Heimatverein Meckenheim
20 Mitglieder informierten sich über das „sündige Köln“
Eineinhalb Stunden spannender Geschichte vergingen fast wie im Flug
Meckenheim. 20 Mitglieder des Heimatvereins Meckenheim machten sich auf, um Köln aus einer anderen Perspektive zu erkunden. „Das sündige Köln“ hieß das Thema der Führung. Eine Bürgersfrau aus dem frühen 16. Jahrhundert erwartete die Gäste vor dem Dom, um zunächst einmal etwas aus ihrer Welt des Mittelalters in Köln zu berichten. Der Dom bestand zu der Zeit nur aus dem Chor und einem Viertel des Südturms, und es gab nicht wenige Stimmen in der Bevölkerung, die einen Abriss und Neubau im Stil der aufkommenden Renaissance befürworteten. Die Besucher erfuhren viel über das Leben in der Domstadt. Frauen hatten zwar keine Rechte, bestimmten aber maßgeblich den Alltag. Es gab das „ Haus der schönen Frauen“, das nicht nur geduldet, sondern sogar erwünscht war, galt doch die Anwesenheit der Damen als Schutz vor zudringlichen Übergriffen auf ehrbare Bürgerinnen. Reisende „schöne Damen“ hatten aber einen schweren Stand.
Die weitere Führung war mit Anekdoten und Geschichten aus dem Kölner Leben angefüllt. Die Teilnehmer erfuhren, warum der Büßer an der Dompforte einen Stein und eine Kerze in den Händen trug, was Priester und Mönche in bezug auf die „ schönen Frauen“ unterschied und warum Ratsherren sogar mit Billigung ihrer Ehefrauen jenes Haus besuchen durften. Der Gang durch die Stadt führte vorbei am Gürzenich, dessen Tanzsaal die Kölner Bürger nach der Schlacht bei Worringen dem Erzbischof abgetrotzt hatten. Auch die Politik jener Zeit blieb nicht unerwähnt, soweit sie sich einer „ unwissenden Frau“ erschloss: die Doppelspitze im Stadtrat, die eine Kontrolle der Stadtoberen garantieren sollte, die Übersiedlung jüdischer Geldverleiher auf die andere Rheinseite, die erhebliche Erschwernisse im Handel brachte, und der anhaltende Zwist mit dem Erzbischof. Eineinhalb Stunden spannender Geschichte vergingen im Flug, danach kehrte die Gruppe zur verdienten Rast im „Früh“ ein, allerdings ohne eigenes Esswerkzeug, den im Mittelalter obligaten Löffel.
