmack ließe sich lange und mit unterschiedlichen Bewertungen streiten. „Ein guter Wein ist eben auch so etwas wie ein Kunstwerk,“ erklärt die ehemalige Deutsche Weinkönigin. Und mit allgemeinen Kriterien für „Kunst „sei das eben so eine Sache. Ein eindeutiges von allen geteiltes Urteil wird es nur selten geben. Aber eines sei trotz des „subjektiven Faktors“ immer wieder zu beobachten. „Gute Weine werden immer ihre Liebhaber finden“. Als Winzerin ist Julia Bertram bodenständig und sich der Tatsache bewusst, dass sie weit mehr als anderer Berufe mit der Landschaft an der Ahr, dem Klima, der Natur und den Traditionen der Ahrwinzer verbunden ist. Die gewachsene Kulturlandschaft mit all ihrem Reichtum ist die Basis für ihre berufliche Perspektive, die sie nun zielstrebig verfolgt. „Gute Winzer sind in ihrer Heimat verwurzelt,“ betont Julia Bertram. Neben dem klaren Blick für das, was für den Aufbau eines eigenen Weinbaubetriebes notwendig ist, hat sie sich die Begeisterung für Land und Leute an der Ahr erhalten. „Heimat ist für mich eine wichtige Größe,“ betont Julia Bertram. Das Jahr als Deutschen Weinkönigin hat auch ihren Blick aufs Ahrtal geschärft. „ Immer, wenn ich zurückkam, war ich froh nach Hause zu kommen“. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie erklärt, „Heimat, das sind für mich vor allem die Menschen“. Die junge Winzerin wurde während ihrer Regentschaft davon überrascht, wie positiv sie hier als Botschafterin des Weines und der Region angenommen wurde. Dass sie hier als Winzerin eine Familientradition fortführen will, ist in ihren Augen ein sehr praktischer Beitrag dazu, dass hier vor Ort Dinge, die den Reiz und die Stärke der Region ausmachen, erhalten bleiben. „Ganz oder gar nicht ist mein Lebensmotto“, betonte sie. Mit dieser Einstellung hat sie den deutschen Wein repräsentiert und so will sie nun die neuen beruflichen Herausforderungen als Winzerin angehen.


„Ganz oder gar nicht ist mein Lebensmotto“


Von den vielen öffentlichen Verpflichtungen, die sie während ihrer Regentschaft begonnen hatte, hat sie eine Aufgabe beibehalten. Sie ist „Botschafterin der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel geblieben, deren Geschäftsphilosophie „Wir sind Heimat“. „ Das passt zu meiner bodenständigen Lebenseinstellung passt,“ betont die junge Frau aus Dernau. Dass Julia Bertram seit dem offiziellen Ende ihrer Regentschaft der Genossenschaftsbank die Treue hält, betrachtet die Regionalbank als einen echten Glücksfall. „Mit der Art, wie sie nun ihren Weg als selbstständige Winzerin eingeschlagen hat, verkörpert sie das, was sich auch unser Unternehmen auf die Fahnen geschrieben hat. Julia Bertram steht wie wir für Heimatverbundenheit und das praktische Engagement für die Region in Wirtschaft und Gesellschaft“, sagt der Vorstandsvorsitzende Elmar Schmitz.

Helmut Schwarz


Zur Person


Julia Bertram

Julia Bertram (25) entstammt einer Dernauer Winzerfamilie. Das Abitur machte sie im Jahr 2009 auf dem Gymnasium Calvarienberg. Es folgte ein Praktikum im Weingut Meyer-Näkel. Im Oktober des Jahres 2009 begann sie mit dem Studium der Önologie an der Hochschule in Geisenheim, das sie im Juli des Jahres 2012 mit dem Bachelordiplom verließ. Im September 2012 wurde sie zur Deutschen Weinkönigin gewählt. Nach dem Ende der Amtszeit wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und wird damit in Zukunft das Weingut Ernst Sebastian, zurzeit geführt von ihrer Mutter und ihrer Tante, in die fünfte Generation führen. Heute arbeitet sie dort als Winzerin an ihren eigenen Weinen.

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S. Schmidt:
Ohne eine minimale Disziplin der Staatsbürger gerät diese Spaß- und Null-Risiko-Gesellschaft nun an den Rand des Scheiterns. Über die Jahre hat sich diese höchst fragwürdige Einstellung gegenüber Recht und Ordnung, Disziplin und Sorgfalt ausgebildet, ja sogar Menschen dies danach lebten und verlangten wurden in die „rechte“ Ecke phantasiert. Nun ist „Not am Mann“ und wir können in Teilen unserer Gesellschaft nicht auf ebendiese Tugenden zurückgreifen, die aktuell zum Schutz der Risikogruppen gebraucht werden.
juergen mueller:
Ja - Frau Dreyer, wissen WIR. Und da müssen WIR durch - auch ohne die andauernden Ermahnungen der Politik, auch wenn diese aufgrund der Uneinsichtigkeit eines Teiles der Bevölkerung man als notwendig erachtet. Sieht man sich die Medien an, dann geht alles an u.für sich normal weiter. Da ist ein Xavier Naidoo tagtäglich präsent in den Medien - dessen rechtspopulistische Gesinnung jedem bekannt sein müsste,der sich seine Texte einmal näher verinnerlicht,der jahrelang hofiert wird,dem seine Alben aus den Händen gerissen werden,ohne sich Gedanken darüber zu machen,was hinter seinen Texten wirklich steckt,einer,der mit der Blödheit u.auf Kosten seiner Fan`s zum Millionär geworden ist, einer, der mit seinen vermeintlich geistreichen Texten nur eines im Sinne hat, von seiner eigentlichen Gesinnung abzulenken, die er zu gegebener Zeit offen zur Schau tragen kann.
Jean Seligmann:
Ja, die gute alte SPD, auch sie hat sich verändert. So biedert sich Frau Esken bei den Linken an indem sie jetzt, wo viele Menschen vieles verlieren und gigantische Vermögenswerte vernichtet werden, eine Vermögensabgabe zur "Abmilderung der Coronafolgen" fordert. Gehts noch?

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juergen mueller:
Man sollte sich auch einmal in Krisenzeiten darüber im Klaren sein, dass man nicht auf die Kommunalpolitik angewiesen ist zu wissen, was falsch oder richtig ist, sondern einzig u.alleine der gesunde Menschenverstand zählt,den nicht jeder besitzt,was die Ausnahme sein dürfte.Politiker sind auch nur Menschen,die zwar meinen,etwas besser zu wissen u.für unser Wohl zu entscheiden,aber eben nur Menschen,die letzten Endes genauso Fehler in ihrem (ich-bezogenen) Denken machen,wie wir ebenso. Sich alleine auf das Denken anderer zu verlassen,vor allem politisches,damit macht man es sich zu einfach,beraubt sich seiner eigenen Selbstständigkeit u.liefert sich den Fehlern anderer aus.
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