Firmgruppe der katholischen Gemeinde Meckenheim zu Gast beim Kardinal
Berlin war eine Reise wert
Meckenheim. „Macht die Menschen neugierig auf unsere Kirche.“ Diese Worte gab der künftige Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, den elf Jugendlichen mit auf den Weg. Zuvor diskutierte die Firmgruppe der katholischen Gemeinde Meckenheim über das Wirken des Erzbischofs in seinem bisherigen Berliner Bistum. Ein Bistum, das von Berlin bis zu den Inseln Rügen und Usedom reicht. Eine große Fläche, aber nur wenige Katholiken. Lediglich neun Prozent der Menschen sind katholischen Glaubens. Das bringt auch große Auswirkungen auf die Jugendarbeit mit sich.
Der Kardinal berichtete, welche Anstrengungen nötig seien, um dennoch eine interessante Jugendarbeit zu ermöglichen. Ein großer logistischer Aufwand bedeutet es beispielsweise, die Kinder und Jugendlichen zusammenzubringen, egal, ob zum außerschulischen Religionsunterricht ,oder zur Firmvorbereitung. Aus riesigen Flächen müssen die Menschen mit Kleinbussen „eingesammelt“ werden.
Das seien alles Spätfolgen des SED-Regimes, betonte der Erzbischof. Bei diesem Thema konnten die Jugendlichen gut mitdiskutieren, besuchten sie doch zuvor eine speziell vorbereitete Führung im Berliner Stasimuseum. Auch die Ausstellung „Katholiken in der DDR“ des Berliner Bistums gab einen Einblick in diese Zeit. Sie bekamen einen Eindruck, wie sehr die Katholiken unter dem SED-Regime leiden mussten.
Kardinal Woelki erklärte aber auch anschaulich, wie sich die ostdeutschen Katholiken zu einem engen Kreis zusammenschlossen. Denn Katholik sein war immer auch ein Bekenntnis gegen den Staat, und das wiederum konnte ein verwehrtes Abitur oder ein verwehrter Studienplatz zur Folge haben. Ganz zu schweigen vom Mobbing der Lehrer oder einzelner Klassenkameraden, wenn jemand im Messdienergewand an Fronleichnam durch die Straßen zog, bis der SED-Staat schließlich die Prozessionen verbot.
Natürlich wurde der Kardinal auch mit Fragen gelöchert. Die Antworten fielen diplomatisch aus. Natürlich freue er sich auf die Heimat, auf die Familie, auf Köln. Aber er habe auch Berlin und seine bisherige Wirkungsstätte ins Herz geschlossen. Er verlasse Berlin auch mit einem weinenden Auge.
Ausgangspunkt der Reise im Rahmen ihrer Firmvorbereitung war die Übernahme des Projekts „Christsein in der DDR“. 25 Jahre nach dem Fall der Mauer wollten die jungen Katholiken wissen, wie es war, was es bedeutete, sich in einem totalitären SED-Regime zu seinem Glauben zu bekennen. Diese Lücke ist geschlossen. Die Jugendlichen gehören zu den ersten Gläubigen der Diözese, die ihren Oberhirten persönlich kennenlernen durften. Dass auch Reichstag, Fernsehturm und Disco auf dem Programm standen, trat dabei fast in den Hintergrund.
