Allgemeine Berichte | 15.08.2015, 10:19 Uhr

Wegekreuz vom Förderverein Junker-Schilling Kottenheim e.V. restauriert

„Von dem Donnerschlag todt“

Die Hintergrundgeschichte eines kleinen Unfallkreuzes an der Friedhofsmauer

Unfallkreuz von 1822.
171

Kottenheim. Links an der Mauer am oberen Friedhofseingang steht ein fast unscheinbares, kleines Basaltlavakreuz, welches lange Zeit für den Betrachter unleserlich war. Jetzt hat sich der „Förderverein Junker-Schilling Kottenheim e.V.“ dieses kleinen Denkmals angenommen, nachdem die Vereinssatzung um die Restaurierung von Wegekreuzen und Fußfällen erweitert wurde. Olaf Pung, Thür, hat das Gedenkkreuz jüngst restauriert. Folgender Text wird vermittelt: „1822 dem 21. Juni blieb Cornelius Bell aus Cottenheim von dem Donnerschlag todt.“ Vom Donnerschlag? Wie das? Waren die Angehörigen tatsächlich der Ansicht, dass nicht ein Blitz-, sondern ein Donnerschlag ihren Cornelius getötet hat? Offenbar hatte auch der damalige „Kreuzemächer“, wie die Bildhauer einst bezeichnet wurden, damit kein Problem.

Das auf dem Kreuz festgehaltene tragische Ereignis erinnert an eine kurze, eigentlich unwesentliche Episode aus dem bekannten Roman über die Lübecker Kaufmannsfamilie „Buddenbrooks“. Darin wurde von Thomas Mann die Frage nach der Gefahr eines Blitz- oder Donnerschlags thematisiert. Demnach wird zwischen einem warmen Schlag durch den Blitz und einem kalten Schlag durch den Donner unterschieden, allerdings in der Abhandlung von dem Großvater als dummer Kinderglaube abgetan und er sinniert: „Was, der Donner schlägt ein? Da soll doch gleich der Donner einschlagen.“ Somit wäre zumindest belegt, dass also eine solche Vorstellung „von dem Donnerschlag todt“, wie auf dem hiesigen Kreuz festgehalten, offenbar früher für denkbar gehalten wurde.

Wer war nun dieser auf dem Kreuz betrauerte Cornelius, der, egal ob vom Blitz oder - wie angenommen - vom Donner erschlagen wurde? Sein Vater Johann Philipp Bell, ein „ehrenhafter Jüngling und Schafhirte aus Ettringen“ heiratete während der französischen Besatzungszeit - das linke Rheinufer war Frankreich eingegliedert - 1797 die „tüchtige Jungfrau Katharina Röhrig aus Kottenheim.“ Cornelius wurde dem Paar als zweites Kind 1800 geboren und war somit französischer Staatsbürger. 1820 - inzwischen gehörte Cottenheim nach dem Wiener Kongress zu Preußen - heiratete Cornelius eine Margarete geb. Herschbach aus Cottenheim.

Am Todestag, dem 23. Juni 1822, war Cornelius offenbar auf der damals noch unbefestigten Landstraße zwischen Cottenheim und Mayen unterwegs, als er von einem Gewitter überrascht wurde. Der tödliche Schlag erwischte ihn auf der heutigen Kreisstraße 96, im Streckenabschnitt etwa zwischen der Kreisverkehrsanlage an der Kottenheimer Tankstelle und der Kreuzung nach Mayen-Hausen und Ettringen. Für seine Witwe Katharina wog der Verlust des Mannes doppelt schwer, denn einen Tag vor dessen Tod gebar sie ihr gemeinsames zweites Kind Mathias. Katharina Bell hat ihren vom Blitz erschlagenen Cornelius noch 42 Jahre überlebt.

Die Cousine des Autors, Anneliese, erinnert sich, dass der gemeinsame Großvater Bernhard Bell (genannt Klas Bernhard) beim Passieren der vorgenannten Unfallstelle auf dem Weg zu einem Feld im Bierling dort öfter einen Strauß frischer Feldblumen für seinen Großvater Cornelius hingestellt hat. Der Unfallort war auch für eine lange Zeit der erste Standort des jetzt restaurierten Kreuzes bis etwa in die 1940er Jahre. Vermutlich im Zuge einer Straßenerweiterung störte es wohl am Unglücksort und es wurde in den Vorgarten von Herze Köbes (Jakob Schmitz) an dem alten Barrieren-Häuschen der einstigen Actienstraße Mayen-Andernach versetzt. Als auch dieser Standort im erwähnten Vorgarten aus unbekannten Gründen aufgegeben wurde, gelangte das Kreuz des Cornelius Bell, ein Ururgroßvater des Verfassers, an die Friedhofsmauer am oberen Eingang. Möge es hier hoffentlich noch recht lange Passanten für die Gefahren eines Blitzschlages im offenen Gelände sensibilisieren. Franz G. Bell

Unfallkreuz von 1822.

Unfallkreuz von 1822.

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Die Versteigerung brachte die beeindruckende Summe von 1.674,50 Euro ein.
43

Raimund Wittlich engagiert sich seit über zwei Jahrzehnten für krebskranke und hilfsbedürftige Kinder bei der VOR-TOUR der Hoffnung. In dieser Zeit hat er sich als engagierter Spendensammler und „Kümmerer“ einen Namen gemacht und durch kreative Ideen immer wieder überrascht. Sein Talent, Potenziale für den guten Zweck zu erkennen, zeigte sich auch in der Geschichte des Unimog-Modells von Jörg Sombrutzki aus Roßbach.

Weiterlesen

Straßenbeleuchtung aufgrund eines Unfalls eingeschränkt
127

Mayen. Aufgrund eines Unfalls am Verteilerschrank der Straßenbeleuchtung „Am Erdwall“, kann die Straßenbeleuchtung in mehreren Straßenzügen bis auf weiteres nicht betrieben werden. Mit einer Instandsetzung kann erst am kommenden Montag begonnen werden. Der Verteilerschrank wird über das Wochenende entsprechend gesichert, sodass hier keine Gefahr von ausgeht.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Martinsmarkt Adendorf
Sessionseröffnung der KG Ringener Wendböggele, 14.11.26
Kleiderstube
Sessionseröffnung der KG Ringener Wendböggele, 14.11.26
Stellenausschreibung Kennziffer 108/2026
Tag der offenen Tür 2026
Stellenanzeige Sozialarbeiter
Gebrauchtwagenanzegie
Weitere Artikel
In Brogsitters Gasthaus Sanct Peter wurden die besten Ahrweine des Jahres 2026 ausgezeichnet.
3610

Siegerweine zeigen die außergewöhnliche Klasse an der Ahr

Ahrweine des Jahres 2026 ausgezeichnet

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zum 16. Mal zeichnete der Weinpreis „Ahrwein des Jahres“ die besten Weine des Anbaugebiets Ahr aus. Insgesamt 97 Weine wurden in diesem Jahr in sechs Kategorien bewertet. Die Preisverleihung fand in Brogsitters Gasthaus St. Peter in Walporzheim statt, wo Winzerinnen, Winzer und Weinfachleute zusammenkamen, um die Siegerweine zu würdigen.

Von Barbara Knieps aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Weiterlesen

50 ehrenamtlichen Ordnern
2040

Koblenz. Angeführt von Alexandra Susenburger und ihrem Hengst Cartujano zogen erneut rund 2.000 Teilnehmende vom Münzplatz durch die Straßen und Gassen der Koblenzer Altstadt zum Deutschen Eck. Musikalisch unterstützt wurde der Zug durch die Musikvereine von Löf und Rhens und dem Posaunenchor des Evangelischen Gemeindeverbandes.

Von "Unsere Altstadt" aus Koblenz

Weiterlesen